Gedanken zur Fastenzeit
Nachdenken darüber, was wirklich zählt

Metelen -

„Nachdenken darüber, was wirklich zählt“, ist für Metelens katholischen Geistlichen Thomas Stapper ein Motiv, die Fastenzeit bewusst zu begehen. Reflexion halten, unnötigen Ballast abwerfen – das sind für ihn Möglichkeiten, die Zeit bis zum Osterfest zu nutzen. Stapper blickte auch zurück, auf die Zeit, als Fasten mit strengen Zwängen gleichgesetzt wurde. Wichtiger sei es, das Positive des Fastens hervorzuheben.

Donnerstag, 18.02.2021, 06:00 Uhr
Sichtbares Zeichen der Fastenzeit ist das Hungertuch in der Pfarrkirche, welches die leuchtenden Farben der großen Fensterrosette im Chorraum verdeckt.
Sichtbares Zeichen der Fastenzeit ist das Hungertuch in der Pfarrkirche, welches die leuchtenden Farben der großen Fensterrosette im Chorraum verdeckt. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Das Hungertuch hängt seit Dienstag wieder im Chorraum der Pfarrkirche. Hinter ihm verbirgt sich während der Fastenzeit das als bunte Rosette gestaltete Fenster. Erst Ostern wird der Blick darauf erneut frei sein. Pastor Thomas Stapper sagt, das sei „fasten mit den Augen“. Wenn man es nach der langen Zeit wiedersehe, werde einem die Schönheit des Fensters erst so richtig wieder bewusst.

Das Gespräch mit ihm in dieser Woche dreht sich um das Thema Fasten. Natürlich, erklärt er auf Nachfrage, fastet er selbst auch. Darunter versteht er in erster Linie ein bewussteres Leben und Tun mit mehr Tiefgang. Er umschreibt es so: „Einfach mal rauskommen aus dem Hamsterrad und versuchen, unnötigen Ballast abzuwerfen.“ Die Fastenzeit eigne sich besonders für eine Reflexion anhand der Frage, was im eigenen Leben wirklich zähle. Er bemühe sich in den vergangenen Jahren zum Beispiel, seine Geschwister öfter zu treffen. Das wird ihm zunehmend wichtig. Früher habe er manchmal gemeint, das sei egoistisch. „Heute denke ich anders darüber.“

Für die Fastenzeit gelte insbesondere der Dreiklang aus Gebet, Fasten und Almosen geben. Dazu gehört, Gott im Gebet nahe zu sein, sich bewusst zu werden, dass weniger oft mehr ist, dass man versucht, sich selbst zu entschleunigen und sein Leben mit anderen teilt. Auch über Augen, Mund und Hände lasse sich fasten. In gleicher Reihenfolge ist das möglich etwa über die Einschränkung des Fernsehkonsums, über das, was man sagt oder mit den Händen tut.

In den 50er-, 60-er Jahren und auch noch darüber hinaus habe die Kirche die Gläubigen quasi indoktriniert, sich streng an die Regeln zu halten. „Die Fastenzeit war damals ein rotes Tuch, die Leute haben sie als Zwang empfunden. Das Positive des Fastens wurde überhaupt nicht hervorgehoben.“

Er habe mal einen interessanten Bericht gelesen, in dem es um junge Leute ging, die unter dem Slogan „Sechs Wochen ohne“ freiwillig auf etwas vermeintlich Unverzichtbares verzichteten. „Das hatte in diesem Fall gar keinen religiösen Hintergrund, es ging einfach nur um ein anderes Lebensgefühl.“ Voraussetzung für eine gelungene Fastenzeit sei, dass man für sich selbst den Sinn des Fastens erkenne und sich als wertvoll empfinde. Dieser Wert bemesse sich keinesfalls an materiellen Dingen. Betrachte man die Fastenzeit unter diesem Aspekt, habe sich die Akzeptanz der Gläubigen zu ihr deutlich verbessert.

Seit dem vierten Jahrhundert gibt es laut Pastor Stapper die Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest. Die Tradition kommt aus dem alten Mönchstum und geht insbesondere auf den Heiligen Antonius zurück. Das Fasten als Vorbereitung auf ein religiöses Fest gebe es in mehreren Religionen und Kulturen, so etwa im Budd­hismus, im Islam und im Judentum.

Schon aus dem späten Mittelalter sei bekannt, dass sich die Menschen in überwiegend katholischen Gegenden über die Herrschenden lustig machten und sich nach diesen tollen Tagen auf das Religiöse und eben auch auf das Fasten konzentrierten. Im Englischen heißt das Verb fasten übrigens „to fast“. Breakfast, das Frühstück, bedeutet demnach „das Fasten brechen“.

Stapper ergänzt, dass der englische Begriff „fast“ zudem auch „fest“ heißt und mithin ausdrückt, dass Gott Halt schenkt und das Leben durch das Fasten an Tiefe gewinnt.

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