Nordwalde
Aussterbende Riesen

Freitag, 22.10.2010, 16:10 Uhr

Nordwalde - Eine Frau im hellgrünen Blazer lehnt locker an der Reling, hinter ihr an Deck herrscht reges Treiben, golden ragen die riesigen Schornsteine empor. Die „Wappen von Hamburg “ ist in voller Fahrt, auf halber Strecke zwischen Hobbyraum und Kinderzimmer, mitten im Flur steht das riesige Modell des legendären und ehemaligen größten deutschen Seebäderschiffs, das bis 2006 noch zwischen Hamburg und Helgoland unterwegs war.

Das Haus der Familie Grabski gleicht einem kleinen Schifffahrtsmuseum, Hafenschlepper, Luxusliner, kleinere Yachten, Kriegs- und Arbeitsschiffe stehen nicht nur im Wohnzimmer in Vitrinen und auf Schränken. „An sechs weiteren arbeite ich gerade, die auf dem Dachboden untergebracht sind“, sagt Martin Grabski, der mehrere Stunden pro Woche mit seinen Modellen verbringt, nach originalen Bauplänen arbeitet und dabei jedes noch so kleine Detail beachtet.

Es war Vater Bruno, der seinem Sohn Martin das Hobby näher gebracht hat. „Ich habe von Kindesbeinen an mitgemacht“, erinnert sich der 39-Jährige und zeigt ein weiteres Modell, die „Seabex One“, ein großes Taucherbasisschiff inklusive kleinem U-Boot, das vielleicht 20 Zentimeter misst, natürlich voll funktionstüchtig ist und per Fernsteuerung bedient werden kann. Wie all die anderen Modelle auch. Martin Grabski ist gelernter Elektriker. Das Wissen hilft ihm beim Modellbau, beim Anbringen der verschiedenen kleinen Motoren, Empfänger und Sensoren, die die Schiffe erst fahrtüchtig machen. „Natürlich gibt es auch ganze Schiffsbausätze zu kaufen“, weiß Grabski. Das aber ist seine Sache nicht, jedes Kleinteil modelliert der Nordwalder selbst, sägt es aus Holz und anderen Materialien. Nur die Figürchen, die sich zum Beispiel auf der „Wappen“ an Deck tummeln, hat er natürlich so gekauft.

Mit den Jahren hat er sich alle Werkzeuge zugelegt, die für den Modellschiffsbau wichtig sind. „Bis auf eine CNC-Fräse. Aber auf die spar´ ich momentan“, erzählt Grabski, der diese Maschine dann per Computer mit exakten Daten füttern und sogar 3D-Konturen fräsen lassen könnte, Vertiefungen und Erhebungen an Deck zum Beispiel, die er jetzt mühsam per Hand ausschneiden, herausschmirgeln oder -pfeilen muss.

Die „Wappen von Hamburg“ ist das größte Schiff in seiner Sammlung, 2,23 Meter lang und 75 Kilogramm schwer, mit einem Materialwert von über 6000 Euro.

Was ihn an seinem Hobby reizt? Funktionalität, die Gemeinschaft und der Austausch. „Modellschiffsbauer sind eine Familie, egal wo du herkommst und hinkommst“, erzählt Martin Grabski von den Treffen, die deutschlandweit stattfinden. Zehn- bis zwölfmal pro Jahr geht´s los, im Gepäck zwei oder drei Schiffsmodelle: „Mehr passen ja auch nicht ins Auto und auf den Hänger“, lacht Grabski.

Organisiert werden dann große Schaufahrten mit manchmal über 100 Modellen und viel Show: „Einer hat die Titanic nachgebaut und Luft- und Wassertanks installiert. Der kann das Schiff sogar untergehen lassen!“

Der 39-jährige ist von seinem Hobby noch fasziniert wie am ersten Tag. Umso trauriger findet er es, dass der Nachwuchs ausbleibe: „Der Schiffsmodellbau ist ein aussterbendes Hobby, dafür nimmt sich kaum noch einer Zeit.“ Ein Jahr kann es dauern, bis ein Schiff wie die „Wappen von Hamburg“ vom Stapel laufen kann.

Auch wird es für die Modellbauer immer schwieriger, Gewässer für ihr Hobby zu finden. Grabski ist Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft Schiffsbau Nordwalde. Weil sie hier keinen See fand, wanderte die IG vor ein paar Jahren nach Altenberge aus, wo es aber auch Probleme gibt. „Viele Anwohner haben Angst, es könnte laut werden. Die denken, wir führen mit Benzinmotoren, dabei benutzen wir nur Elektromotoren, die man kaum hört.“ Grabski weiß, dass Modellbautreffen mit großem Schaufahrten ein echter Publikumsmagnet für einen Ort sein können: „Aber Nordwalde ist da leider etwas verklemmt.“ Martin Grabski hofft, auf der Hobbybörse viele Bedenken aus den Weg räumen und den Besuchern die Faszination Modellschiffsbau näher bringen zu können.

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