Nora Bußfeld hält mit Begeisterung Hühner
Hürdenlauf fürs Federvieh

Metelen -

Corona ist eine Herausforderung für junge Menschen, die nicht in die Schule gehen können. Nicht so für Nora Bußfeld. Die tierliebe 13-jährige Siebtklässlerin hat ein

Hobby, dass sie täglich fordert und dem sie mit Begeisterung und mittlerweile auch viel Sachverstand nachgeht: Hühner. Aufs Huhn gekommen ist sie per Zufall. Zwei

der Vögel fand sie beim Spaziergang in einem Waldstück – daraus wurde mehr.

Samstag, 09.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 14:38 Uhr
Hürdenlauf fürs Huhn: Nora Bußfeld hat ihren gefiederten Schützlingen kleine Tricks beigebracht. Die getrockneten Mehlwürmer in der Schale geben den Vögeln zusätzliche Motivation.
Hürdenlauf fürs Huhn: Nora Bußfeld hat ihren gefiederten Schützlingen kleine Tricks beigebracht. Die getrockneten Mehlwürmer in der Schale geben den Vögeln zusätzliche Motivation. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Es ist eine bunte Truppe, die da im Garten der Familie Bußfeld vor sich hingackert. „Tilda“, „Frieda“, „Gorki“ und die anderen haben es richtig gut auf dem Grundstück: ein eigener Hühnerhof, ein wettergeschützter Hühnerstall und vor allem ein Mädchen, das sich täglich liebevoll um sie kümmert. Nora Bußfeld ist 13 Jahre alt, besucht die siebte Klasse der Ochtruper Realschule und ist ganz zufällig auf das Thema Huhn gekommen.

Dieser Zufall liegt gut anderthalb Jahre zurück, als sie nahe des Hundeplatzes am Hambrüggeweg zwei Hühner in einem Wäldchen entdeckte – Hühner, die dort mit Sicherheit nichts zu suchen hatten, wahrscheinlich ausgebüxt waren. „Wir haben die eingefangen und mit nach Hause genommen“, erzählt Nora. Wir, das waren sie und ihre Mutter Kathrin. Die Meldung beim Fundbüro brachte keine Resonanz, also beschloss Nora, die beiden Hühner zu adoptieren.

Tierlieb ist das Mädchen eh, geht gern mit dem Hund raus und auch reiten. Doch mit „Gerda“ und „Tilda“, wie die beiden gackernden Gäste im Garten schnell hießen, kam auch eine Menge Verantwortung auf Nora zu. „Ich habe ziemlich viel zum Thema gelesen“, berichtet die Schülerin davon, dass sie rasch merkte, dass Hühner eben mehr sind als anonyme Eierleger, deren Produkte irgendwann im Supermarktregal landen – und dazu die Hühner selber auch.

Den Youtube-Kanal von Internet-„Hühnerpapst“ Robert Höck studierte sie eifrig, hat mittlerweile auch die dazugehörigen Bücher, um bei Fragen nachschlagen zu können. Und die stellten sich im Laufe der Zeit: Wo sollen die Hühner leben, wie richtet man einen Hühnerhof ein, gibt es einen Trick, um unkompliziert an die Eier zu gelangen?

Schnell wurde klar, dass die provisorische Unterkunft im offenen Schuppen neben dem Holzlager nicht das Gelbe vom Ei war. Und hier kamen das handwerkliche Geschick von Vater Ralf und viel schönes altes Eichenholz der alten Remise aus Ellings Wiese ins Spiel. Daraus zimmerte er einen Hühnerstall, der – denn das war schnell klar – mehr als nur zwei Hühnern Platz bieten sollte.

Zwei Sitzstangen und eine pfiffig konstruierte Legebox, die durch einen Deckel von oben zu öffnen ist – das Hobby der Tochter wurde immer intensiver.

„Tilda“ und „Gerda“ blieben nicht allein. Zwei Sussex-Hühner, ein Exemplar der Sorte Marans und auch Soda-Allerweltshühner bevölkern den Hühnerhof, genießen das Sandbad, scharren in den Ecken. Um acht Vögel kümmert sich die 13-Jährige inzwischen, musste aber auch erleben, dass zwei ihrer Hühner das Zeitliche segneten. Kleine Kreuze am Namensbrett des Hühnerstalls erinnern an „Porki“ und „Gerda“ – ausgerechnet Gerda. Mit der und ihrer Hühnerkollegin „Tilda“ hatte doch alles angefangen. Letztere ist so zahm und auf Nora geprägt, dass sie sogar kleine Kunststückchen zeigt – motiviert durch leckere Mehlwürmer.

Und was sagen die Freundinnen zu dem Hobby? „Die halten mich ein bisschen für verrückt“, lacht Nora und erzählt weiter: „Wenn die mal hier waren und die Hühner erlebt haben, denken die anders.“ Die Beschäftigung mit den Tieren gibt ihr ein ganzes Stück Gelassenheit, berichtet die Schülerin. „Es ist einfach schön, sich hinzusetzen und den Tieren zuzuschauen“, schildert sie schon beinahe meditative Momente bei der Beschäftigung mit den Vögeln.

Die Beschäftigung mit den Hühnern half auch, die vielen schulfreien Tage der letzten Wochen auszufüllen – zumal da noch die Küken waren, die Nora für einen Nachbarn, der mit der Hühnerhaltung anfangen will, aufgezogen hat – das Hobby erlebt wohl einen Boom.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7401517?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F178%2F
Nachrichten-Ticker