Landwirtschaft
Pflanzen lechzen nach Wasser

Nordwalde -

Das Frühjahr war trocken, der Winter auch. Vor allem die Getreide, die auf sandigen Böden wachsen, gedeihen nicht wie gewünscht. Die Landwirte merken es im Portemonnaie.

Donnerstag, 08.06.2017, 16:06 Uhr

Bis zur Erntezeit dauert es noch etwas, doch schon jetzt ist klar, dass es bei einigen Getreidearten – je nah Standort – Ernteeinbußen geben wird.
Bis zur Erntezeit dauert es noch etwas, doch schon jetzt ist klar, dass es bei einigen Getreidearten – je nah Standort – Ernteeinbußen geben wird. Foto: Wulf Pfeiffer/dpa

So nah beieinander, doch die Unterschiede sind groß: Während Landwirte in der Feldbauerschaft, die auf lehmigen Böden Getreide anbauen, kaum Probleme mit dem trockenen Frühling haben, beklagen Bauern mit Feldern auf sandigen Böden im Osten Nordwaldes, dass die Wintergerste nicht so recht gedeihen will. Ernteeinbußen zeichnen sich bereits jetzt ab.

„Auf den Lehmböden hier in Nordwalde wächst alles normal. Aber ich habe auch Felder bei Emsdetten. Da ist die Wintergerste schon weiß an den Spitzen“, erzählt Landwirt Michael Dirting. Weil die Pflanzen dort zu wenig Wasser bekommen haben, setzt die Notreife ein, also ein vorzeitiges Erhärten des noch nicht reifen Getreide-Korns, das dabei schrumpft. „Den Höchstertrag werden die Landwirte, die auf sandigen Böden anbauen, in diesem Jahr schon mal nicht mehr bekommen“, sagt auch Heinrich Markenfort, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes (LOV) Nordwalde.

Wärmster März seit Wetteraufzeichnung

Schuld ist ein trockener Winter, gefolgt von einem recht trockenen Frühling. „Im Gegensatz zum Vorjahr, das sich im Frühjahr mit ausgeglichenen Temperaturen präsentierte, war der Frühling 2017 erheblich zu warm“, schreibt der Deutsche Wetterdienst in seinem Bericht zum Frühjahrswetter. Demnach blieb die Niederschlagsmenge deutlich unter dem vieljährigen Mittelwert. Außerdem sei der März 2017, der wärmste März seit Beginn flächendeckender Wetteraufzeichnung im Jahre 1881 gewesen. Viel entscheidender: Zum fünften Mal in den letzten sechs Jahren konnte der Frühling sein Niederschlagssoll nicht erreichen, schreibt der Deutsche Wetterdienst. Statt 186 Liter pro Quadratmeter (l/m²) im bundesweiten Mittel, fielen laut Wetterdienst nur etwa 155 l/m² . In NRW lag das Monatsmittel der Niederschlagsmenge bei nur 135 l/m².

„Wir beobachten vor allem ganz unterschiedliche Regenereignisse. In einigen Regionen fällt mehr Regen als in anderen, obwohl sie dicht beieinander liegen“, sagt Herbert Piepel von der Landwirtschaftskammer, Kreisstelle Steinfurt. Seine Erklärung für die unterschiedlichen Folgen der Trockenheit in einem kleinen Bereich wie Nordwalde leuchten ein: „Auf dem Gebiet gibt es Lehm- und Sandböden. Die Lehmböden speichern 150 bis 180 Liter Wasser, welches für die Pflanzen verfügbar ist, pro Quadratmeter, Sandboden nur 30 bis 90 Liter. Da der Winter auch trocken war, sind die Speicher nicht ganz aufgefüllt“, erklärt der Experte von der Landwirtschaftskammer. Trockenschäden seien für die Getreide nicht auszuschließen.

„Regen wäre jetzt gut“

Für die Maisernste hat die Trockenheit aber noch keine gravierenden Folgen. Der Mais steckt laut Piepel in der Jugendphase und härtet sich ab. „Die Wurzel geht tiefer, um an Wasser zu gelangen. Das ist in Trockenphasen im Sommer von Vorteil“, sagt Piepel und fügt an, was alle Landwirte insgeheim denken: „Regen wäre jetzt trotzdem nicht schlecht.“

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