Michael Dirting beteiligt sich an der privaten Initiative Tierwohl
Vier Euro für kleine Extras im Stall

Nordwalde -

Tierwohl-Labels auf Fleischprodukten sollen Verbrauchern deutlich machen, wie Tiere gehalten wurden. Landwirt Michael Dirting macht bei der privaten Initiative Tierwohl mit. Dafür hält er weniger Schweine und bietet den Tieren kleine Extras. Auf den Verkaufspreis hat das allerdings nur geringe Auswirkungen.

Samstag, 23.02.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 25.02.2019, 15:30 Uhr
120 Tage bleiben die Tiere im Maststall bei Landwirt Michael Dirting. 1,40 Euro pro Kilogramm erhält er anschließend für das Fleisch.
120 Tage bleiben die Tiere im Maststall bei Landwirt Michael Dirting. 1,40 Euro pro Kilogramm erhält er anschließend für das Fleisch. Foto: Marion Fenner

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will ein neues Tierwohl-Label einführen. Dem Konsumenten soll es helfen, zu erkennen, wie das Tier, das bei ihm auf dem Teller kommt, gelebt hat. „Es gibt viele verschiedene Labels, alle mit unterschiedlichen Anforderungen“, sagt Landwirt Michael Dirting . Ob da wirklich jemand den Durchblick habe, weiß er nicht.

Mehr Platz

3000 Schweine leben in seinen Ställen, auch er hat sich in Sachen Haltung seit dem Jahr 2015 der privaten Initiative Tierwohl angeschlossen. Das bedeutet, dass jedem Tier 0,9 Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen. Gesetzlich vorgeschrieben sind 0,75 Quadratmeter. Für Dirting bedeutet das, dass er weniger Schweine im Stall unterbringen kann. Dazu stellt er den Tieren Spielmaterial zur Verfügung, Hölzer zum Knabbern, eine Möglichkeit, an der sie sich schubbern können und Wasser in einer Tränke, mit dem sie planschen dürfen. Dazu haben sie einen klimatisierten hellen Stall und gutes Futter. Das alles wird streng kontrolliert, was der Landwirt auch für richtig hält. „Mir liegt selbst viel daran, dass es den Tieren gut geht“, sagt Dirting. „Deshalb bin ich Landwirt geworden.“ Wenn sich die Tiere nicht wohl fühlen, können sie krank werden oder schlecht fressen. Das sei auch aus wirtschaftlichen Gründen für ihn nicht gut.

Mir liegt selbst viel daran, dass es den Tieren gut geht.

Michael Dirting

Wirtschaftlich sei Schweinemast allerdings nur über die Masse rentabel, erklärt der Landwirt und rechnet vor: Ein Ferkel, das in seinem Stall einzieht, kostet ihn 60 Euro. Etwa 120 Tage bleibt es auf dem Hof von Michael Dirting, wird mehrmals täglich mit hochwertigem Futter, für das der Bauer insgesamt etwa 70 Euro pro Tier veranschlagt, versorgt, digital mit moderner Technik überwacht und bei Bedarf medizinisch versorgt. Hat es ein Gewicht von 120 Kilogramm erreicht, geht es zum Schlachter. Nach Ausnehmen bleiben etwa 100 Kilogramm, für die Dirting derzeit mit 140 Euro rechnen kann. Dazu kommen vier Euro pro Schwein aus der Tierwohl-Initiative. Das ist Geld für seine Arbeit, auch für die auf dem Acker, das Futter, Stromkosten, Maschinen und Tierarztkosten. Dazu kommt eine umfangreiche Dokumentation. „Viele glauben, der Landwirt läuft mit der Mistgabel über den Hof, in Wirklichkeit verbringt er die meiste Zeit im Büro“, erklärt Dirting.

Spotpreise

„Es ist wirklich traurig, dass den Verbrauchern ihr Fleisch nicht mehr wert ist“, sagt der Landwirt. Er liefere ein hochwertiges Lebensmittel, das dann zu Spotpreisen im Discounter angeboten wird. Dort kostet das Kilo Schweinefilet 12,99 Euro. „An diesem Preis ist nicht mehr viel zu verdienen“, stellt er klar.

Etwa zehn Prozent ihres Einkommens geben Deutsche für Lebensmittel aus. „Wer will, dass Schweine anders leben dürfen, der muss mehr ausgeben“, fordert der Landwirt. Nur zwei Prozent der Verbraucher kaufen deutlich teureres Biofleisch. Wäre die Nachfrage höher, würden sich auch Landwirte umstellen. Dirting: „Die Kunden haben es in der Hand.“

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