RVM stellt Schrankentest zur Tecklenburger Nordbahn vor
Streit über Sekunden und Rückstaus

Mettingen/Westerkappeln -

s wurde leidenschaftlich, aber weitgehend sachlich gestritten. Es ging um Sekunden, in denen Bahnschranken Durchfahrten blockieren, um Rückstaus auf den Straßen und um die Sicherheit. Rund 100 Menschen aus Mettingen, aber auch aus den Nachbarorten setzten beim CDU-Abendtreff die Diskussion um die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn im Hotel Bergeshöhe fort.

Donnerstag, 26.04.2018, 10:22 Uhr

Vor rund 100 Gästen beim CDU-Abendtreff stellte RVM-Bereichsleiter Johann Ubben die Ergebnisse des Schrankentests vor.
Vor rund 100 Gästen beim CDU-Abendtreff stellte RVM-Bereichsleiter Johann Ubben die Ergebnisse des Schrankentests vor. Foto: Oliver Langemeyer

Anlass waren diesmal die Ergebnisse des Schrankentests. Damit wollte die Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) als Initiator des Projekts nachweisen, dass ein halbstündlicher Bahnverkehr zwischen Recke und Osnabrück keine Auswirkungen auf den Straßenverkehr in Mettingen hat. Die Resultate waren nicht überraschend. Denn RVM-Bereichsleiter Eisenbahn, Johann Ubben, hatte bereits am Tag der Untersuchung verkündet, dass er keine Verkehrsbelastungen festgestellt habe.

Die RVM hatte Mitte März an zwei Bahnübergängen an der Hügelstraße und an der Nierenburger Straße Zugdurchfahrten simuliert, indem die Übergänge für die Durchfahrt für 32 Sekunden gesperrt wurden. Mitarbeiter schrieben während dieser Zeit die Anzahl der Fahrzeuge auf, die warten mussten, und dokumentierten daraus resultierende Rückstaus. An der Hügelstraße – Hauptzufahrt zu Coppenrath&Wiese – habe es im Zeitraum von 5.24 und 17.54 Uhr zwei Situationen gegeben, an der der Kreisverkehr in der Nähe der Gleise für die längste Zeit (13 bis 15 Sekunden) nicht durchfahrbar gewesen sei.

An der Nierenburger Straße sei das Verkehrsaufkommen schon wesentlich größer gewesen. Zwölf Fahrzeuge (60 Meter) hätten dort aus Richtung Westerkappeln gegen 14.33 und 10.54 Uhr hintereinander gestanden. Zudem sei es in den Morgenstunden zum Schulanfang zu Rückstaus zwischen 20 bis 30 Metern gekommen. Letztlich habe aber die Ampel dort mehr Einfluss auf den Straßenverkehr als der Zug. Die Befürchtung, die Bahnstrecke zerschneide Mettingen, könne er nicht nachvollziehen, so Ubben.

Skepsis bei den Fahrgastzahlen

Bei Diskussionen um die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn geht es immer wieder um die für das Projekt prognostizierten Fahrgastzahlen. Der CDU-Abendtreff machte dabei keine Ausnahme. Auch dort wurde die Frage gestellt, ob 5600 Fahrgäste pro Tag für eine Bahnstrecke zwischen Recke und Osnabrück nicht zu hoch gegriffen sind.

So viele Berufspendler gebe es an der Strecke gar nicht, sagte ein Teilnehmer. Grundsätzlich seien unter den Fahrgästen nicht nur einzelne Personen gefasst, die mit dem Zug fahren, sagte Markus Rümke. Berufspendler werden für Hin- und Rückfahrt zwei Mal geführt, erklärte der Angebotsplaner beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM). Hinzu kämen Studenten und Schüler sowie Leute, die die Bahn für Versorgungsfahrten nutzten. Die Zahlen seien von einem Gutachter errechnet worden. Er habe keine Gründe daran zu zweifeln.

Michael Klüppels, Verkehrmanager bei der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM), gab zu bedenken, dass derzeit allein rund 7000 Fahrgäste mit der Linie R11 (zwischen Westerkappeln über Wersen nach Osnabrück) sowie der Schulbuslinie R111 unterwegs sind. „Damit Sie sehen, was da los ist“, sagte Klüppels.

