Erinnerungen an die Gründung des grünen Ortsverbandes
Parteigeschichte wiederholt sich

Ochtrup -

Die Grünen sind in neuen Gemeinderat, der am 2. November seine konstituierende Sitzung hat, wieder vertreten. Zwei Ratsperioden lang setzten sie zuletzt in der aktiven Arbeit der Bürgervertretung aus, nachdem sich zu wenig Parteimitglieder gefunden hatten, die aktiv mitmachen wollen. Das war bei der Gründung des Ortsvereins anders, wie ein Blick zurück in die 80er Jahre zeigt.

Montag, 12.10.2020, 06:00 Uhr
Zwischen den Bildern liegen 31 Jahre: Der Ortsverband der Grünen sammelte im Jahr 1989 auf dem Sendplatz mit einem Infostand Unterschriften gegen Fluglärm. Heutige Protagonisten der Grünen im Ort sind (v.l.) Rolf Hoogstoel, Vorsitzender Moritz van Goer und Ratsherr Willi Rieps.
Zwischen den Bildern liegen 31 Jahre: Der Ortsverband der Grünen sammelte im Jahr 1989 auf dem Sendplatz mit einem Infostand Unterschriften gegen Fluglärm. Heutige Protagonisten der Grünen im Ort sind (v.l.) Rolf Hoogstoel, Vorsitzender Moritz van Goer und Ratsherr Willi Rieps. Foto: Die Grünen Metelen

Sie waren jung, politisch, engagiert. Sie wollten, dass sich etwas grundlegend änderte. Aus dem Engagement wurde schließlich Parteiarbeit – für die Grünen. Metelens Ortsverband gründete sich 1983; ein Jahr später holten die Grünen gleich auf Anhieb drei Ratsmandate.

Seit einigen Jahren gibt es wieder junge Leute, die grundlegende Kritik anmelden, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen, die sich politisch engagieren – wiederum bei den Grünen. Doch einen Unterschied gibt es zum grünen Aufbruch in Metelen Anfang der 1980er Jahre: Die jungen Leute können auf die Erfahrung der Parteifreunde von damals bauen.

Etwa auf die von Rolf Hoogstoel. 25 Jahre lang, von 1984 bis 2009, saß er im Rat der Gemeinde Metelen. Und er war einer derjenigen, die seinerzeit den grünen Ortsverband mit gründete. Es war die Zeit, als Themen wie der Nato-Doppelbeschluss, die Anti-Atomkraft-Bewegung oder neue Ideen für die eigene Ernährung junge Leute im Ort beschäftigten. Etliche kamen aus dem Freundeskreis von Hoogstoel. „Da waren viele Gleichgesinnte“, berichtet er rückblickend. Das Kaminzimmer im Gasthaus Kock wurde rasch zu klein, denn die Gruppe, die sich hier traf, wuchs. Und auch der Wunsch, vor Ort Politik zu gestalten.

Dass aus dem bis dato losen Zusammenschluss ein grüner Ortsverband wurde, war angesichts der Schnittmenge der politischen Ansichten naheliegend. „Außerdem brauchten wir keine Unterstützerunterschriften, als wir bei der Kommunalwahl 1984 erstmals antraten“, ergänzt Hoogstoel einen ganz pragmatischen Grund.

Eine Mischung aus Neugier, Wohlwollen und bisweilen auch Ressentiments prägten den ersten Wahlkampf. „Ich habe damals hier in der Nachbarschaft an alle Türen geklingelt“, erinnert sich Hoogstoel. Die Reaktionen reichten von „Nicht schlecht“ bis „Was wollt ihr denn?“

Der Metelener Grüne schmunzelt heute noch angesichts des seinerzeit gern kolportierten Spruchs, dass jede Familie einen Grünen wohl verschmerzen können müsse. Die Partei war eben noch jung, genauso wie die meisten ihrer Mitglieder.

Ein Blick in die Gesichter der Kandidaten für die seinerzeit noch 14 Stimmbezirke ist zugleich auch eine Zeitreise zurück in die frühen Achtziger: Bis auf eine Ausnahme trugen die potenziellen Ratsherren Bart, zumeist Vollbart, und die Haare waren deutlich länger. Nur eine Frau – Brigitte Glotzbach – gab es in der Männergruppe. „Wir hatten aber in der politischen Arbeit die Unterstützung von unseren Frauen“, so Hoogstoel. Und diese war vor allem ein wichtiger Rückhalt, als es nach der Wahl 1984, bei der die Grünen aus dem Stand 12,4 Prozent der Stimmen holten, ans Eingemachte ging. Ratsarbeit war kein Zuckerschlecken.

„Ich war schon erschrocken, wie hart es in den Sitzungen zur Sache ging“, so Hoogstoel. Persönlich wurde es zwar kaum einmal, um Sachthemen wurde aber intensiv gerungen: „Das waren wir von unserem Arbeitskreis gar nicht gewohnt.“ Das Eis war aber wohl spätestens gebrochen, als CDU-Wortführer Reinhard Jockweg seinerzeit äußerte: „Mit denen kann man doch reden.“ So erzählt es Hoogstoel gerne heute noch. Aber er sagt auch, dass die Grünen damals viel Frust schieben mussten, da sie mit ihren Anträgen oftmals allein dastanden.

1999 kam auch Willi Rieps für die Grünen in den Rat, zu einer Zeit, als die Euphorie der Gründungsphase zwar verflogen war, die örtlichen Grünen aber auf eine stabile Wählerschaft von gut zehn Prozent bauen konnten. Zwei Wahlperioden arbeitete er neben Hoogstoel in der Bürgervertretung. Die beiden Ratsherren mussten sich auch die übrigen Ausschüsse aufteilen – das kostete viel Kraft und Freizeit. Als im Jahr 2009 auch die Beteiligung der Parteifreunde an der örtlichen Treffen immer geringer wurde (Hoogstoel: „Am Schluss war da nur noch eine Handvoll“), zogen sie die Notbremse. Die Grünen kandidierten nicht mehr.

Doch Parteigeschichte wiederholt sich bisweilen. So auch in Metelen. Schon seit einigen Jahren trafen sich Gleichgesinnte wieder bei Rolf Hoogstoel, darunter auch etliche junge Menschen wie Moritz van Goer. „Politik wird immer älter. Wir fühlen uns dabei oft allein gelassen. Dabei droht, unsere Zukunft auf der Strecke zu bleiben. Es geht doch um etwas und wir haben nicht mehr viel Zeit, was zu ändern.“

Fridays for Future, die aus der Jugend kommende Klimabewegung, war für viele die Initialzündung, sich zu engagieren. „Da sind so 15 bis 20 junge Leute, die mitmachen“, sagt van Goer, selber Vorsitzender des Ortsverbandes und 22 Jahre alt. Menschen, die auch Verantwortung übernehmen wollen bei den Grünen. Genauso wie damals, in den frühen 80er Jahren.

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