Serie: Gefahr unter Tage (Teil 3)
Heute ein Klassenprimus

Tecklenburger Land -

Es gab mal Zeiten, da verunglückten auch in Deutschland viele Bergleute, oft auch tödlich. Priorität hatte früher oft die Produktion. Ziele mussten erreicht werden. Die Technik war noch nicht so ausgereift. Das sei Gott sei Dank lange vorbei, unterstreicht Jürgen Kunz, Leiter der Produktion und Prokurist bei der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH. Heute geht Sicherheit vor Produktion, „Wir haben uns da enorm entwickelt: sozusagen vom Hinterbänkler zum Klassenprimus“.

Freitag, 17.08.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 17.08.2018, 07:00 Uhr
Der der Bergbau gehört heute zu den sichersten Branchen, sagt Jürgen Kunz, Leiter der Produktion bei der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH (kleines Bild).
Der der Bergbau gehört heute zu den sichersten Branchen, sagt Jürgen Kunz, Leiter der Produktion bei der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH (kleines Bild). Foto: RAG Anthrazit Ibbenbüren

Sicherheit wird auf der Zeche in Ibbenbüren großgeschrieben, betonen Kunz und Jürgen Schoppe , Bereichsleiter für Belegschaftsschutz. „Das Unternehmen muss das wollen.“ Ganz viel hänge von der Führungsmannschaft ab. „Und unsere hier vor Ort misst der Sicherheit hier am Bergwerk oberste Priorität bei.“ Das sei enorm wichtig.

Früher, erinnern sie sich, hieß es: „Lass den Hobel laufen.“ Da traten sicherheitsrelevante Belange schon mal in den Hintergrund, weiß Kunz, „Da hatten die Kohlen Priorität.“

Heute werde den Mitarbeitern der Druck genommen, dass sie Nachteile befürchten müssen, wenn die Produktion mal für zweieinhalb Stunden aus sicherheitsrelevanten Gründen still steht. Im Gegenteil. Sicher sei der Beruf des Bergmanns ein gefährlicher. Aber mittlerweile ist „ein Bäcker statistisch gefährdeter“, sagt Kunz und meint das sehr ernst. Die Unfallzahlen geben ihm recht. Denn der Bergbau „gehört heute zu den sichersten Branchen“. Und das kommt nicht von ungefähr. „Dafür tun wir eine ganze Menge.“

Die guten Unfallzahlen, sie sollen auch im Jahr des Abschieds geschrieben werden. „Wir wollen alle Bergleute sicher und gesund aus der Grube kriegen“, sagt Kunz. Das habe oberste Priorität. Denn das Schlimmste, was passieren kann, wäre ein „schweres Ereignis. Das wollen wir nicht.“

Daher steuert das Unternehmen mit einer umfangreichen Kampagne gegen, die da heißt: „Sicherheit - Denk daran, bevor du loslegst“. Eine Erfolgsgeschichte, wie Jürgen Schoppe, Bereichsleiter für Belegschaftsschutz, betont. In jeder Besprechung thematisiere er das Thema Sicherheit. Nicht, um zu nerven. Sondern um zu erinnern. Denn drei oder vier Sekunden, das ist die Erfahrung, entscheiden darüber, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht. „Das ist ähnlich wie im eigenen Haushalt. Der Feind ist die Gewohnheit.“

Deswegen „machen wir viel in punkto Sicherheit“, sagt Schoppe. Es finden regelmäßige Unterweisungen der Mannschaft statt, immer wieder gibt es spezielle Themen.

2005 wurde extra eine komplette Strecke am Nordschacht für Trainingszwecke gebaut, eine sogenannte Luftstrecke. „Da wird das alltägliche Arbeiten auf den Prüfstand gestellt, die Ausrüstung wird überprüft, die Gefahren benannt.

Seit 2008 gibt es alle zwei Jahre einen Sicherheitsmarkt. Besondere Aufmerksamkeit wird auch Partnerfirmen gewidmet – Stichwort Arbeitnehmerüberlassung. Da gibt es spezielle Sicherheitsunterweisungen für den Streb oder die Strecke, zum Beispiel hinsichtlich der Arbeitsabläufe, Gefahrstoffe, Bandfahrung. Bei den Schulungen würden die Mitarbeiter – RAG-eigene und fremde – gemischt. Damit man voneinander lernt. „Das ist wirklich eine riesige Erfolgsgeschichte. Das hätten wir gar nicht gedacht.“ Die Kurse würden nachgefragt. Darüber hinaus werden besondere Maßnahmen für Aufsichten und die Führungskräfte durchgeführt. „Sie haben Verantwortung.“

Und seit 2006 gibt es ein Motivationsprogramm. Die Beschäftigten können Punkte sammeln für Kurse in Sachen Sicherheit oder Gesundheit, Unfallfreiheit wird belohnt und Vorschläge für betriebliche Verbesserungen werden extra honoriert. „Die Mitarbeiter wissen doch am besten, wo es hakt.“ Zum Ende des Jahres gibt es dann eine Prämie.

Die Mitarbeiter werden dadurch mehr eingebunden, wertgeschätzt, sagt Kunz. Einmal Bergmann, immer Bergmann. Und das helfe auch gegen Betriebsblindheit.

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