Wirtschaftsserie
Sicher bis ins All

Nordwalde -

Sicherheit geht vor. Die Firma Laubinger und Rickmann stellt Prüfanlagen für die Luft- und Raumfahrt sowie für die Stahl- und Autoindustrie her. Ihre Präzisionsarbeit ist in der ganzen Welt gefragt, wie der vierte Teil der Wirtschaftsserie „Von Nordwalde in die Welt“ beleuchtet.

Freitag, 24.02.2017, 18:02 Uhr

Tobias Helmig sitzt vor einer Prüfanlage für Flugzeugteile. Maschinen für den Luftfahrtsektor machen 70 Prozent des Konzern-Umsatzes aus. Seit drei Jahren kommen wieder verstärkt Aufträge aus der Automobilindustrie ins Haus.
Tobias Helmig sitzt vor einer Prüfanlage für Flugzeugteile. Maschinen für den Luftfahrtsektor machen 70 Prozent des Konzern-Umsatzes aus. Seit drei Jahren kommen wieder verstärkt Aufträge aus der Automobilindustrie ins Haus. Foto: Pjer Biederstädt

Viele Nordwalder Unternehmen agieren weit über das Münsterland hinaus und sind global vernetzt. In der Serie „Von Nordwalde in die Welt“ beleuchten die WN in loser Reihenfolge Firmen, die in der kleinen Gemeinde ansässig, aber in der großen Welt zu Hause sind.

Statistisch gesehen ist Flugangst völlig unbegründet. Flugzeuge gehören zu den sichersten Transportmitteln. Dennoch leiden viele Menschen darunter. Auch Stars, wie beispielsweise der ehemalige Fußballer Dennis Bergkamp. Der holländische Ex-Nationalspieler verzichtete aufgrund dieser Panik auf einige wichtige Spiele in seiner Karriere. Ein Besuch in Nordwalde bei der Firma Laubinger und Rickmann hätte sein Leben enorm erleichtert.

Über vier Meter ragt die Ultraschallprüfanlage in der Halle an der Gildestraße in die Höhe. Große Flugzeugteile müssen dort hindurchpassen. Per Ultraschall werden die Kohlefaser-Verbundwerkstoffe, die beim Flugzeugbau verwendet werden, ganz genau auf Risse oder andere Fehler geprüft. Das funktioniert so ähnlich wie bei der Untersuchung einer schwangeren Frau. Nur wird statt Gel Wasser zur Übertragung der Wellen benutzt und es wird von zwei Seiten gleichzeitig gecheckt. Da bleibt nichts unentdeckt.

92 Mitarbeiter

„Unsere Anlagen fertigen wir individuell nach Kundenwunsch und kooperieren mit Partnern, die dann die Ultraschallelektronik einbauen“, erklärt Tobias Helmig . Der Diplom-Ingenieur bildet mit Dr. Martin Köppers das Geschäftsführer-Duo. Sie stellen zusammen mit ihrem 92-köpfigen Team nicht nur die mechanisch wie elektronisch komplexen Prüfanlagen für die Luft- und Raumfahrt, sondern auch für die Stahl- und Autoindustrie her. Ob Ultraschall-, Röntgen- oder Penetriertechnik – Laubinger und Rickmanns Maschinen prüfen weltweit auf Sicherheit.

„Ungefähr 80 Prozent unseres Umsatzes kommt aus dem Auslandsgeschäft“, erzählt Tobias Helmig, der einst auf der Fachhochschule in Steinfurt lernte. Gerade kam eine Bestellung für zehn große Prüfanlagen aus Texas. Die Aufträge flattern aber aus aller Herren Länder in den Nordwalder Briefkasten. „Mexiko, Taiwan, Korea, Schweden, Russland. Langsam können wir über ein eigenes Flugzeug nachdenken“, scherzt Dagmar Müller. Die Assistentin der Geschäftsführung spielt auf die vielen Auslandsreisen der Monteure an. Die dauern im Schnitt zwei Wochen. „Aber die Jungs waren auch schon mal sechs Wochen in Indien. Da gab es entweder Reis mit Huhn oder Huhn mit Reis“, erzählt Dagmar Müller.

Prüfung der Europa-Rakete „Ariane“

Doch das Team fliegt schließlich nicht wegen extravaganter Speisekarten um den Globus, sondern um die Anlagen beim Kunden aufzubauen und sie in Betrieb zu nehmen. „Von der Entwicklung bis zum Service vor Ort decken wir alle Bereiche ab“, erklärt Tobias Helmig das Prozedere.

Nicht nur im Ausland hat sich das Unternehmen, das 1972 vom Nordwalder Harald Laubinger gegründet wurde, die Sicherheit auf die Fahnen geschrieben. Nach dem Zugunglück mit über 100 Toten im niedersächsischen Eschede im Jahr 1998, ließ die Deutsche Bahn die Räder – die Ursache der Katastrophe – ihrer ICE regelmäßig mit Ultraschall warten. Die Prüfanlagen kommen aus Nordwalde. Sogar die Außenhaut und Tanks der Europa-Rakete „Ariane“ werden mit den Maschinen von Laubinger und Rickmann geprüft. Das dürfte für den flugängstigen Fußballer Dennis Bergkamp ganz neue Reiseoptionen eröffnen.

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