Bauhof-Sanierung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein
Leuchtturm flackert am Horizont

Metelen -

Nach Jahren der Vorarbeit, Genehmigungsprozeduren und Finanzierungsfragen wird in diesem Jahr der Umbau des Gemeindebauhofes zu einem Musterprojekt erfolgen. Die energieautarke Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes soll Leuchtturmcharakter haben.

Donnerstag, 04.02.2021, 06:00 Uhr
Energetisch eine Katastrophe, als Arbeitsplatz grenzwertig: Die Schlosser-Werkbank ist in der großen Fahrzeughalle integriert, die Werkstatt des Schreiners durch die nur halbhohe Abtrennung zur Lagerhalle ebenfalls kaum zu beheizen. Beides wird im Laufe des Jahres grundlegend umgestaltet.
Energetisch eine Katastrophe, als Arbeitsplatz grenzwertig: Die Schlosser-Werkbank ist in der großen Fahrzeughalle integriert, die Werkstatt des Schreiners durch die nur halbhohe Abtrennung zur Lagerhalle ebenfalls kaum zu beheizen. Beides wird im Laufe des Jahres grundlegend umgestaltet. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Kopfschüttelnd standen sie in der großen Halle des Bauhofs, die Mitglieder des Bauausschusses. Der Besuch vor Ort öffnete ihnen die Augen für die Missstände in dem gemeindeeigenen Objekt. „Ich schäme mich“, entfuhr es seinerzeit Angar Stening, dem Fraktionschef der UWG, nach der Besichtigung. Die Bürgervertreter beschossen, zu handeln. Die Szene stammt aus dem Jahr 2015, genauer vom 23. März. Geschehen ist seither augenscheinlich nichts.

Doch das ist nur der erste Blick aufs und in das Gebäude. Seit Jahren arbeitet die Gemeinde an der Konkretisierung des Projekts „Energieautarker Bauhof – ein Leuchtturmprojekt“. Dies ist das ehrgeizige Ziel, das sich die Gemeinde gesetzt hatte und das letztlich auch zur Einrichtung der Klimaschutzmanagement-Stelle im Rathaus führte. Nur so ließen sich die Fördergelder einwerben, um das Projekt umzusetzen.

Dass die bürokratischen Mühlen unendlich langsam mahlen, wird schon anhand der sechsjährigen Vorlaufzeit deutlich. Nachdem die Finanzierung in trockenen Tüchern war – das Land NRW gibt mehr als eine halbe Million Euro – musste noch die Baugenehmigung her. Und auch im Kreishaus brauchte dies Zeit.

Mittlerweile hat die örtliche Bauverwaltung die Finanzierung (170 000 Euro kommen zusätzlich aus Eigenmitteln), die Genehmigungen und auch die Planung beisammen. Die Ausschreibungen können starten und noch in diesem Jahr soll gebaut und das gesamte Projekt endlich fertig werden.

Dies skizzierte Bauamtsleiter Stefan Weßling im Gespräch mit dieser Zeitung vor Ort. Er stellte zunächst die Baumaßnahmen im und am Gebäude vor. So soll zum einen der Sozialtrakt für die Mitarbeiter erneuert und auch vergrößert werden. Die Arbeitsbereiche für den Schlosser und die Schreinerei werden von den übrigen Hallensegmenten abgetrennt. Sie sind so leichter zu beheizen. Die Außenfassade bekommt eine Wärmedämmung in Sandwich-Bauweise, neue Fenster ergänzen die sanierte Gebäudehülle.

Auch das Dach wird energetisch optimiert und ergänzt durch eine Photovoltaikanlage. Diese liefert den Strom für den Bauhof selber, aber auch für ein Elektrofahrzeug, für das ebenfalls die Ausschreibung ansteht. In den vergangenen Jahren testeten die Mitarbeiter des Gemeindebauhofs bereits etliche dieser Elektromobile. Zwei Sitze und eine Ladefläche sowie eine Reichweite, die der Praxis des Bauhof-Alltags entspricht, sind die Vorgaben für das neue Fahrzeug, dass seinen Strom vom Dach der Halle bekommt.

Doch damit nicht genug: Wurde bislang mit Gas geheizt, sollen künftig Holzhackschnitzel die nötige Wärme liefern. Schon im Vorjahr war ein Heckenabschnitt am Maßmannweg auf den Stock gesetzt worden. Das gehäckselte Gut lagert seither in einer der großen Schüttgutboxen und wartet auf den Einbau der modernen Heizung. Diese wird in der jetzigen Lagerhalle installiert.

Hinter dessen Wand, auf der jetzigen Abstellfläche, entsteht zudem ein moderner Waschplatz mit Ölabscheider, auf dem die Fahrzeuge des Bauhofs umweltgerecht gepflegt werden können.

Die Gemeinde erhofft sich von der Umsetzung ein „Best-Practice-Projekt, an dem sich sowohl Kommunen als auch Handwerker, Gewerbetreibende und Bürgerinnen und Bürger orientieren können“. So beschreibt es die Kommune auf ihrer Webseite.

Auch die Landesregierung NRW honoriert die Initiative – nicht nur finanziell, sondern auch durch Werbung in einem Imagefilm. Darin taucht noch Simon Möser, der frühere Klimaschutzmanager der Kommune, auf – doch der ist längst in Steinfurt beschäftigt. Zeit also, dass sich endlich was bewegt. Immerhin ist bereits ein schwaches Glimmen des künftigen Leuchtturms am Horizont erkennbar.

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