Ein anderer Zuhörer brachte den geplanten Wegfall der Schnellbuslinie 10 zwischen Recke und Osnabrück in die Diskussion. Dadurch gäbe es deutlich weniger Haltestellen. Die Busse steuerten bei einer Reaktivierung die Haltestellen an, an der die Bahn nicht mehr halte, um die Fahrgäste zum nächsten Bahnhof zu bringen, entgegnete Klüppels. Ein Befürworter der Bahn forderte die RVM zu mehr Transparenz auf. Es müsse deutlich gezeigt werden, wie eine Kombination von Bus und Bahn funktioniert.

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Damit forderte er den Widerspruch der Bahnkritiker, allen voran der Mitglieder der Bürgerinitiative „Verkehrsentflechtung in Mettingen“, Hans-Ulrich Sieker, Hubert Focke und Benno Overmeyer heraus. Sie warfen ihm vor, den Test unter falschen Annahmen vorgenommen zu haben.

Für eine realistische Betrachtung hätten die Übergänge Bachstraße und Neuenkirchener Straße einbezogen werden müssen. Dann sei die gesamte Verkehrsbelastung auf den Straßen mit sich addierenden Rückstaus sehr viel deutlicher geworden. Ubben sah das nicht so. Overmeyer kritisierte zudem, dass der Buszubringerverkehr zum geplanten Bahnhof am Hallenbad nicht berücksichtigt worden sei. Daraus erwuchs zeitweise ein intensives Streitgespräch zwischen RVM-Mann und Bürgerinitiative. Dabei ging es allerdings all zu sehr um technische Details, die für viele Teilnehmer nicht mehr nachvollziehbar waren. Es waren aber auch einige Befürworter der Wiederbelebung der Bahnstrecke unter anderem aus Recke gekommen, die auf die Chancen des Projektes hinwiesen.

RVM setzt nicht mehr auf Diesel

Eine der vielen Fragen zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personennahverkehr drehte sich um den Antrieb der Züge. Derzeit habe die Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) dieselbetriebene Lint Triebwagen nach Euronorm 6 im Einsatz, sagte RVM-Bereichsleiter Johann Ubben. Als Zukunftstechnologie setze das Unternehmen aber nicht mehr auf Diesel.

Derzeit seien unter anderem wasserstoffgetriebene Züge im Test. Ein befreundeter Eisenbahner habe ihm berichtet, dass diese Triebwagen schon 2019 Serienreife erlangen könnten. Alternativ dazu sei ebenfalls an eine Akku-Lösung gedacht. Da die Bahnstrecke bis Eversburg elektrifiziert sei, könne der Triebwagen seine Akkus aufladen damit einmal nach Recke und wieder zurückfahren, erläuterte der Eisenbahner. Es könne also durchaus sein, dass auf der Nordbahn im Falle einer Reaktivierung keine Dieseltriebwagen mehr zum Einsatz kommen. Zum Zeitplan konnten die RVM-Vertreter keine konkreten Angaben machen. Die Maßnahme sei für den Nahverkehrsbedarfsplan des Landes NRW angemeldet. Ubben rechnet damit, dass die Genehmigungsplanung im Dezember zur Prüfung vorgelegt wird. Für die Genehmigung sei unter anderen ein Planfeststellungsverfahren erforderlich.

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Natürlich wurde ebenfalls über Coppenrath&Wiese gesprochen. Geschäftsführung und Betriebsrat lehnen Personenzüge auf der Strecke ab. Vor allem wegen Sicherheitsbedenken an der Hügelstraße. Jeder Bahnübergang sei gefährlich, sagte Ubben. Dort passierten aber weniger Unfälle als im übrigen Straßenverkehr. Die RVM sei nach wie vor mit Cowi im Gespräch. Eine vom Tiefkühltortenspezialisten ins Spiel gebrachte Unterführung am Bahnübergang Hügelstraße würde den Kostenrahmen des Projektes allerdings sprengen.

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