Borghorst
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue

Borghorst -

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen den fristlos entlassenen Stadtwerke-Geschäftsführer Wilhelm Schulz wegen des Verdachts der Untreue. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer gestern auf Anfrage der Westfälischen Nachrichten. 

Freitag, 09.05.2008, 14:55 Uhr

Grundlage des Verfahrens seien der Bericht von KPMG, aber auch Unterlagen, die Stadtwerke-Mitarbeiter gesammelt und vor Ostern an Bürgermeister Andreas Hoge übergeben haben (die WN berichteten). Zudem hat, so Schweer weiter, die Staatsanwaltschaft sowohl mit Steinfurts Bürgermeister Andreas Hoge als auch mit einigen Angestellten des örtlichen Energieversorgers persönliche Gespräche geführt.

Vor allem vier Punkte sollen bei den Ermittlungen geklärt werden. Die Auszahlung von Überstunden, die eigentlich schon mit dem Geschäftsführergehalt abgegolten gewesen sind. Schweer: „Wir gehen dabei von 68 000 Euro aus.“ Allerdings räumte er ein, könne ein Teil der Summe bereits verjährt sein. Schulz soll sich seit 1999 überplanmäßige Arbeitszeit ausgezahlt haben lassen. Die Fördergelder für Projektarbeiten des Instituts für Landschaftsökologie an der münsterischen Westfälischen Wilhelms-Universität will die Staatsanwaltschaft ebenfalls näher unter die Lupe nehmen. Insgesamt 20 Module haben die Stadtwerke finanziell unterstützt: „Eins bis zehn waren wohl auch nützlich, der Rest vermutlich nicht“, so Schweer. Im Raum steht ein Betrag von 308 000 Euro. Jetzt soll geprüft werden, ob die Gelder der Doktorarbeit von Schulz dienten. Der ehemalige Stadtwerke-Chef hat bei Professor Dr. Manfred Krieter, Hochschullehrer am Institut für Landschaftsökologie, promoviert. Inzwischen liegt die Dissertation jedoch auf Eis. Krieter selbst hat das Rektorat der Uni gebeten, ein Disziplinarverfahren gegen sich einzuleiten.

(Hinweis der Redaktion: Die seinerzeitigen Anschuldigungen gegen Prof. Dr. Krieter haben sich nach juristischer Prüfung als gegenstandslos herausgestellt. Sämtliche Ermittlungen gegen ihn sowie auch das Disziplinarverfahren wurden eingestellt.)

„Entschieden ist darüber aber noch nicht“, erklärte Universitätssprecher Norbert Frie gestern. Noch wartet man im Schloss auf den Bericht der Wirtschaftsprüfer.

Ob ein auf 400-Euro-Basis eingestellter Stadtwerke-Mitarbeiter für das Versorgungsunternehmen oder eher an der Doktorarbeit von Schulz gearbeitet hat, wird die Staatsanwaltschaft auch untersuchen. Vierter und letzter Punkt sind die BMW-Dienstwagen. Schweer: „Fünf in fünf Jahren, das ist eher ungewöhnlich.“ Normalerweise würden die Autos länger gefahren. Deshalb wollen Schweer und seine Kollegen ein Auge darauf werfen.

Wie lange die Ermittlungen dauern werden? Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer will keine Prognose abgeben: „Das kann ich nicht.“ Vier Wochen werde es aber bestimmt dauern, bis erste Ergebnisse vorliegen.

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