600 000 Euro für den Brüggemannsbach
Neues Bett auf zwei Kilometern Länge

Nordwalde -

Es heißt zwar Brüggemannsbach, sieht mit seinem Trapezprofil und den befestigten Uferzonen aber aus wie ein Kanal – und erfüllt in erste Linie den Zweck eines Vorfluters. Wie am Reißbrett gezogen umfließt er Nordwalde und lässt nicht mal ansatzweise erahnen, dass sein natürlicher Lauf mal ganz anders ausgesehen hat. „Ganz sicher ist der Bach früher durch die Landschaft mäandert“, ist Diplom-Ingenieur Marco Pfeil vom Büro Schmelzer in Ibbenbüren überzeugt.

Donnerstag, 09.04.2015, 17:04 Uhr

So wie der Vollhagenbach auf einem Teilstück in der Kirchbauerschaft bereits aussieht, soll auch der Brüggemannsbach zwischen und Denkerstiege wieder hergerichtet werden. Die Ingenieure Bernd Schmelzer (l.) und Marco Pfeil sowie Claus Ufermann von der Gemeindeverwaltung sind guter Dinge, dass das auch klappt.
So wie der Vollhagenbach auf einem Teilstück in der Kirchbauerschaft bereits aussieht, soll auch der Brüggemannsbach zwischen und Denkerstiege wieder hergerichtet werden. Die Ingenieure Bernd Schmelzer (l.) und Marco Pfeil sowie Claus Ufermann von der Gemeindeverwaltung sind guter Dinge, dass das auch klappt. Foto: Michael Schwakenberg

Seine Aufgabe war es in den vergangenen Monaten, Pläne für eine Renaturierung auszuarbeiten. Die sind jetzt fertig. Auf zwei Kilometern Länge, zwischen Kleimannweg und Denkerstiege, soll sich der Bach wieder ansatzweise so durch die Landschaft schlängeln, wie er das früher mal getan hat.

„Schon vor etlichen Jahren hat die Gemeinde die erforderlichen Flächen dafür erworben“, erläutert Claus Ufermann von der Gemeindeverwaltung. So steht dem neuen Bachbett einen Streifen in der Breite zwischen 20 und 40 Metern zur Verfügung. Haben Bagger das Bett erstmal aufgeweitet soll eingebautes Totholz dafür sorgen dass sich Strudel und kleine Kolke bilden. Vereinzelte Steinhaufen und seichte Uferzonen sollen neuen Lebensraum für Tiere schaffen, denen der Brüggemannbach in diesem Bereich derzeit nichts zu bieten hat.

Durch die Renaturierung schlägt die Gemeinde gleich drei Fliegen mit einer Klappe. Denn erstens muss sie für den Bau der Umgehungsstraße ökologische Kompensationsmaßnahmen umsetzen. Zweitens hilft gerade dieses Projekt dabei, die Hochwassergefahr im Ort abzumildern. Pfeil : „Wir schaffen etwa 15 000 Kubikmeter zusätzlichen Retentionsraum für Wasser.“ Raum, in dem sich das Wasser breit machen kann, ohne Schaden anzurichten. Und drittens entsteht zusätzlicher Naherholungsraum für Radfahrer und Spaziergänger. Ein neu angelegter kombinierter Radweg soll eine Verbindung von Kleimannweg, Hilgenbrinker Straße und Denkerstiege schaffen.

Bedenkenträger bei solchen Maßnahmen kommen nach den Erfahrungen der Gemeindeverwaltung, wenn überhaupt, aus den Reihen des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes. Ufermann: „Die Bauern haben die Befürchtung, dass sich ein renaturierter Bach in den Kurven immer weiter in die Felder reinfrisst.“ Eine Sorge, die Ingenieur Marco Pfeil den Anliegern in diesem Fall nehmen kann: „Das Gefälle liegt in diesem Bereich bei weniger als einem halben Meter auf einen Kilometer. Da ist die Strömung äußerst gering.“

Wer sich schon jetzt ein Bild davon machen möchte, wie sich der Brüggemannsbach verändern wird, dem sei ein Ausflug in die Kirchbauerschaft empfohlen, wo der aus Altenberge kommende Hagenvollbach auf einem Teilstück renaturiert wurde. Da die Maßnahme noch recht frisch ist, müssen sich Pflanzen und Gehölze dort erst neu ansiedeln. Bis dahin wirkt alles noch etwas kahl und unfertig.

Veranschlagt sind für die Renaturierung des Brüggemannsbaches rund 600 000 Euro, von denen das Land, so die Hoffnung der Gemeinde, 80 Prozent übernimmt. Sobald die Bezirksregierung die Förderzusage erteilt hat, kann es losgehen. „Vielleicht sogar noch in diesem Jahr“, hofft Claus Ufremann.

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