Nordwalde
Anwohner wollen sich wehren

Montag, 04.05.2009, 19:05 Uhr

Nordwalde - Vor der Kulisse des blühenden Rapsfeldes sind sich Sonja Schemmann ( CDU ) und Lothar Fink einig: Im Genehmigungsverfahren um zwei Mastställe für insgesamt 80 000 Hähnchen mitten in der Kirchbauerschaft haben Bürgermeister und Planungsausschuss richtig verfahren. Fast schon leidenschaftlich und unisono verteidigen die beiden Bürgermeisterkandidaten das Vorgehen des Ausschusses.

Der hatte auf Vorschlag von Bürgermeister Dietmar Brockmeyer (mit den Stimmen der CDU) sein Einvernehmen mit der Anlage erteilt. Allerdings war er auch nur in den Punkten Planungsrecht und öffentliche Belange gefragt. „Hätte der Ausschuss abgelehnt, wäre der Beschluss rechtswidrig gewesen. Dann hätte ihn der Bürgermeister aufheben müssen“, erklärte Schemmann den aufgebrachten Anwohnern. „Kraft seines Amtes“, ergänzte Fink, der für SPD , UWG und Grüne am Start ist. Dass der Ausschuss zusätzlich - und einstimmig - beschloss, dem Kreis ein Schreiben mit allen Einwendungen der Anwohner zu schicken, begrüßten Schemmann und Fink.

Das Besondere an diesem Ortstermin war, dass es das erste gemeinsame, (halb-)öffentliche Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten war, bei dem sie auch inhaltlich gefragt waren. Wenn die Anwohner jedoch geglaubt hatten, die beiden Kontrahenten würden um jeden Preis um Wählerstimmen buhlen und sich bei Zusagen und Versprechungen gegenseitig übertreffen, dann wurden sie enttäuscht. Weil sie allerdings strikt dagegen sind, dass die Ställe gebaut werden, trugen sie dennoch ihre Bedenken vor, die sie der Gemeinde im Vorfeld schon schriftlich mitgeteilt hatten (die WN berichteten). Dabei geht es hauptsächlich um die Verschandelung der Landschaft, die Minderung der Wohnqualität durch Gestank, zusätzlichen Schwerlastverkehr sowie die daraus resultierende Wertminderung ihrer Immobilien. „Ich will eine Wohnung vermieten. Aber das wird bei dieser Planung wohl richtig schwer werden und mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden sein“, erläuterte Felix Brüggemann, dessen Wohnhaus nur gut 150 Meter vom geplanten Standort der Mastanlage entfernt steht. „Wenn jemand auf die Miete angewiesen ist, kann das existenzielle Bedeutung haben“, gab Alexander Heise zu bedenken. „Würden die Ställe direkt am Hof gebaut, dann würden wir ja nichts sagen. Aber wir haben etwas gegen eine zweite Betriebsstätte“, erklärte eine Anwohnerin, warum sie gegen die Anlage ist.

Bei allem Ärger geht es den Gegnern nach eigenem Bekunden trotzdem um eine sachliche Diskussion. „Wir wollen uns ja noch ,Guten Tag sagen können“, meinte Christel Wilpsbäumer-Dömer mit Blick auf den Antragsteller - fügte aber hinzu: „Sollte der Stall kommen, wollen wir uns auch nicht nachsagen lassen müssen, wir hätten nicht genug dagegen getan.“

Fink und Schemmann hörten zwar geduldig zu, machten aber übereinstimmend klar, dass die Gemeinde kaum Einfluss in dem Genehmigungsverfahren habe, dass beim Kreis liegt. Zwischendurch war das harmonische Verhältnis dann doch etwas gestört: Warum sich die SPD bei der Beschlussempfehlung enthalten hatte, wollte Schemmann wissen. Schließlich hätte eine Ablehnung des Vorschlags ja zur Rechtswidrikeit führen können. Fink entgegnete, dass die CDU mit ihrer Mehrheit doch dafür gesorgt habe, dass der Beschluss gefasst worden sei - womit er eine plausible Begründung allerdings schuldig blieb.

Und dennoch: Schiedlich-friedlich marschierten die beiden Kandidaten Seite an Seite zurück zu den Autos, wo die Nachbarn schon die Gründung einer Bürgerinitiative vorbereiteten. Ein kurzer, aber freundlicher Händedruck - und das Treffen war beendet. Ohne Polemik, ohne persönliche Angriffe und ohne falsche Versprechungen.

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