Besuch bei den Roten Husaren aus Neuenkirchen
Die leistungsstarke Leichtigkeit der Gardetänzerinnen

Neuenkirchen -

Farbenfrohe Uniformen, viel Schminke und ein breites Lächeln – dafür sind die Tanzgarden der Roten Husaren aus Neuenkirchen bekannt. Doch was auf den Sitzungen der fünften Jahreszeit so unbeschwert aussieht, ist in Wirklichkeit Schwerstarbeit.

Montag, 04.03.2019, 09:14 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 09:47 Uhr
Besuch bei den Roten Husaren aus Neuenkirchen: Die leistungsstarke Leichtigkeit der Gardetänzerinnen
Königsdisziplin Gardetanz: Die Roten Husaren bei der vereinseigenen Karnevals-Revue in Neuenkirchen. Was so einfach aussieht, ist in Wahrheit eine sportliche Höchstleistung. Foto: Jens Keblat

Karneval – das ist die Zeit von Narrenfreiheit, Frohsinn und Unbeschwertheit. Was nicht zum Karneval gehört: Ernsthaftigkeit, Ehrgeiz und Leistungsdruck. So denken zumindest viele. Doch für die Tanzgarden ist das derzeit Alltag. Denn während die meisten die närrischen Tage nutzen, um einmal ganz befreit zu feiern, ­stehen die Gardistinnen unter Höchstspannung.

Das merken viele Narren auf den Prunksitzungen in der Region jedoch nicht. Im karnevalistischen Abendprogramm dauert der Auftritt der Garden und Mariechen etwa fünf Minuten, die Gäste applaudieren, und dann geht es auch schon mit dem nächsten Künstler weiter. Doch blickt man einmal hinter die Kulissen, bleibt vom Karneval nicht viel übrig.

Drei Trainingseinheiten pro Woche

Die Ü15-Garde des karnevalistischen Tanzsportvereins Rote Husaren aus Neuenkirchen ist derzeit viel unterwegs. Dafür üben sie drei Mal in der Woche – montags und mittwochs den Gardetanz, freitags den Schautanz. Die 44 Tänzerinnen trainieren in der Sporthalle der Ludgerischule in Neuenkirchen. Braune Filz­wände, grauer Linoleum-Boden – Turnhalle eben. Dabei tragen sie keine prunkvollen Kostüme in Rot, sondern Sportkleidung in Schwarz und Weiß.

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Drei Trainingseinheiten pro Woche absolviert die Ü15-Garde der Roten Husaren. Foto: Sven Rapreger

Während sie tanzen, stehen die Gardistinnen unter strenger Beobachtung – von den Trainerinnen Janine Menebröcker, Elena Wiwerink , Melanie Hagemann-Mohr und Jana Pruß. „Achtet auf euren Ausdruck!“, rufen sie dazwischen. „Streckt die Füße!“ In der Menge von rund 40 Tänzerinnen erkennen die vier Frauen jede krumme Hand und jeden ungestreckten Fuß. Dinge, die den Zuschauern auf einer Karnevalssitzung wohl nicht auffallen würden. Aber die „Husaren“ legen höchsten Wert auf Leistung und Perfektion. „Zurzeit arbeiten wir an genau dieser Exaktheit“, erläutert Hagemann-Mohr.

Nummer eins im karnevalistischen Tanzsport

Nicht zuletzt deshalb sind die Husaren seit Jahren die Nummer eins im karnevalistischen Tanzsport. In ihrem Verein tanzen Kinder und Erwachsene von vier bis 29 Jahren – von der Mini-Garde über Jugendgarde und Junioren bis hin zu der Ü15-Garde. Dazu kommen Tanzpaare und Mariechen. Und sie alle tanzen auf höchstem Niveau.

Besuch bei den Roten Husaren Neuenkirchen

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  • Die Ü15-Garde freut sich über ihren ersten Platz bei der Deutschen Meisterschaft 2018

    Foto: Stefan Klausing
  • Die Ü15-Garde der Husaren während des Trainings.

    Foto: Sven Rapreger
  • Die Trainerinnen der Ü15-Garde (v.l.): Melanie Hagemann-Mohr, Jana Pruß, Elena Wiwerink und Janine Menebröcker.

    Foto: Sven Rapreger
  • Die Ü15-Garde der Husaren während des Trainings.

    Foto: Sven Rapreger
  • Die Ü15-Garde der Husaren während des Trainings.

    Foto: Sven Rapreger
  • Die Ü15-Garde der Roten Husaren beim BDK-Empfang der Kanzlerin im Januar 2018

    Foto: Markus Gehring
  • Junioren-Tanzgarde bei der vereinseigenen Karnevals-Revue in Neuenkirchen Januar 2019

    Foto: Jens Keblat
  • Ü15-Garde bei der vereinseigenen Karnevals-Revue in Neuenkirchen Januar 2019

    Foto: Jens Keblat
  • Ü15-Garde bei der vereinseigenen Karnevals-Revue in Neuenkirchen Januar 2019.

