Veranstaltungsreihe zum Auslaufen des hiesigen Bergbaus geplant
Schichtende soll groß gefeiert werden

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

In gut eineinhalb Jahren ist der Steinkohlenbergbau im Tecklenburger Land nur noch Geschichte. Das soll groß gefeiert werden. Der Westerkappelner Rat hat jetzt beschlossen, einen Projektmanager mitzufinanzieren, der die diversen Festivitäten koordinieren soll.

Freitag, 09.06.2017, 06:06 Uhr

Der letzte Durchbruch in der Geschichte des Ibbenbürener Bergbaus, also das Aufeinandertreffen von zwei Stellen, feierten die Kumpel am 30. März. Die nächste historische Datum wird der 31. Dezember 2018 sein. Dann endet der Steinkohlebergbau in der Region für immer.
Der letzte Durchbruch in der Geschichte des Ibbenbürener Bergbaus, also das Aufeinandertreffen von zwei Stellen, feierten die Kumpel am 30. März. Die nächste historische Datum wird der 31. Dezember 2018 sein. Dann endet der Steinkohlebergbau in der Region für immer. Foto: RAG

Es geht letztlich um eine verhältnismäßig bescheidene Summe. Die Gemeinde Westerkappeln beteiligt sich dieses und kommendes Jahr mit jeweils knapp 1500 Euro an der Stelle, die beim Stadtmarketing Ibbenbüren angesiedelt wird und für welche Arbeitergeberkosten von jährlich brutto 70 500 Euro angesetzt werden.

Die Kosten

70 500 Euro soll der Projektmanager für die Veranstaltungsreihe „Schichtende“ pro Jahr kosten. Darin inbegriffen seien nicht nur das Gehalt (TVöD EG 9a), sondern auch übrige Arbeitgeberkosten; vom Schreibtisch bis zum anteiligen Stromverbrauch, betont Verena Ridder, Geschäftsführerin des Stadtmarketings Ibbenbüren, wo die Stelle angesiedelt wird. Die Stelle wird befristet auf zwei Jahre in Vollzeit geschaffen. 50 Prozent der Kosten übernimmt die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH, 15 Prozent der Kreis Steinfurt. Die verbleibenden knapp 30 000 Euro trägt zur Hälfte die Stadt Ibbenbüren, 30 Prozent will die Gemeinde Mettingen übernehmen. Westerkappeln, Recke, Hörstel und Hopsten sind mit jeweils fünf Prozent beteiligt.

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Westerkappeln hat sich bekanntlich mit Ibbenbüren, Mettingen, Recke, Hörstel, Hopsten und dem Kreis Steinfurt zur Kohleregion zusammengeschlossen. Zusammen wollen die Kommunen und der Kreis sich auf die städtebaulichen und wirtschaftlichen Veränderungen vorbereiten, die mit dem Auslaufen des Bergbaus verbunden sind.

Mit der bisherigen Arbeit sind einige Lokalpolitiker in Westerkappeln jedoch offensichtlich nicht zufrieden. „Still ruht der See“, fasste Rainer Echterhoff (CDU) im Rat seinen Eindruck von der sogenannten Kohlekonversion zusammen. „Wir bezahlen fürs Nichtstun.“ Die Stilllegung der Zeche rücke immer näher, aber nichts passiere. Nach seinen Informationen konzentriere sich der Prozess allein auf Ibbenbüren, so Echterhoff.

Dem widerspricht Frank Sundermann, SPD-Fraktionsvorsitzender und Landtagsabgeordneter. Er erinnert an die Potenzialanalyse, die für die Region erstellt worden ist. Jetzt in der zweiten Stufe gehe es darum, wie die Flächen der Zeche künftig genutzt werden könnten. Sundermanns Appell: „Die Kohlekommunen sollten beim regionalen Schulterschluss bleiben und kein Kirchturmdenken an den Tag legen.“

Einen unmittelbaren Einfluss der Kohlekonversion kann auch CDU-Fraktionschef Wolfgang Jonas für Westerkappeln nicht entdecken. „Wir können uns aber freuen, wenn in Ibbenbüren eine Folgenutzung gelingt.“ Arbeitsplätze, die dort geschaffen würden, stünden auch den Bürgern aus Westerkappeln offen.

Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) hält die Abstimmung über eine Finanzierungsbeteiligung am Projektmanagement anscheinend für ziemlich überflüssig. Das sei doch wohl ein Geschäft der laufenden Verwaltung. „Ich hätte mir eine Vorlage gewünscht, welche Gewerbeflächen wir hier in Westerkappeln zusätzlich ausweisen können.“ Hintergrund: Den sechs Kohlekommunen sollen im Zuge der Konversion 70 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen zugestanden werden. Welche Gemeinde in welchem Umfang von dieser Zusage des Landes profitieren kann, ist bislang völlig unklar.

Konkreter scheint es derzeit mit dem Eventmanagement voranzugehen. Das Kind hat sogar schon einen Namen: „Gute Aussichten! schicht:ende“ lautet der Titel für eine Veranstaltungsreihe, die 2018 mit Theateraufführungen, Lesungen, Konzerten und anderen Kulturangeboten das Ende des Bergbaus einläuten soll. Damit soll, so das Ergebnis einer Zukunftswerkstatt mit Vertretern aus Entscheidern der Kohlekonversion und Kulturschaffenden, die Bergbautradition über das Jahr 2018 hinaus in der Region verankert werden. Die Bürger und Vereine aus den Kohlekommunen sollen sich dabei mit eigenen Aktionen ins „Schichtende“ einbringen.

Der Projektmanager wird dafür bezahlt, die Veranstaltungen inklusive Zeit- und Budgetplanung zu organisieren und zu koordinieren sowie Teilnehmer zum Mitmachen zu animieren. Er zeichnet überdies fürs Kostencontrolling sowie die Entwicklung und Umsetzung einer PR- und Marketingstrategie verantwortlich.

Der Posten ist noch nicht vergeben. „Wir können die Stelle erst ausschreiben, wenn der letzte beteiligte Rat zugestimmt hat“, sagt Verena Ridder , Geschäftsführerin beim Stadtmarketing Ibbenbüren. Dies sei voraussichtlich Mitte Juli der Fall. Ridder hofft, dass die neue Kraft zum 1. Oktober die Arbeit aufnehmen kann.

Die Chefin des Stadtmarketings geht „fest“ davon aus, dass fürs „Schichtende“ auch Veranstaltungen in Westerkappeln stattfinden. Vereine und Gruppen seien zur Mitgestaltung eingeladen. „Und die Kommune selbst ist auch gefordert“, betont Ridder. „Dass Problem ist, dass wir kein Budget haben, um überall Veranstaltungen aus der Taufe zu heben.“

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