Sachsenhof
Mit Nordwalder Schindeln ins Mittelalter

Greven/Nordwalde -

Am Sachsenhof entsteht gerade die Rekonstruktion einer alten Remise, die Platz für Besuchergruppen (unter anderem Schulklassen) bieten soll, die Schutz vor Regenwetter suchen.

Dienstag, 04.02.2014, 17:02 Uhr

Wesentlich einfacher wäre es, Fundstücke aus dem Boden zu buddeln und in die Vitrine zu stellen. Aber die Heimatfreunde vom Sachsenhof-Team finden bestenfalls vermodertes Holz, Lehmbrösel oder nichts weiter als Bodenverfärbungen und Pfostenlöcher im Erdreich.

Wie in diesem Fall: ein Fund aus Warendorf, grob datiert auf das 7. bis 9. Jahrhundert, für den Laien kaum als Reste einer Hütte erkennbar. Aber dem 14-köpfigen Team um Dr. Hermann-Josef Drexler , Camelo Virga und Peter Grund reichen die elf dunklen Punkte, um daraus eine frühmittelalterliche Remise zu rekonstruieren. Was sie dazu brauchen, ist Holz und handwerkliches Geschickt, Fantasie und das Know-how der experimentellen Archäologie. Sie liefert Antworten auf die wichtigsten Fragen: Hatte die Hütte ein tragendes Balkengerüst? Wände aus Flechtwerk oder Spaltholz? Wie waren sie verbunden: mit Leder, Sehnen, Därmen, Sisal, Hanfgras, Bast oder Weidenruten?

Die Remise, die derzeit auf dem Gelände entsteht und möglichst zum nächsten Aktionstag am 29. Juni fertig werden soll, ist dem münsterländischen Landregen geschuldet: Die mehr als 50 Schulklassen, die jedes Jahr den Sachsenhof besuchen, bringen ja nicht immer gutes Wetter mit. Und wenn es mal wieder meimelt, lernt und werkelt es sich im Haupthaus nicht besonders gut, weil’s dort zu duster ist. Dem soll die offene Remise abhelfen (deren wahre Größe man erst erkennt, wenn man sich unter das fast fertige Gerippe stellt).

Zu den Aktiven gehören Ludger und Mechthild Alfing, die in Nordwalde auf dem Hof Westerode 4 wohnen, wo ein Großteil der Vorarbeiten über die Bühnen ging. Bevor sie loslegten, haben sich die Remisen-Bauer natürlich auch angesehen, was und wie andere die Probleme gelöst haben. Eines werden sie ganz bestimmt anders machen als andere: Sie werden ein Teil des Daches mit Lärchenholzschindeln decken statt mit Reet. „Wir müssen mit dem Bau ziemlich nah an den Wald rücken“, erklärt dazu Peter Grund, „da würde Reet viel zu schnell vergammeln.“

Also lösen sie das Problem mit über 5000 Schindeln , die sie inzwischen alle schon gefertigt haben – auf der Tenne des Hofes Westerode 4. Die Dacheindeckung, die dort entstanden ist, ist erstaunlich lange haltbar. „Fachleute sagen: pro zehn Grad Dachneigung zehn Jahre. Bei einem 45-Grad-Dach wären das 45 Jahre“, erläutert Grund.

„Wir machen alles in Eigenleistung: besorgen das Holz selbst, holen, bearbeiten und verarbeiten es anschließend“, sagt Dr. Hermann-Josef Drexler, und macht gleich noch mal Reklame für den Sachsenhof, dessen Freunden es an Nachwuchs fehlt. Dabei ist die Mitarbeit dort so vielfältig wie nur was, und zwar für Männer und Frauen: Alte Kulturpflanzen werden dort angebaut, auch Fasergewächse, die nach uralten Arbeitsweisen in Textilien verwandelt werden. Es gibt einen Keramikofen, ja sogar Eisenerz wird auf dem Gelände verhüttet und kann anschließend zu Messern oder Schwertern geschmiedet werden. Wer sich mit den Häusern oder jetzt dem Aufbau der Remise befasst, lernt viel über Holz und alte Handwerkstechnik, Architektur und Statik. Um Ackerbau und Viehhaltung, alte Getreidearten und das gesellschaftliche Leben der Sachsen geht es ebenfalls.

Zu tun gibt’s jedenfalls genug auf dem Sachsenhof. Oder zwischenzeitlich auch mal in Nordwalde, wo die Männer sich jeden Samstag getroffen haben, um Schindeln zu schneiden.

► Wer sich für die Arbeit interessiert

oder mithelfen möchte, kann unter Telefon 0 25 71/519 58 Kontakt zu den Sachenhof-Freunden aufnehmen.

Wir machen alles in Eigenleistung, besorgen das Holz selbst, holen, bearbeiten und verarbeiten es anschließend.

Dr. Hermann-Josef Drexler
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