Fichten als leichte Beute
Invasion der Borkenkäfer

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Die lange, heiße Trockenperiode hat dafür gesorgt, dass sich Borkenkäfer prächtig vermehren konnten. Zugleich machte die Witterung insbesondere Fichten anfällig für die gefräßigen Käfer. Forstarbeiter haben nun alle Hände voll zu tun im Kampf gegen den Eindringling.

Dienstag, 13.11.2018, 17:40 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 13.11.2018, 15:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 13.11.2018, 17:40 Uhr
Förster Christian Rebitz hat dem gefräßigen Borkenkäfer den Kampf angesagt. Fichten sind besonders befallen und werden vielerorts gefällt (kleines Foto). Mit einer sogenannten Rückemaschine hat ein Arbeiter in den vergangenen zwei Tagen das Holz von rund 300 Fichten abtransportiert.
Förster Christian Rebitz hat dem gefräßigen Borkenkäfer den Kampf angesagt. Mit einer sogenannten Rückemaschine hat ein Arbeiter in den vergangenen zwei Tagen das Holz von rund 300 Fichten abtransportiert. Foto: Katja Niemeyer

Christian Rebitz entgeht nichts beim Streifzug durch das kleine Waldstück an der Mettener Straße. Mit seinem Zeigefinger deutet der Förster auf zahlreiche Fichten. Ihre Kronen sehen zerfranst aus, die wenigen Nadeln haben sich ins Hellbeige verfärbt. Als ob es eines zusätzlichen Beweises für die Borkenkäfer-Invasion bedurft hätte, hält Christian Rebitz ein Stück Rinde in die Höhe, durch die sich ein Borkenkäfer-Weibchen gebohrt hat. Die Rückseite ist durchfräst von millimeterdünnen Gängen. Ein eindeutiger Beleg dafür, dass der Eindringling hier gewütet und seine Larven abgelegt hat. „Eine Katastrophe“, sagt der Förster.

Das Ausmaß: verheerend. Wenn Christian Rebitz durch die Wälder seines Forstbezirkes Schafberg Patrouille läuft, entdeckt er immer wieder neue Fichten, auf die sich der gefräßige Borkenkäfer niedergelassen hat. In dem Wald in Obermetten zum Beispiel, in dem Arbeiter am Montag und Dienstag mit schwerem Gerät rund 300 Fichten gefällt, zerteilt und abtransportiert haben, hatte der Förster bereits vor zwei Monaten einen Befall registriert – und eine große Fällaktion in die Wege geleitet.

Der Förster geht davon aus, dass es auch bei diesem zweiten Einsatz nicht bleiben wird. Im kommenden Frühjahr, wenn der Borkenkäfer aus seinem Winterschlaf erwacht ist, müssen wohl erneut spezielle Holzernte-Maschinen, sogenannte Harvester, vorfahren, die einen Baum in einem Rutsch fällen, von Ästen befreien und zerkleinern. Ein „totales Absterben“, so meint Christian Rebitz, sei nicht mehr auszuschließen.

Fichten sind besonders befallen und werden vielerorts gefällt.

Fichten sind besonders befallen und werden vielerorts gefällt. Foto: Katja Niemeyer

Was den Borkenkäfer, der für gewöhnlich im Boden oder in befallenen Baumstämmen überwintert, so prächtig hat gedeihen lassen ? Der Förster muss nicht lange überlegen. Natürlich die lange, heiße Trockenperiode, die insbesondere die Fichten derart anfällig hat werden lassen, dass sie nicht mehr genügend Harz absondern, um den tierischen Angreifer zu verkleben. Einer rasanten Vermehrung stand nichts mehr im Weg.

Lange bevor sich die Brutbedingungen zu Gunsten des Käfers entwickelten, legte aber bereits das Sturmtief Friederike den Grundstein für seine ungehinderte Ausbreitung. Die orkanartigen Böen hatten im Januar massenhaft Bäume weggefegt und vereinzelte Exemplare ungeschützt hinterlassen.

Mit den Folgen des Befalls haben nunmehr die Forstarbeiter zu kämpfen. Sie haben Mühe, gegen die Invasion anzukommen. „Es wird immer schwieriger, ein Unternehmen zu finden, das noch freie Kapazitäten hat. Die sind alle voll mit Aufträgen“, weiß Christian Rebitz aus Erfahrung. Dabei ist Eile geboten. „Je schneller befallene Bäume abgeholzt werden, umso besser“, erläutert der Förster. Denn nur dann könne verhindert werden, dass der Käfer auf gesunde Bäume überspringt.

Spezielle Holzernte-Maschinen, sogenannte Harvester, können an einem Tag mehr als 100 Bäume fällen, zerteilen und zum Abtransport stapeln.

Spezielle Holzernte-Maschinen, sogenannte Harvester, können an einem Tag mehr als 100 Bäume fällen, zerteilen und zum Abtransport stapeln. Foto: Katja Niemeyer

Der Kampf gegen den Eindringling nehmen Förster wie Christian Rebitz außerdem derart in Beschlag, dass sie kaum noch Zeit haben für die Arbeit, die jetzt eigentlich ansteht. „Meine Liste mit unerledigten Aufgaben wird immer länger“, sagt Christian Rebitz. Die Pflege von Eichen zum Beispiel, die hat er erst einmal hintenan gestellt. Ebenso wie das Pflanzen junger Bäume.

Christian Rebitz hält ein Stück Rinde in die Höhe, durch die sich ein Borkenkäfer-Weibchen gebohrt hat. Die Rückseite ist durchfräst von millimeterdünnen Gängen.

Christian Rebitz hält ein Stück Rinde in die Höhe, durch die sich ein Borkenkäfer-Weibchen gebohrt hat. Die Rückseite ist durchfräst von millimeterdünnen Gängen. Foto: Katja Niemeyer

Naturgemäß sind auch die Waldbesitzer nicht gut zu sprechen auf den Borkenkäfer, müssen sie doch seinetwegen zum Teil erhebliche wirtschaftliche Schäden hinnehmen. Die Preise für Fichtenholz sind im Keller. Während die Eigentümer noch im vergangenen Jahr je nach Qualität mehr als 90 Euro pro Kubikmeter verlangen konnten, sind sie derzeit froh, wenn ihnen überhaupt jemand das Holz abnimmt. „Die Preise haben sich halbiert“, berichtet Christian Rebitz. „Da ist die ganze Arbeit der Vorgänger-Generation, die die Bäume gepflanzt und gepflegt hat, quasi umsonst gewesen.“

Das einzig Positive: Der Borkenkäfer rafft zwar den Baum dahin, das Holz lässt er aber in Ruhe.

Angesichts des Klimawandels dürften Fichten immer häufiger zur „leichten Beute“ für die Käfer werden, ist der Förster überzeugt. Waldbesitzern rät er deshalb, verstärkt auf Mischwälder zu setzen, für dessen Anbau es im Übrigen auch zahlreiche Fördergelder gebe. Die Esskastanie zum Beispiel, doziert der Förster, „ist eigentlich in Südeuropa zu Hause. In Zukunft dürfte sie aber auch hier geeignete Lebensbedingungen vorfinden.“

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