Berivan Habash und Payman Shekho sind aus Syrien geflüchtet
In Nordwalde das Glück gefunden

Nordwalde -

Sie sind zwar beide im syrischen Afrin aufgewachsen, kennengelernt haben sich Berivan Habash und Payman Shekho aber erst in Nordwalde. Hier sind sie beide nach ihrer Flucht gelandet, haben geheiratet und leben hier mit ihrem vier Monate alten Sohn.

Dienstag, 18.12.2018, 21:42 Uhr
In Nordwalde bauen sich Berivan Habash (M.) und Payman Shekho ein neues Leben auf. Hier haben die beiden Syrer sich kennengelernt, geheiratet und hier wohnen sie mit ihrem Sohn Janjar. Eine wichtige Stütze für sie ist Simone Schulz.
In Nordwalde bauen sich Berivan Habash (M.) und Payman Shekho ein neues Leben auf. Hier haben die beiden Syrer sich kennengelernt, geheiratet und hier wohnen sie mit ihrem Sohn Janjar. Eine wichtige Stütze für sie ist Simone Schulz. Foto: Vera Szybalski

Sie sind beide im syrischen Afrin aufgewachsen, kennengelernt haben sich Berivan Habash und Payman Shekho aber erst im mehr als 3000 Kilometer entfernt liegenden Nordwalde. Shekho ist vor vier Jahren aus dem vom Bürgerkrieg zerstörten Land nach Deutschland geflüchtet, Habash kam ein Jahr später. Heute leben die beiden in dem Ort, der sie neben ihrer Heimatstadt Afrin auch verbindet: Nordwalde. Hier haben sie sich nicht nur kennengelernt, sondern auch geheiratet, hier wohnen sie gemeinsam mit ihrem vier Monate alten Sohn Janjar.

Seit einigen Wochen leben noch weitere Familienmitglieder in Nordwalde. Per Familiennachzug sind die Eltern und die beiden jüngeren Geschwister von Habash im Oktober von Bremen nach Nordwalde gezogen. „Das klappt nicht bei vielen Familien“, sagt Simone Schulz , die als Integrationskraft bei der Gemeinde arbeitet. Sie weiß um die Hürden, die warten, wenn ein sogenannter Umverteilungsantrag gestellt wird. Nicht nur dabei ist Schulz der jungen Familie eine wichtige Stütze. „Simone hat mir sehr viel geholfen“, sagt Habash.

Verlorene Jahre in der Türkei

Sie ist 18 Jahre alt, als sie sich mit einer befreundeten Familie auf den Weg in Richtung Deutschland macht. Mit dem Boot setzen sie aus der Türkei nach Griechenland über. Mit dem Bus, dem Zug, manchmal auch zu Fuß flüchten sie über die Balkanroute. Auch Shekho nimmt den Weg über die Balkanroute, aber bereits ein Jahr früher als seine spätere Frau.

Bevor sie nach Deutschland geflüchtet sind, bildete sowohl für Shekho als auch für Habash die Türkei eine Zwischenstation. „Das sind verlorene Jahre“, sagt Schulz. Und so geht es nicht nur den beiden. „Sie sitzen da, warten, hoffen und bangen. Das Leben macht einen Stopp“, sagt Schulz. In Deutschland angekommen, ergreife dann viele Geflüchtete das Gefühl: Jetzt muss es losgehen.

Einen Fuß in die Tür bekommen

Berivan Habash und Payman Shekho bilden da keine Ausnahme. Schulz muss dann schon mal bremsen, dafür werben, dass die Geflüchteten einen Schritt nach dem anderen machen: „Mit dem ersten Schritt bekommt man einen Fuß in die Tür.“ So war es auch bei Shekho. In Münster findet der gelernte Frisör einen Betrieb, bei dem er anfangen kann. Zunächst sind es nur wenige Stunden, mittlerweile 26 pro Woche, aber immer noch weniger, als er gerne arbeiten würde. Die Gleichung des Inhabers: Je länger Shekho in dem Betrieb ist, desto mehr Stunden pro Woche kann er arbeiten.

„Die Geflüchteten haben den Anspruch, vom Amt wegzukommen“, sagt Schulz. „Die meisten wollen arbeiten.“ Aber der Weg zu diesem Ziel ist nicht selten mühsam. Ein Hindernis in Shekhos Fall: Der syrische Gesellenbrief wird in Deutschland nicht anerkannt. Die Geflüchteten müssen in Deutschland dann trotz Gesellenbrief als Hilfsarbeiter anfangen. Das wirkt sich auf das Gehalt aus. Auf Anhieb eine volle Stelle bekommt auch kaum einer. Es gibt praktisch nur einen Ausweg, sagt Schulz: „Ich plädiere bei jungen Menschen dafür, dass sie eine Ausbildung machen.“ Langfristig zahle sich das aus. Wie Shekho geht es vielen Geflüchteten, sagt Schulz: „Wir haben Fachkräfte, aber die werden nicht als Gesellen anerkannt.“

Hochschwanger zur Abschlussprüfung

Nicht weniger zielstrebig als ihr Mann ist Berivan Habash. In Deutschland muss sie aber erst mal die Sprache lernen. Als die Abschlussprüfung zum Sprachniveau B1 ansteht, ist Habash hochschwanger. Schon am Morgen spürt die 22-Jährige die ersten Wehen. Zur Prüfung geht sie dennoch, besteht mit Auszeichnung. „Als Beste des Kurses“, sagt sie nicht ohne Stolz. Morgens die Prüfung, abends kommt Habash ins Krankenhaus. Die Geburt zieht sich etwas. Am 5. August, zwei Tage nach der Prüfung, wird Sohn Janjar dann geboren.

Dass ihre Familie nun nach Nordwalde gezogen ist, bedeutet nicht nur seelische Unterstützung für die junge Mutter. Die Familie kann auch mal als Babysitter einspringen. „Wenn meine Mutter da ist, kann ich zur Schule gehen“, sagt Berivan Habash. Die 22-Jährige hat schon konkrete Pläne für die Zukunft. Sie möchte eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin (MTA) machen. Um damit zu beginnen, muss sie das Sprachniveau B2 erreicht haben. Angemeldet hat sie sich für den entsprechenden Sprachkurs schon. Schritt für Schritt baut sich die junge Familie ihr neues Leben auf.

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