    Foto: Jens Keblat
  • Mariechen der „Roten Husaren“ bei der vereinseigenen Karnevals-Revue in Neuenkirchen Januar 2019

    Foto: Jens Keblat
  • Linn Endema, Tanzmariechen der Junioren, Deutsche Meisterin 2018, bei den Deutschen Meisterschaften

    Foto: Stefan Klausing

Das Jahr 2018 war bisher eines der ­erfolgreichsten des Vereins: Die Husaren erreichten bei der Deutschen Meisterschaft zwei erste Plätze und einen dritten. Linn Endema, Tanzmariechen der Junioren, wurde Deutsche Meisterin. Damit zählen die Husaren bereits neun Deutsche Meisterschaften insgesamt – ein bundesweiter Rekord. Bei den Westfalenmeisterschaften im November in Münster holten sie in ­allen Disziplinen erste Plätze. Ein ganz besonderer Höhepunkt: Die Husaren tanzten im Januar 2018 ­ auf dem Karnevalsempfang der Bundeskanzlerin in Berlin.

Gardetanz als Königsdisziplin

Für diese Erfolge trainieren die Tänzerinnen der Ü15-Garde hart. Sie sind die „Profis“ der Husaren, der Gardetanz ist ihre Königsdisziplin. Deshalb versuchen sie sofort, die Hinweise ihrer Trainer umzusetzen. Die Gesichter sind rot, viele atmen schwer. Doch das Lächeln auf ihren Lippen verblasst nicht – diese Freundlichkeit gehört nun mal zum Karneval.

Erst nachdem sie die letzten Schritte des Tanzes hinter sich gebracht haben, zeigen die Tänzerinnen, wie sehr sie an ihre Grenzen gegangen sind. Einige legen sich flach auf den ­Boden, strecken Arme und Beine von sich, das Gesicht vor Anstrengung und Schmerz verzerrt.

Viele wissen gar nicht, wie viel Arbeit es bedeutet. Sie denken sich, Gardetanz wäre nur ein bisschen Hüpferei.

Melanie Hagemann-Mohr

Das erinnert nicht gerade an die Leichtigkeit der fünften Jahreszeit. „Viele wissen gar nicht, wie viel Arbeit es bedeutet. Sie denken sich, Gardetanz wäre nur ein bisschen Hüpferei“, sagt Hagemann-Mohr. Das haben viele Tänzerinnen auch in ihren eigenen Familien erlebt. „Mein Vater konnte nie viel ­damit anfangen“, berichtet Elena Wiwerink. „Irgendwann ­habe ich ihn allerdings überredet, mit zur Deutschen Meisterschaft zu fahren. Danach war er überwältigt – und fährt seitdem regelmäßig mit.“

Die Wettkämpfe stehen bei den ­Husaren im Mittelpunkt: „Deshalb sind die meisten unserer Tänzerinnen dabei“, sagt Hagemann-Mohr. Tänzerin Samira Pruß stimmt ihr zu: „Ich sehe im Gardetanz nur den sportlichen Anreiz – mit dem hiesigen Karneval habe ich nichts am Hut“, sagt die 25-Jährige.

Kostüme und Schminke als Nebensache

Doch wie viele andere der Ü15-Garde ist Pruß durch den Karneval zum Tanzsport gekommen. „Ich tanze, seitdem ich sieben bin“, sagt sie. Damals stand der Spaß am Karneval noch ganz klar im Vordergrund. „Als Kind fanden wir es eben toll, uns zu ver­kleiden und zu schminken“, schildert Janine Menebröcker. Das sei heute aber nur noch Nebensache. Während des Trainings denkt keiner an Karneval. Und die Kostüme liegen eingeschlossen im Vereinsheim „Jabot“.

Sie kommen erst wieder raus, wenn die Husaren zu ihrem nächsten Termin reisen. ­Neben den Wettkämpfen haben sie rund 15 Auftritte in der Saison. Ganz ohne eine ­gewisse Liebe zum Karneval gehe das natürlich nicht. Der Karneval sei es nun mal, wo die Wurzeln der Husaren liegen. „Das kann man auch nicht so einfach trennen“, findet Melanie Hagemann-Mohr. „Ich glaube, die Mischung macht’s“, sagt Elena Wiwerink. „Nur auf Turnieren zu tanzen wäre schade, nur im Karneval aufzutreten auch.“ Die Verbindung von Leistungssport und der Leichtigkeit des Karnevals – das sei das Besondere am karnevalistischen Tanzsport. Und das steht ja auch schon im Namen.

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