Bundestagswahl
Altes Getriebe – heiße Liebe

Nordwalde/Coesfeld -

Sakko aus, Lederjacke an: In unserem Kandidaten-Check für die Bundestagswahl gibt diesmal Ulrich Hampel (SPD) Einblicke in seine Leidenschaft: Motorradfahren. Und erzählt von der Liebe zu einem „Gerippe“.

Freitag, 15.09.2017, 14:09 Uhr

Am Ziel der Tour durch den Kreis Coesfeld: SPD-Bundestagsabgeordneter Ulrich Hampel mit seiner BMW – Baujahr 1959 – vor der Kapelle von Stift Tilbeck.
Am Ziel der Tour durch den Kreis Coesfeld: SPD-Bundestagsabgeordneter Ulrich Hampel mit seiner BMW – Baujahr 1959 – vor der Kapelle von Stift Tilbeck. Foto: Scherle

Das „Schätzchen“ ist bisweilen zickig. Mit festem Tritt versucht Ulrich Hampel dem Motor seiner BMW R 50 „Leben“ einzuhauchen. Einmal. Zweimal. Dreimal. „Na, komm schon!“ flüstert er dem schwarzen Oldtimer zu. Nichts. Antreten bei einem altehrwürdigen Bike – das ist offensichtlich schwerer als in der Politik.

Nach vier Jahren Bundestag tritt der SPD-Politiker zum zweiten Mal an. – Dann kommt ihm die im wahrsten Sinne des Wortes zündende Idee: Der 52-jährige Xantener drückt den Schlüssel etwas tiefer hinein. Tritt noch einmal. Und die Maschine knattert los. Musik ist das in Hampels Ohren. „13 Jahre lang habe ich daran gebastelt“, erzählt er und reicht dem Reporter einen weißen Helm.

Liebe auf den ersten Blick

Der, im Nebenberuf Angsthase, hat viel Respekt vor dem chromblitzenden Gefährt, hat er doch noch nie so eines bestiegen. „Wir machen eine Spazierfahrt“, verspricht Hampel Gemütlichkeit statt Gefahr. „Nur Mut!“ Und dann vertraut der Pressemann tatsächlich sein Leben zwei Stunden lang der Sozialdemokratie an. Was tut man nicht alles, um am eigenen Leib zu erfahren, warum ein Politiker leidenschaftlicher Motorradfahrer ist?

Es ruckelt. Oh, wir fahren schon! Vom Coesfelder Marktplatz aus geht es kreuz und quer durch die Kreisstadt. Jedes Schlagloch: ein Erlebnis. Der Reporter krallt sich in Hampels Lederjacke fest. Der Schnurrbartträger erzählt, wie er die Maschine vor gut 13 Jahren bei einem Händler entdeckt hat. Ein „Gerippe“ sei sie gewesen. Liebe auf den ersten Blick.

Für gute Arbeit kämpfen

Er rief seine Frau Silke an. „Dann kauf sie Dir halt!“ war ihre Reaktion. Und das war der Startschuss für ein wunderbares Freizeitvergnügen. Hampel, als gelernter Bergmann im Schrauben versiert, restaurierte die Maschine aus den 50er Jahren selbst. „Auf manches Teil musste ich lange warten“, berichtet er – „aber es hat sich gelohnt“.

Wir fahren bei den Farbwerken J. W. Ostendorf vor. Hier hat der frühere Gewerkschaftssekretär „für gute Arbeit“ gekämpft – „das ist bis heute mein Anliegen“. Und Ostendorf sei ein Unternehmen mit einer „starken Mitbestimmung“. Der Pförtner kommt aus seinem Häuschen geeilt. „Wie alt ist das gute Stück?“ „Baujahr 1959“, schmunzelt Hampel.

Schicki Micki braucht er nicht

Die wenige Freizeit, die er als Politiker hat, verbringt der Vater eines erwachsenen Sohns gern gemeinsam mit seiner Frau auf Motorradtouren. „Wir haben auch noch eine moderne Maschine“, erzählt er. Damit geht’s meist länger in den Süden, nach Kroatien, Istrien. „Urlaub ohne Schicki Micki – Luxus brauchen wir nicht“, lacht er. Nur im Zelt übernachteten sie inzwischen nicht mehr. Das intensive Erleben von Natur und Landschaft steht im Mittelpunkt – insbesondere bei den Touren mit dem Oldtimer.

Und in der Tat: Wiesen, Wälder, Felder – sie rauschen bei 80 bis 90 km/h nicht nur vorbei. Man kann sie riechen und schon Temperaturunterschiede spüren, wenn sich sonnige und schattige Abschnitte abwechseln. Die Angst des Reporters schlägt in Begeisterung um: „Warum habe ich so was nicht schon früher mal gemacht?“

Keine Kosten von der Kita bis zum Master

Kurz vor Nottuln an der Baustellenampel rollt ein anderer Biker heran. Dessen Blick fällt anerkennend auf „unsere“ blankgewienerte BMW. „Baujahr?“ Auf dem Motorrad kommt man offensichtlich schnell ins Gespräch. Hampel: „Der Kontakt ist direkter.“ Auch das schätzt er an seinem Hobby.

Am „Alten Kindergarten“ in Nottuln machen wir Halt. „Mir ist Bildung wichtig. Kostenfreie von der Kita bis zum Master“, will er dort deutlich machen. „Ich habe nicht vergessen, wo ich herkomme.“ Ohne Bildungschancen, die er als Bergarbeiterkind genutzt habe, wäre er heute nicht im Bundestag. Ziel der Tour ist Stift Tilbeck. Kaum vorgefahren, kommt ein Bewohner im „Blaumann“ am Turm vorbei. „Uli!“ ruft er freudig. „Na, hast du Feierabend?“ Umarmung – man kennt sich.

Hampel hatte jüngst Bewohner der Behinderteneinrichtung nach Berlin eingeladen. „Eine menschliche Gesellschaft muss eine inklusive sein“, betont er. In der nächsten Generation müsse das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich sein. Was dann aus seinem „Schätzchen“ wird, weiß er auch schon: „Das vererbe ich meinem Enkel.“ Den gibt’s noch nicht. Aber den Plan!

Was Hampel erreichen und verhindern will

+ Mehr Mittel für die Infrastruktur, insbesondere für bessere Kindertagesstätten und Schulen, für den Breitbandausbau und ein besseres Handynetz im Münsterland.

+ Gleiche Bezahlung für Frauen und Männer und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen sowie die Einführung des Familiensplittings bei der Einkommensteuer.

+ Erhöhung der Mittel für sozialen Wohnungsbau, Barrierefreiheit und altersgerechten Umbau.

– Die von Teilen der CDU und FDP geforderte Rente mit 70 Jahren sowie die Absenkung des Rentenniveaus.

Militärische Aufrüstung auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts und Export von Kleinwaffen in Staaten außerhalb der EU und NATO

Die Einführung der Maut, gegen die ich gestimmt habe, und die mehr kosten wird, als sie einbringt und die deutschen Autofahrer zusätzlich belastet.

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