Amprion-Projekt: Erdkabel statt Freileitung?
Alternative kostet über 40 Millionen

Metelen -

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die neue Höchstspannungsleitung des Netzbetreibers Amprion geht es nicht nur um den Vergleich von Freileitungsvarianten. Auch die Option einer Erdverkabelung wurde untersucht. Das Ergebnis zweier Studien: Einerseits technisch durchaus machbar, aber andererseits mit gut 43 Millionen Euro gut siebenmal so teuer wie die konventionelle Lösung mit Masten.

Dienstag, 23.06.2020, 13:20 Uhr
Im Erdreich verborgen und nicht weithin durch teils mehr als 80 Meter hohe Masten sichtbar: Erdverkabelung wäre allerdings eine extrem teure Alternative für die Höchstspannungstrasse.
Im Erdreich verborgen und nicht weithin durch teils mehr als 80 Meter hohe Masten sichtbar: Erdverkabelung wäre allerdings eine extrem teure Alternative für die Höchstspannungstrasse. Foto: dpa

Seit der vergangenen Woche ist sie – wieder einmal – offen im Rathaus einsehbar, die Planung des Netzbetreibers Amprion für den Neubau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungstrasse auch über Metelener Grund. Wer in die Tiefe der ausliegenden Unterlagen eindringt, wird dort auch über eine Alternative zu den teils 80 Meter hohen Masten etwas nachlesen können – zur Erdverkabelung.

Amprion hat im Rahmen der Antragsverfahrens, mit der sich seit vielen Monaten die Bezirksregierung Münster beschäftigt, auch eine Verlegung der Trasse unter die Erde untersuchen lassen. Das Planungsbüro Dr. Pecher AG aus Erkelenz hatte vier verschiedene Trassenführungen für Erdverkabelung untersucht.

Zwei Kabelübergabestationen, eine im Süden im Bereich Brinckwirths Erbe, und eine nördlich der Waldseesiedlung würden das Erdkabel-Projekt im Bereich Metelen eingrenzen. An diesen beiden Stationen würde die Stromleitung von Masthöhe in die Erde geführt. Doch wo genau könnte solch eine Erkabel-Trasse verlaufen? In der Untersuchung werden zwei Varianten, die gleich mehrfach die B 70 unterqueren müssten und eine vorhandene Gasleitung tangieren, verworfen. Favorisiert wird schließlich eine Erdkabel-Trasse, die längs der B 70 verläuft und das Umspannwerk südlich umläuft. Technisch machbar also, laut Büro Dr. Pecher.

Mit dieser Vorgabe beschäftigte sich auch die ERM GmbH aus Neu-Isenburg, die laut Eigendarstellung dabei hilft, „gesetzte Umweltziele zu erreichen“ zugleich aber auch „Kosten (zu) reduzieren“. Ebenfalls im Auftrag von Amprion kommt ERM zu der Einschätzung, dass die Erdkabelvariante – nicht zuletzt wegen der deutlich höheren Rodungen von Waldflächen – Nachteile mit Blick auf den Artenschutz hat. Auch seien die Eingriffe im Bereich Böden und Wasser größer als bei der Freileitungsvariante. Keinerlei Vorteile einer der Alternativen sieht der Variantenvergleich beim Schutzgut Mensch.

„Sicherlich gibt es Situationen, in denen ein Erdkabel Vorteile gegenüber einer Freileitung aufweist“, heißt es wörtlich in der ERM-Studie. Im Fall Metelen sei eine Freileitungsvariante hingegen „angemessen“. Das Büro lässt nicht unerwähnt, dass Amprion der Freileitung den Vorzug gibt und unterfüttert dies selber mit der eingeführten Technik der Freileitung gegenüber der kürzeren Lebensdauer eines Erdkabels, für das es allerdings noch keine Betriebserfahrungen gebe. Auch sei der Zeitaufwand bei Planung und Realisierung höher. Schließlich führe eine Erdverkabelung zu einer Vervielfachung der Kosten.

ERM bringt diese zum Schluss der Studie auf den Punkt: Die Kosten für die Erdverkabelung im Bereich Metelen seien mit 43 Millionen Euro anzusetzen. Selbst wenn der deutlich kürzere Freileitungsabschnitt in Relation gesetzt würde, wäre eine Erdverkabelung etwa siebenmal so teuer wie die oberirdische Variante.

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