Nordwalde
Nicht für ’nen Appel und ’nen Ei

Montag, 09.07.2007, 19:07 Uhr

Nordwalde . Der große Obstkorb mit knackigen Äpfeln und die wie zu Ostern angemalten gekochten Eier verfehlten ihre Wirkung nicht: Die Kinder der Awo-Kita griffen gerne zu, obgleich ihnen die Symbolik vermutlich verborgen blieb. Die Eltern hingegen verstanden gestern Morgen ganz genau, was eine Handvoll Angestellte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ihnen sagen wollte: „Soziale Arbeit ist mehr Wert als ’ nen Appel und ’nen Ei.“ Und weil die Eltern das auch so sehen, trugen sich fast alle in eine Unterschriftenliste ein, mit der sie den Awo-Mitarbeitern ihre Solidarität versichern.

Nachdem ein Einigungsversuch auf Bundesebene bereits Ende 2006 gescheitert war, verhandelt die Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit derzeit für die Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen mit dem Wohlfahrtsverband. Andernorts begleiteten Warnstreiks die sechste Runde der Tarifverhandlungen, in Nordwalde war es gestern Morgen nur eine Protestaktion. Kindergartenleiterin Gisela Steuke hatte sich extra frei genommen, um auch mitmachen zu können.

Konkret fordert die Gewerkschaft Lohnerhöhungen von 5,5 Prozent für die Awo-Angestellten. Das erläuterten Rudi Hinterbrandner, Martina Bücker, Kirsten Ottenjann und Sabine Eilers den Müttern und Vätern, die ihre Kinder gestern Morgen in die Kita brachten. Hinterbrandner: „Soziale Arbeit ist mehr wert, als derzeit gezahlt wird.“ Seit dem 1. Januar befinden sich die Awo-Angestellten tarifmäßig im luftleeren Raum. Verdi wirft der Awo vor, seitdem bei Neueingestellten Lohnkürzungen von sieben Prozent vorzunehmen. Zudem habe die Arbeitgeberseite in der letzten Verhandlungsrunde drastische Lohnkürzungen für einige Beschäftigtengruppen gefordert, schreibt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Kerstin Geuking in einer Pressemitteilung. Was den Arbeitnehmern auch gegen den Strich geht: Die Awo will in bestimmten Beschäftigtengruppen – darunter Erzieher, Sozialpädagogen und Pflegekräfte – den Lohn senken, bei weniger Urlaub, höherer Wochenarbeitszeit und schlechterer Alterssicherung. Verdi kritisiert auch, dass Zweige ausgegliedert oder Personal-Service-Agenturen gegründet werden, „um Arbeitsplätze mit eigenen Leiharbeitnehmern zu abgesenkten Bedingungen zu schaffen“.

Die Eltern zeigten Verständnis für die Forderungen: „Viele haben uns zugesichert, dass sie die gleichen Probleme aus ihren Branchen kennen und damit nicht einverstanden seien“, sagte Hinterbrandner – den Blick auf Äpfel und Eier gerichtet.

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