11. Nordwalder Biografietage
Am Anfang war der Brief

Nordwalde -

Thomas Middelhoff spricht über den Sturz vom Topmanager zum Gefängnisinsassen, Max Strauß über das Erbe, das ein Übervater hinterlässt und Gretchen Dutschke über die Nachwirkungen der 68er. Sie alle sind zu Gast bei den 11. Nordwalder Biografietagen.

Dienstag, 18.09.2018, 21:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 21:00 Uhr
Der Vortrag und das Gespräch mit Ex-Manager Thomas Middelhoff gehören zu den Höhepunkten der 11. Nordwalder Biografietage, die in der kommenden Woche starten.
Der Vortrag und das Gespräch mit Ex-Manager Thomas Middelhoff gehören zu den Höhepunkten der 11. Nordwalder Biografietage, die in der kommenden Woche starten. Foto: dpa

Mit einem Brief ins Gefängnis fing alles an. Der Inhalt: Eine Anfrage für einen Vortrag bei den 11. Nordwalder Biografietagen. Ein paar Tage später hatte Matthias Grenda, Gründer der Veranstaltung, schon die Antwort auf dem Tisch. Ein Brief aus dem Gefängnis, geschrieben von Thomas Middelhoff. So erzählt Grenda die Anekdote über die erste Kontaktaufnahme mit dem Ex-Manager, der im November 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt worden war.

In der kommenden Woche startet nun die 11. Ausgabe der Biografietage mit dem Thema „Das Erbe“ und einer der Gäste ist Thomas Middelhoff. Am 28. September (Freitag) um 20 Uhr kommt der ehemalige Vorstandschef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor für einen Vortrag und ein Gespräch ins Parkhotel. Der Brief ins Gefängnis, in dem Middelhoff bis zum November vergangenen Jahres einsaß, hatte den gewünschten Effekt. Und er ist ein Beleg für die Art und Weise, wie Grenda mögliche Teilnehmer der Biografietage kontaktiert: „Ich bin immer ganz forsch.“ Ebenso wie für den Zeitraum, in dem er die Veranstaltung plant: „Ich suche ganzjährig nach spannenden Biografien.“

Erbe eines Übervaters

Zu denen gehört sicher auch die von Thomas Middelhoff. Für Matthias Grenda ist dessen Biografie vor dem Hintergrund des Veranstaltungsthemas Erbe „aus dreierlei Sicht sehr spannend“. Grenda betrachtet Middelhoff nicht nur als Nachfahren einer münsterländischen Textilfirma, sondern will auch „das Erbe eines früheren Wirtschaftswunderknabens, der zum Gefängnisinsassen wurde und das Erbe von seinem Geltungsdrang“ beleuchten.

Mit einem anderen Vermächtnis muss Max Strauß als Sohn von Franz Josef Strauß leben. „Er hat das Erbe eines Übervaters“, sagt Grenda. „Viele leiden darunter, einen Übervater oder eine Übermutter zu haben.“ Entweder werde einem gehuldigt oder man werde in Sippenhaft genommen. Max Strauß kommt am 27. September (Donnerstag) ins Cinema in Münster, das neben dem Haus Stapel bei Havixbeck und verschiedenen Orten in Nordwalde eine weitere Veranstaltungsstätte der Biografietage ist.

Die Vermächtnisse der 68er

Wieder ein anderes Erbe steht bei dem Gespräch mit Gretchen Dutschke im Mittelpunkt. Die Witwe des Aktivisten Rudi Dutschke blickt auf die Vermächtnisse der 68er-Bewegung zurück. Sie spricht am 30. September (Sonntag) ab 19 Uhr im Herrenhaus auf dem Bispinghof über die Studentenbewegung, die vor 50 Jahren startete und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Umbrüche.

Die drei Termine dürften zu den Höhepunkten der 11. Biografietage zählen. Die eine Hauptveranstaltung gibt es für Grenda nicht: „Das ist wie, wenn Sie einen Vater nach seinem Lieblingskind fragen.“ Dennoch sagt er: Das Gespräch mit Middelhoff ist „eines der Highlights dieses Jahr“. Damit der Termin zustande kam, hatte Grenda nicht nur den Brief ins Gefängnis geschrieben. In seinem Antwortschreiben bat Middelhoff um ein Treffen. Das war für den Katholikentag in Münster geplant, scheiterte aber an Terminschwierigkeiten. Deshalb machte sich Grenda auf den Weg nach Hamburg, wo Middelhoff heute lebt. Bei dem Ex-Manager zuhause vereinbarte er dann den Auftritt bei den Biografietagen.

Zum Thema

Eintrittskarten für die Veranstaltungen im Cinema sind an der Kinokasse und online unter kinoheld.de erhältlich. Anmeldungen für „Das Erbe unser textilen Identität“ (bis zum 24. September) und „Das kulinarische Erbe“ (Kosten pro Person für Speis und Trank: 25 Euro) sind per E-Mail an matthias@dialogbiografie.de möglich. Ansonsten ist der Eintritt frei. Es wird um Spenden gebeten.

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