Nordwalde
1800 Kilometer bis nach Narowlja

Freitag, 29.04.2011, 19:04 Uhr

Nordwalde /Nottuln/ Narowlja - „Ich würde jederzeit wieder mitfahren. Sofort, ohne zu zögern“, versichert Paul Ratert . Die Tatsache, dass der Nordwalder gerade 27 Stunden und 1800 Kilometer im Bus hinter sich hat, ändert daran nichts. Ganz im Gegenteil. Ein Drittel der Strecke hat er am Steuer des alten Bundeswehr Schlachtschiffes - einem Mercedes-Reisebus 303 - gesessen. Sein Arbeitskollege Willi Baving , ebenfalls Nordwalder und Busfahrer bei den Stadtwerken Münster, hatte ihn ins Boot geholt.

Ihr Ziel war Narowlja in Weißrussland. „Er hatte gar keine andere Möglichkeit“, ergänzt Willi Baving mit seinem unverkennbaren trockenen Humor. Der 61-Jährige ging bereits zum vierten Mal an Bord des 303. Seit 1992 existiert der Nottulner Verein „Hilfe für Narowlja/Tschernobyl“, der Schulen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen unterstützt und bis vor zwei Jahren auch noch Kinder-Ferienfreizeiten ausrichtete.

Ab der weißrussischen Grenze saß allerdings Peter Masur aus Narowlja hinterm Lenkrad. „Die Straßen hatte ich mir nicht so schlecht vorgestellt“, bemerkt Paul Ratert und flachst: „Da braucht es keine Geschwindigkeitsbegrenzungen. Die erledigen sich von ganz alleine.“

Wer sich auf so eine Abenteuerreise einlässt, muss schon von einer gewissen Abenteuerlust und Neugierde beseelt sein. Eine Busfahrt nach Weißrussland ist jedenfalls nicht mit einer Kreuzfahrt oder Cluburlaub zu vergleichen. „Wir haben viel gelernt“, resümiert Willi Baving schmunzelnd und ganz entspannt.

Interessanterweise waren die Zwei und auch die anderen Herren der Reisegruppe bei Führungen durch Krankenhaus, Schule und Heimatmuseum immer schnell wieder verschwunden. Sie zog es eher an die frische Luft. Schließlich hatte der hiesige Straßenbau und die „Abnahme“ verschiedener Baustellen sehr viel mehr für die Praktiker zu bieten. Autoreifen mit Spikes weckten beim gelernten Kfz-Mechaniker Willi Baving Erinnerungen an die 60er Jahre, als diese Variation der Bereifung kurzfristig in Deutschland in Mode war.

Beim Besuch des Ordens von Mutter Teresa in Gomel konnten die Zwei - zusammen mit weiteren tatkräftigen Helfern - kurzfristig ein logistisches Problem lösen. In kurzer Zeit beförderte die deutsche Delegation 80 Bananenkartons aus einem entfernten Lagerkeller zum Einsatzort der „Missionarinnen der Nächstenliebe“.

„Die Zwei sind Dreamteam. Vertragen sich gut, sind ruhig und gelassen. Zudem sorgen sie so ganz nebenbei für beste Unterhaltung und haben einen herzerfrischenden Humor“, so die Auszeichnung von Marlies Wolanewitz-Janning, Erste Vorsitzende des Vereins.

Klar gab es am Ende ein Dankeschön für das sichere Chauffieren über die fast endlos wirkende Asphaltpiste. Die zufriedene Reisecrew stimmte für die Zwei kurz vor dem Einlauf in den Nottulner Heimathafen ein Ständchen an und applaudierte Landung kräftig.

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