Keine leichte Zeit für Metelens Schalke-Fans
Genug von hämischen Bemerkungen

Metelen -

Das vergangene Jahr war sicherlich das bitterste seit Bestehen des Schalke-Fanclubs „Königsblau“. Der Niedergang des Bundesligateams und die Negativserie der Gelsenkirchener Kicker aus dem Vorjahr brachte den Anhängern auch eine gehörige Portion Häme ein. Im Gespräch mit dieser Zeitung hoffen Mitglieder des Königsblau-Vorstands nun, dass der Sieg gegen Hoffenheim das Signal für eine Kehrtwende war.

Donnerstag, 14.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 12:02 Uhr
Nachdenkliche Gesichter gab es schon während der Bezirksversammlung der Schalke-Fans im Dezember des vorvergangenen Jahres im Gasthaus Kock. Ob dieses Trio da wohl schon ahnte, dass die Gelsenkirchener Kicker bis zum Sieg gegen Hoffenheim am Samstag keines ihrer Ligaspiele gewinnen würden?
Nachdenkliche Gesichter gab es schon während der Bezirksversammlung der Schalke-Fans im Dezember des vorvergangenen Jahres im Gasthaus Kock. Ob dieses Trio da wohl schon ahnte, dass die Gelsenkirchener Kicker bis zum Sieg gegen Hoffenheim am Samstag keines ihrer Ligaspiele gewinnen würden? Foto: Thomas Strack

Metelens Schalke-Fans hatten es in den vergangenen Monaten wirklich nicht leicht. „Wenn ich in den letzten Wochen abends mein Handy angeschaltet habe, hatte ich immer einige Nachrichten mit hämischen Bildchen und Kommentaren“, berichtet Bernhard Schaper . Dem Vorsitzenden des Fanclubs „Königsblau Metelen“ bereitet die sportliche Krise der Königsblauen ernsthafte Sorgen – und das nicht nur aus rein fußballerischer Perspektive.

„Mit dem Schuldenberg, den der Verein hat, wird es schwierig, in der 2. Bundesliga eine Zulassung zu bekommen. Und dann ist man ganz schnell aus dem Profibereich raus. Dann kann man in der 4. Liga und noch tiefer wieder anfangen.“ Auch für seinen Fanclub, der in Nicht-Corona-Zeiten mit rund 50 Personen zu jedem Heimspiel fährt, sieht er im Falle eines Abstiegs die Existenzgrundlage bedroht.

Aus Schapers Sicht hat im zurückliegenden Jahr, in dem die Schalker in Folge keines der 30 Bundesligaspiele gewinnen konnten, vor allem die Mentalität der Spieler nicht gestimmt. „Das war ja schon kein Fußball mehr, was die da gemacht haben.“ Eigentlich, so Schaper, müsse man den Akteuren für dieses Verhalten das Gehalt kürzen. „Wenn unsereins die Sachen bei der Arbeit nicht vernünftig macht, sitzen wir spätestens nach drei Tagen beim Chef im Büro und bekommen etwas zu hören“, so Schaper.

Dennoch ist für den glühenden Schalke-Fan bislang noch nicht alle Hoffnung verloren. Der 4:0-Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim am Wochenende habe gezeigt, dass die Mannschaft das Fußballspielen nicht verlernt habe.

Einen wesentlichen Faktor für den Überraschungssieg sieht er in der Verpflichtung von Sead Kolasinac, den die Schalker nach seinem Wechsel zu Arsenal London im Jahr 2017 nun zurück ins Revier lotsten. „Mit dem hat die Mannschaft einen neuen Antreiber bekommen. Das ist einer, der die anderen anpeitscht und den Unterschied machen kann. Außerdem weiß er, dass er dem Verein viel zu verdanken hat“, erzählt Schaper mit Blick auf die Karriere des Linksverteidigers, die in der Nachwuchsakademie der Königsblauen ihren Anfang nahm.

Nun komme es darauf an, den Kader kurzfristig noch mit weiteren Akteuren zu verstärken. „Wir brauchen auf jeden Fall noch einen Mittelstürmer und einen Rechtsverteidiger“, so der Geschäftsführer des Fanclubs, Michael Kottig .

Dass der Verein die dafür angebotene finanzielle Hilfe des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies nicht angenommen habe, ist für die beiden Vorstandsmitglieder von „Königsblau Metelen“ nicht nachvollziehbar. „Ich habe da am Wochenende auch mit anderen Fanclub-Vorsitzenden und unserem Bezirksvertreter drüber gesprochen. Da waren sich eigentlich alle einig, dass das ziemlich blöd war, diese Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen“, berichtet Bernhard Schaper.

Als Funktionäre in der Fanszene befassen er und seine Vorstandskollegen sich neben dem sportlichen Teil auch intensiv mit Fragen der Vereinspolitik, die bei den Schalkern traditionell rege diskutiert wird. Die Gelsenkirchener Ultra-Szene tat dabei in den vergangenen Monaten ihren Unmut über Entscheidungen der Vorstandsmitglieder mit Transparenten auf dem Vereinsgelände kund.

Insbesondere S 04-Vorstand Alexander Jobst, der in den vergangenen Jahren bereits zweimal in Metelen zu Gast war, steht dabei im Mittelpunkt der Kritik, der sich Schaper in dieser Form aber nicht anschließen möchte: „Ich bin jetzt nicht derjenige, der sagt: Der ganze Vorstand macht nur noch Mist.“ Aus seiner Sicht seien vor allem die Spieler selbst für die sportliche Talfahrt verantwortlich.

Auch einer möglichen Ausgliederung der Profiabteilung aus dem gemeinnützigen Verein stehen die Metelener im Gegensatz zu anderen Teilen der Fanszene offen gegenüber: „Auf Dauer wird man da nicht drum herumkommen“, meint Bernhard Schaper. Und auch Michael Kottig glaubt, dass sich für eine solche Initiative in der Mitgliederversammlung mittlerweile eine Mehrheit finden würde: „Da kommt es dann auf die Form an. Eine Genossenschaft würde meiner Meinung nach besser zu Schalke passen als eine Aktiengesellschaft.“

In den nächsten Wochen geht es für die Fans aber zunächst darum, die Daumen zu drücken dafür, dass mit dem Sieg vom Wochenende tatsächlich der Startpunkt für eine Trendwende gesetzt wurde. „Gegen Frankfurt kann man eigentlich schon froh sein, wenn wir einen Punkt holen. Aber danach gegen Köln muss unbedingt wieder ein Sieg her“, so Schaper. Noch hat er Hoffnung, dass es am Ende klappt mit dem Klassenerhalt – und die Flut der hämischen Whats­App-Nachrichten bald ein Ende nimmt.

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