VdK-Ortsvorsitzender Theo Bröker im Interview
Das Beisammensein fehlt

Metelen -

Im kommenden Jahr feiert er sein 75-jähriges Jubiläum, im Vorjahr musste er fast alles absagen: Der VdK-Ortsverband Metelen hält dennoch Kontakt zu seinen Mitgliedern und bietet ihnen Beratung an. Auch in der Vorbereitung von Veranstaltungen lässt das Vorstandsteam nicht nach. Theo Bröker, Vorsitzender des Ortsverbandes, plant für den August – hoffentlich nach Corona – eine Fahrt nach Oberwiesenthal.

Freitag, 08.01.2021, 06:00 Uhr
Mit Abstand unterwegs. Für
Mit Abstand unterwegs. Für Foto: dpa

Der Sozialverband VdK setzt sich seit mehr als 70 Jahren für eine gerechte Sozialpolitik ein. Er vertritt die Interessen seiner deutschlandweit mehr als zwei Millionen Mitglieder. Auch in Metelen sind 360 Menschen im VdK organisiert, die Gründung des Ortsverbandes fand vor 74 Jahren statt. Über die Herausforderungen, die der Verband im Zusammenhang mit der Coronakrise bewältigen muss, sprach Redakteur Dieter Huge sive Huwe mit dem Ortsverbandsvorsitzenden Theo Bröker .

 

Wir sind vor einigen Tagen in das zweite Jahr unter Corona-Vorzeichen gestartet. Viele Ihrer Mitglieder sind Senioren und gehören damit zur Risikogruppe. Wie geht es denen?

 

Theo Bröker: Um es auf den Punkt zu bringen: Derzeit ist für viele alles „bescheiden“. Und das betrifft nicht allein unsere älteren Mitglieder. Das Gros der VdK-Mitglieder hier im Ortsverband ist ja jünger. Die Altersgruppe zwischen 45 und 65 Jahren ist am stärksten vertreten, vor allem diejenigen, die zwischen 60 und 65 Jahre alt sind. Letztlich ergibt sich das auch durch die Arbeit unseres Verbandes, die sich unter anderem in Fragen der Rente, Versorgung oder beispielsweise auch bei Problemen mit Kranken- und Pflegekassen für die Mitglieder stark macht.

Wie halten Sie Kontakt zu den Mitgliedern? Veranstaltungen waren im vergangenen Jahr ja nicht möglich und sind auch absehbar nicht planbar.

 

Bröker: In den vergangenen Jahren wurde der Kontakt zu und zwischen den Mitgliedern vor allem durch die Fahrten und Feiern gehalten. Diese mussten wir coronabedingt – bis auf eine Ausnahme – im Vorjahr absagen. Aber natürlich treffe ich viele aus dem VdK etwa beim Einkaufen im Ort. Dort bekomme ich dann die Resonanz auf die Absagen. Viele sind traurig darüber, dass unsere Aktivitäten derzeit nicht stattfinden können. Vor allem die Weihnachtsfeier war immer ein Magnet. Da waren über 100 Menschen bei Pieper versammelt. Es herrschte stets eine wunderbare, vorweihnachtliche Stimmung. Und das fehlt den Mitgliedern. Immerhin konnten wir ihnen über die Zeitung Weihnachtswünsche zukommen lassen. Und das ist auch gut angekommen, da bin ich drauf angesprochen worden.

Was bewegt die VdK-Mitglieder in diesen Coronazeiten?

 

Bröker: Es gibt vornehmlich zwei Themen: Zum einen ist es eine Unzufriedenheit darüber, dass sie sich untereinander nicht treffen dürfen. Vor allem aber ist es die Angst vor Ansteckung. Auch 60-Jährige oder 65-Jährige haben Angst vor einer Infektion. Dazu muss man nicht 70 oder 80 sein. Gerade seit Weihnachten werde ich immer wieder danach gefragt, wie und wo man sich impfen lassen kann. Das ist ein Thema, das unsere Mitglieder sehr umtreibt in diesen Tagen.

Welche Möglichkeiten hat der Verband, seinen Mitgliedern auch in diesen Zeiten, da persönliche Gespräche über Probleme mit Themen wie Rente, Behinderung oder Pflege nicht möglich sind, zu informieren?

 

Bröker: Wir hatten vor Corona regelmäßige Sprechstunden unserer Kreisgeschäftsstelle in Ochtrup, im alten Coca-Cola-Werk, an jedem zweiten Donnerstag im Monat. Bei diesen Terminen war ich teilweise auch anwesend, wenn ich in Ausnahmefällen Mitglieder begleitet habe. Der persönliche Kontakt zu den Experten unserer Geschäftsstelle ist für viele wichtig, denn etliche scheuen sich davor, ihre Anliegen telefonisch oder online vorzubringen. Wir haben aber auch festgestellt, dass oftmals die Kinder oder Enkel hier unterstützend helfen. Die Beratung in der VdK-Geschäftsstelle in Ibbenbüren findet natürlich weiterhin statt, allerdings dort seit März nur telefonisch. Dass die Sozialberater des VdK ihre Arbeit gut machen, zeigt die Statistik. Im Jahr 2019 hat allein unsere Vertretung in Ibbenbüren nur für Mitglieder aus dem Kreis Steinfurt vor Gericht Ansprüche in Höhe von fast 1,8 Millionen Euro durchsetzen können.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf behinderte Menschen?

 

Bröker: Wir haben beobachtet, dass einige unserer Mitglieder, die körperlich eingeschränkt sind, noch weniger aus ihrer Wohnung hinaus gehen, als vor Corona. Gerade unsere Weihnachtsfeier war immer ein solcher Anlass, sich mit anderen zu treffen. Dort blühen die Menschen auf. Deshalb hat es uns auch sehr leid getan, dass wie sie nicht durchführen durften. Positiv ist in dem Zusammenhang, dass die Menschen hier auf dem Lande in der Regel noch Kontakt zu ihren Verwandten und Kindern haben, die sich kümmern.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres besteht unter bestimmten Voraussetzungen das Anrecht auf Grundrente. Hilft das einigen ihrer Mitglieder vor Ort?

 

Bröker: Das war bislang noch kein Thema für uns. Man muss 33 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, um hier Ansprüche geltend machen zu können.

Der zweite Lockdown ist gerade verlängert worden. gibt es beim VdK überhaupt Planungen für dieses Jahr?

 

Bröker: Ich hatte für dieses Jahr im Juni eine Fahrt nach Oberwiesenthal im Erzgebirge angeboten. Dazu habe ich nicht nur Zusagen, sondern auch Anrufe bekommen. “Theo, das trauen wir uns nicht. Wer weiß, ob wir bis dahin geimpft sind“, war die Sorge. Ich hatte aber die Möglichkeit, bei dem Busunternehmen, das die Fahrt anbietet, umzubuchen. Die Sommerfahrt unseres Ortsverbandes findet nun im August statt, und zwar vom 22. bis 27. August (Sonntag bis Freitag). Mit Blick auf Corona werden wir versuchen, den kostenlosen Stornotermin möglichst nah an den Reisetermin zu legen. Wer mitfahren will, darf mich gerne unter Telefon 0 25 56/78 77 anrufen.

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