Sternsinger
20*C+M+B+17

Nordwalde -

Kronen basteln, Gewand aussuchen, Lied auswendig lernen – kurz vor der Aussendung haben Nordwaldes Sternsinger allerhand zu tun. Beim Besuch in der Königsschmiede fällt auf: In diesem Jahr verkleiden sich weniger Kinder als Könige. Warum nur?

Donnerstag, 05.01.2017, 16:01 Uhr

Pappe, goldenes Papier und Klebe: Fertig ist die Krone.
Pappe, goldenes Papier und Klebe: Fertig ist die Krone. Foto: Pjer Biederstädt

Keine Polizei, keine Absperrungen, keine Sicherheitsvorkehrungen. Dabei sitzen 50 Könige im Pfarrsaal der St.-Dionysius-Kirche. Es sind allerdings Teilzeit-Könige, ziemlich junge noch dazu. Bambino Royal, quasi. Sie bereiten gerade ihre Inthronisierung vor, aber ganz ohne Herrscherallüren. Da werden sogar die Kronen noch selbst gebastelt.

Ein bisschen Klebestift in den Haaren, etwas Glitzer an der Wange, das Gewand hängt noch auf halb acht – die Vorfreude auf den Einsatz als Sternsinger lässt die kleinen Unwegsamkeiten aber in den Hintergrund treten. Zur Vorbereitung auf die Sternsingeraktion tummeln sich kleine und große Kinder, Mütter und Organisatorinnen unterm Kirchendach. Umhänge in rot, weiß und gülden werden verteilt, die mittlerweile fertiggestellten Kronen anprobiert. Wie zwei Leuchttürme in einem vertonten Wimmelbild stehen Ursula Lappe und Sarah Subelack im Raum und behalten den Überblick.

Seit 20 Jahren bei den Sternsingern dabei

Der Sachausschuss Jugend der Pfarrgemeinde und die Landjugend organisieren das Sternsingen. „Das ist mit vielen Stunden Arbeit verbunden – aber diese Arbeit macht Spaß“, sagt Sarah Subelack. Sie muss es wissen, schließlich ist die 22-Jährige schon zwei Dekaden dabei. Als Zweijährige lief sie das erste Mal als Sternsinger mit, dann als betreuender Firmling, jetzt als Koordinatorin. „Mir gefällt, dass bei der Aktion Kinder Kindern helfen.“

Nordwaldes Sternsinger

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  • Sitzt, wackelt und hat Luft. Erfolgreiche Kronen-Anprobe zwei Tage vor der Aussendung der kleinen Könige zum Sternsingen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Firmlinge helfen den Kleinen beim Basteln der Kronen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die Organisatorinnen: Sarah Subelack (l.) hat die Zeit im Blick und bespricht sich mit Pastoralreferentin Ursula Lappe.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Konzentration ist alles, aber für ein Bild gucken die Könige in spe kurz in die Kamera.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Wenn‘s mal hakt, gibt‘s mütterliche Hilfe.

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  • Carlo Weßeling (2.v.r.) hilft als betreuender Firmling bei der Sternsingeraktion.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • An die Türen der 27 Bezirke im Ort soll mit Kreide das berühmte C+B+M (Christus mansionem benedicat, zu deutsch: Christus segne dieses Haus) geschrieben werden. Oder ganz modern: Per Aufkleber an den Briefkasten geklebt werden.

     

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Ohne Edelsteine kein richtiger König!

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Delegieren und Krone kleben gleichzeitig: Das kann man nur, wenn man wie Sarah Subelack 20 Jahre Erfahrung hat im Sternsinger-Geschäft hat.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Mit Klebe,...

    Foto: Pjer Biederstädt
  • ...Schere...

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  • ...und ganz viel Gefühl entstehen die besten Kronen.

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  • Wenn die jugendlichen Firmlinge ganz ehrlich sind: Sternsingen macht Spaß, auch wenn es eigentlich was für Kleine ist.

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  • Passt! Fehlt nur noch das Gewand.

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  • Die gibt‘s bei Ursula Lappe. Da ist für jede Königsgröße etwas dabei.

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  • Die ganz Kleinen...

