Junge Dealer geständig
Drogenhandel im Darknet

Nordwalde/Münster -

Auf ihren Stühlen im Gerichtssaal wirken die beiden jungen Männer aus Nordwalde ruhig, sogar schüchtern. Sie beantworten jede Frage, die Richter oder Staatsanwältin stellen. Im Zuschauerraum sitzen Eltern und Nachbarn und verfolgen – augenscheinlich besorgt – die Verhandlung.

Mittwoch, 03.05.2017, 16:05 Uhr

 
  Foto: dpa

Auf ihren Stühlen im Gerichtssaal wirken die beiden jungen Männer ruhig, sogar schüchtern. Sie beantworten jede Frage, die Richter oder Staatsanwältin stellen. Im Zuschauerraum sitzen Eltern und Nachbarn und verfolgen – augenscheinlich besorgt – die Verhandlung.

Seit Mittwoch wird am Landgericht die Beteiligung der 19, beziehungsweise 20 Jahre alten Angeklagten aus Nordwalde an einem Drogendealer-Netzwerk geklärt, das schon mehrmals Thema der Strafverfolgungsbehörden war. Unter anderem wurden gegen Personen aus dem Kreis Steinfurt und aus Gronau langjährige Gefängnisstrafen wegen Beteiligung am Drogenhandel über das so genannte Darknet verhängt (die WN berichteten).

Auch die Nordwalder sollen einen Teil der „Arbeit“, wie sie ihn nennen, übernommen haben. Hinterleute aus den Niederlanden boten im Darknet – einem nur mit einem speziellen Browser zugänglichen Bereich des Internets – Drogen an und verschickten sie per Post an Konsumenten weltweit.

Für das Verpacken etwa von Kokain , Marihuana, Amphetamin, Ecstasy und LSD sollen auch die Nordwalder in 2015 und 2016 monatelang zuständig gewesen sein – erst von einer Wohnung in Greven, dann von einer Wohnung in Steinfurt aus.

Einmal wöchentlich hätten Hinterleute kiloschwere Drogenfracht bei Enschede an zwei Frauen aus Steinfurt übergeben. Die beiden wurden bereits vom Landgericht verurteilt. Sie hatten den Stoff zu den Wohnungen gebracht. Die Angeklagten nannten am Mittwoch Details ihrer „Arbeit“: In Ganzkörperanzügen, mit Mundschutz, Handschuhen und Haarnetzen hätten sie Bestellungen verpackt und mit Chlorwasser gereinigt. „Damit, falls die Briefe im Zoll gefunden werden, keine DNA von uns dran ist“, schilderte der 22-Jährige.

Auch bei Kurierfahrten sollen die Männer mit einem eigenen Auto mitgemacht haben, um die Fahrerin des Drogen-Fahrzeugs gegebenenfalls vor Polizei oder Zoll zu warnen. Bei der letzten Tour im Februar 2016 waren die Frauen kontrolliert und verhaftet worden. Die Nordwalder flüchteten kurz darauf in die Niederlande und tauchten unter.

Über die Hinterleute seien sie erst in einem „Center Park“ untergekommen und hätten später in Wohnungen bei Almelo weiter Drogen verpackt, erklärte der 22-Jährige. „Uns wurde gedroht, damit wir weiter für die Organisation arbeiten“, sagte er. Kurz vor Weihnachten stellten sich die Nordwalder dann doch bei der Polizei in Greven. Die Verhandlung wird am 10. Mai fortgesetzt.

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