Nordwalde
Manche mögens scharf

Sonntag, 04.10.2009, 18:10 Uhr

Nordwalde - Mit jedem Meter steigt die Spannung, die Gondeln wiegen sich im Wind. Timo und Robin genießen die Aussicht. 38 Meter über dem Erdboden sieht die Welt schon ganz anders aus. „Da“, sagt der neunjährige Robin zu seinem fünfjährigen Bruder und zeigt in Richtung Trendelkamp-Gelände, „da wohnen wir.“ Das Haus an der Felix-Fraling-Straße wirkt jetzt ganz klein, genauso wie die vielen Kirmesbuden und die Menschen, die ihre Runde machen, vorbei am „Shake“, den Kinderkarussells und dem Löwenbräu-Stand.

Das Riesenrad war das Highlight der diesjährigen Kirmes. Viele nutzten die Chance, Nordwalde einmal aus luftiger Höhe zu betrachten und erfüllten damit die Erwartungen von Eigentümer Ludwig Lanwermann. „Wir haben seit drei oder vier Jahren versucht, in Nordwalde diesen Platz zu bekommen“, erklärte Lanwermann. Dafür nahm der 36-Jährige auch stundenlanges Rangieren in Kauf. Das Aufstellen des Fahrgeschäfts auf der Hoppenstiege, wo sonst immer das kleine Kettenkarussell stand, war Zentimeterarbeit.

Arbeit, die sich gelohnt hat, wie nicht nur Andreas Rosin meinte, der mit seinen Kindern unterwegs war und den Wechsel für gut befand: „Es ist wichtig, auch mal was Neues hier zu haben“, sagte der Nordwalder. Matthias Schnieder, der extra aus Ochtrup angereist war, konnte dem nur zustimmen, auch wenn er sich eher auf genau die Currywurst (Schärfegrad fünf von sechs) bezog, die ebenfalls zum ersten Mal auf der Kirmes zu haben war: „Das ist genau richtig. Die Nase läuft, die Augen fangen langsam an zu tränen - lecker.“

Für die einen war es das erste Mal, für Wolfgang Krapf, Bürgermeister Dietmar Brockmeyer und Stefan Berndt das letzte Mal - zumindest in offizieller Funktion. Ordnungsamtsleiter Wolfgang Krapf geht 2010 in Pension und war damit das letzte Mal für den Ablauf der Kirmes verantwortlich. Bürgermeister Dietmar Brockmeyer gibt sein Amt bald an Nachfolgerin Sonja Schemmann ab und Stefan Berndt verkauft noch in diesem Jahr seine „Raupe“, die in den vergangenen Jahren ihren festen Platz vor dem Rathaus hatte. Auf dieses Fahrgeschäft müssen die Kirmesbesucher zukünftig verzichten. Dass der neue Eigentümer Nordwalde ansteuern wird, gilt als unwahrscheinlich. „Einer aus unserer Familie, der ein ähnliches Fahrgeschäft hat, wird dann wohl für Ersatz sorgen“, meinte Stefan Berndt. Das werde aber eher eine Art „Musikexpress“ sein - im Prinzip ähnlich wie die Raupe, dafür aber ohne die für die Verdeckung. Fahrgeschäfte dieser Art gibt es in Deutschland nämlich nur zweimal.

Stefan Berndt will aber auch in Zukunft noch nach Nordwalde kommen. Und auch Wolfgang Krapf und Dietmar Brockmeyer werden der Kirmes treu bleiben. Für Brockmeyer kam es übrigens nicht in Frage, die „Raupe“ zu übernehmen sich mit ihr noch einmal beruflich neu zu orientieren: „Dann müsste ich ja zum fahrenden Volk übertreten. Ich will aber in Nordwalde bleiben.“

» Heute lädt die Kirmes von 12 Uhr bis 13 Uhr zur Freifahrt ein.

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