Theater auf dem Bispinghof
Schiller für Eilige

Nordwalde -

Schiller geht auch in Kurzform. Das bewies das Theaterensemble „Freuynde + Gaesdte“, das auf dem Bispinghof eine Vorpremiere ihres „Karlos!“ aufführten. Und zwar in stilechtem Ambiente.

Montag, 29.05.2017, 17:05 Uhr

Karlos (Stefan Naszay, l.)  und Rordrigo de Posa (Zeha Schröder) überzeugten mit ihren Darstellungen das Publikum im Herrenhaus auf dem Bispinghof.
Karlos (Stefan Naszay, l.)  und Rordrigo de Posa (Zeha Schröder) überzeugten mit ihren Darstellungen das Publikum im Herrenhaus auf dem Bispinghof. Foto: Sigrid Terstegge

In schwere Gewissenskonflikte brachte der begeisterte Zuschauerapplaus am Sonntag die Schauspieler Stefan Nászay und Zeha Schröder. „Vor der Premiere darf sich kein Schauspieler auf der Bühne verbeugen“, erläuterte Schröder, der die Rolle des Rodrigo de Posa im Stück „Karlos!“ übernommen hatte. Die eigentliche Premiere ist erst am Mittwoch im münsterischen Zwinger. Exklusiv vorab hatten rund 40 Theaterliebhaber bereits die Gelegenheit, im Gewölbekeller des Herrenhauses auf dem Bispinghof einen ganz besonderen „ Don Carlos “ zu sehen.

Politik und Intrigen, ignorierte Liebe und opferbereite Freundschaft, daraus machte Friedrich Schiller seinen „Don Carlos“, ein dramatisches Gedicht (so Schillers Untertitel) in fünf Akten. Viel Sitzfleisch und viele Schauspieler braucht es normalerweise für das Stück. Nicht so das Theaterensemble „Freuynde + Gaesdte“. Eine gute Stunde Zeit und zwei Schauspieler reichten aus, um Mitleid zu bekommen mit dem armen Sohn des spanischen Königs Philipp II, der zusammen mit Freund Rodrigo de Posa in seiner Jugend von Gedankenfreiheit träumt, aber jetzt als Gefangener von seinem Vater festsitzt. Rodrigo De Posa versucht auf seine Art, ihm zu helfen.

Karlos, Sohn des spanischen Königs, wurde von Nászay überzeugend dargestellt. Nicht minder ausdrucksstark war Zeha Schröder in der Rolle des Rodrigo de Posa. Anke Winterhoffs Regie machte das Stück zu kurzweiliger Unterhaltung.

Gut gewählt war der Spielort. Ein kühler Keller mit gewölbten Decken, Putz bröckelte von den Wänden. Ziemlich alte, aber kunstvoll gestaltete Türen und als Bühne eine Ecke im rechten Winkel von zwei Gängen. Der Ledersessel mit hoher Lehne als Ankerpunkt. Die Akustik war hervorragend bis zum letzten Platz.

Dramatisch dann das Ende, allerdings mit einem kleinen Augenzwinkern. Rodrigo de Posa sterbend im Sessel, Karlos ziemlich verzweifelt und wütend auf seinen Vater, und die Glocken der Christuskirche läuteten zur Abendmesse. Fast wie bestellt.

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