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  • ...bekommen etwas Hilfestellung bei der Kronenproduktion.

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  • Manche lassen sich die Krone basteln – wozu ist man schließlich König?

    Foto: Pjer Biederstädt

Apropos Hilfe. Plötzlich wird es still im Saal. In einem Film erklärt Willi Weitzel – der Willi, der es immer wissen will – wofür sich die Kinder beim Dreikönigssingen 2017 engagieren. In diesem Jahr ist der Klimawandel das Thema der bundesweiten Spendenaktion. Die Auswirkungen treffen unter anderen die Turkana, ein Nomaden-Volk in Kenia. „Wir sammeln für die Kinder dort, weil sie wenig Geld und kaum Wasser haben“, erklärt Sarah Subelack. Das verstehen die kleinen Melchiore, Balthasare und Caspars. So klein, und schon kann man anderen helfen. Dann fehlt es auch nicht an Motivation, das Sternsinger-Lied zu pauken. Aber wieso wollen in diesem Jahr dann so viel weniger Kinder als im letzten Jahr von Tür zu Tür ziehen?

15 von 27 Bezirken im Ort sind noch unbesetzt

„Im Moment sind noch 15 von 27 Bezirken im Ort ohne Sternsinger-Team. Von den acht Gebieten in den Bauerschaften ist noch eins frei“, erzählt Pastoralreferentin Ursula Lappe. Im letzten Jahr waren es noch um die 80 Kinder, die als König verkleidet von Tür zu Tür gingen und Spenden sowie Süßes sammelten. Jetzt sind es um die 50. „Die Grippewelle und Schulferien sind sicherlich Gründe“, erklärt Ursula Lappe. Sarah Subelack sieht im schwindenden Bezug der Menschen zur Kirche einen weiteren Grund für die geringe Beteiligung.

Geschichte der Sternsinger

Das Sternsingen geht auf die Erwähnung der Sterndeuter zurück. Im sechsten Jahrhundert wurden aufgrund der drei Weihegaben drei Personen vermutet – die Heiligen drei Könige. Die Ursprünge des Sternsingens liegen vermutlich in den Krippen- oder Dreikönigsspielen. Das Sternsingen entwickelte sich in Europa unterschiedlich. In den Ländern Mitteleuropas ist das Sternsingen ein katholischer Brauch. Aufzeichnungen des Klosterstifts St. Peter in Salzburg weisen ein erstes Sternsingen im Jahr 1541 nach. Nach 1560 verbreitete sich das Sternsingen und verband sich dabei mit dem zu dieser Zeit gebräuchlichen Ansingen beim Fest der Heiligen Drei Könige durch Schülerchöre. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland, Österreich und Belgien zentral gesteuerte Sternsingeraktionen. Gesammelt wird meist für Hilfsprojekte, die Kinder in Not weltweit unterstützen

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Für Carlo Weßeling ist die Sternsingeraktion aber alles andere als uncool. Er ist einer von 16 jugendlichen Betreuern, die mit den Kindern heute und Samstag durch die Straßen ziehen. Sie erklären den Bürgern den Spendenzweck, passen auf die Geldbüchsen auf und helfen den kleinen Königen, wenn mal die Schleife neu gebunden werden muss. Da bricht sich einer wie Carlo keinen Zacken aus der Krone. „Ich bin früher auch mitgelaufen. Und meine Freundin hat mir erzählt, dass es als Firmling Spaß macht, dabei zu sein“, sagt der 15-Jährige. Wenn der Schwund aber zum Trend wird, droht ein weiteres schwerwiegendes Problem. Wer isst dann die Unmengen an Süßigkeiten, die die Kinder sammeln? „Wir geben so schon immer drei Kartons zur Tafel nach Greven“, sagt Ursula Lappe. Wer will in solchen Zeiten nicht König sein?

Zum Thema

Ablaufplan der Sternsinger: Heute: Aussendung um 14 Uhr in der Kapelle des St.-Augustinus-Altenzentrums, Sternsingen bis 17 Uhr. Samstag: Sternsingen von 10 bis 17 Uhr (Mittagessen im Altenzentrum). Sonntag: Familiengottesdienst in der Kirche um 10.30 Uhr.

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