Kerstin Panhoff ist Nabu-Vorsitzende
„Ich werde sehr dicke Bretter bohren“

Nordwalde -

Naturschutz liegt Kerstin Panhoff am Herzen. Vor Kurzem wurde die 49-jährige Lehrerin zur Vorsitzenden des Naturschutzbundes des Kreisverbandes Steinfurt gewählt. Im Interview mit unserer Zeitung spricht sie über einige Themen, die Schwerpunkte ihrer Arbeit sein sollen.

Dienstag, 30.04.2019, 18:00 Uhr
Die neue Nabu-Vorsitzende Kerstin Panhoff verbringt ihre Freizeit unter anderem gerne mit Hofhund Lilli und dem Lämmchen Beppo.
Die neue Nabu-Vorsitzende Kerstin Panhoff verbringt ihre Freizeit unter anderem gerne mit Hofhund Lilli und dem Lämmchen Beppo. Foto: privat

Naturschutz liegt Kerstin Panhoff seit Kindesbeinen am Herzen. Nun hat sich die Nordwalderin zur Vorsitzenden des knapp 3000 Mitglieder starken Naturschutzbundes ( Nabu ) des Kreisverbandes Steinfurt wählen lassen. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Marion Fenner berichtet die 49-Jährige, warum sie dieses Ehrenamt übernommen hat und auf welche Themen sie den Schwerpunkt ihrer Arbeit legen will.

Sind Sie schon lange beim Nabu aktiv?

Kerstin Panhoff: Nicht persönlich, ich habe aber Angebote rund um den Naturschutz viel genutzt. Bis vor fünf Jahren haben wir in Westerkappeln gelebt. Dort habe ich unter anderem an Exkursionen in dem Schutzgebiet Düsterdieker Niederung und im Tecklenburger Land teilgenommen. Als wir nach Nordwalde auf einen Hof gezogen sind, habe ich diesen mit Hilfe der Experten des Nabu naturnah umgestaltet, mit Streuobstwiesen, Wallhecken, einem Teich und Fledermausquartieren. Dabei habe ich viele Menschen kennengelernt, denen die gleichen Themen wichtig sind wie mir.

Panhoff: Der Posten ist frei geworden, weil der bisherige Vorsitzende nicht mehr kandidieren wollte. Der Nabu ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, diese Aufgabe zu übernehmen. Zudem bin ich beim Nabu gut vernetzt und weiß, dass ich dort mit vielen Experten zusammenarbeiten kann.

Dann haben Sie Ja gesagt?

Panhoff: Nicht sofort, ich habe mir das gründlich überlegt und mit meiner Familie gesprochen. Es handelt sich um ein Ehrenamt, das neben meinem Beruf als Lehrerin viel Zeit in Anspruch nimmt. Es gibt aber viele Naturschutz-Themen, für die ich mich einsetzen will.

Das wären ...?

Panhoff: Flächenverbrauch muss deutlich minimiert werden. Allein in Nordrhein-Westfalen werden täglich 10 Hektar Flächen verbraucht. Wir dürfen in diese Richtung nicht weitergehen und brauchen dringend neue Konzepte, wie die Nutzung von Industriebrachen oder die Umwandlung von Truppenübungsplätzen. Naturschutzgebiete müssen wirksamer unter Schutz gestellt werden, sonst findet die nächste Welle des Artensterbens in den Schutzgebieten statt.

Gibt es weitere Themen, denen Sie sich widmen wollen?

Panhoff: Auf jeden Fall. Ich will insbesondere die Landwirte mitnehmen. Ein Umdenken in Richtung Naturschutz ist dringend notwendig. Es kann nicht sein, dass das Grundwasser mit Nitrat belastet wird und der Verbraucher dafür zahlen muss, der diesen Schaden nicht verursacht hat. Wir brauchen mehr Transparenz darüber, was in den Boden eingebracht wird. Wer heute eine Blühwiese einsät und vom Kreis dafür den Samen erhält, wird anschließend kontrolliert, ob er seine Wiese fachgerecht bearbeitet. Als wir Zuschüsse für den Verbissschutz für meine jungen Obstbäume auf der Streuobstwiese beantragt haben, kam ein Mitarbeiter und hat jeden einzelnen Baum kontrolliert. Das ist auch richtig so, aber ähnliche Kontrollen müssten auch bei Landwirten bezüglich des Ausbringens von Gülle, Dünger und Pflanzenschutzmitteln erfolgen. Wir brauchen in diesem Bereich einfach mehr Transparenz.

Das werden dicke Bretter, die sie bei den Landwirten bohren müssen, oder?

Panhoff: Teilweise sehr dicke Bretter. Aber ich stelle immer öfter fest, dass jüngere Landwirte auch nicht mehr alles so weitermachen wollen wie bisher, ihnen Artenvielfalt und das Wohl der Tiere sehr wichtig sind. Wir brauchen eine zukunftsorientierte Landwirtschaft. Notwendig ist es, neben einer ökologisch orientierten Subventionspolitik, bürokratische Hürden abzubauen, die einem Landwirt entgegenstehen, wenn er auf ökologische Bewirtschaftung ohne Ertragseinbußen umstellen will.

Sie haben eine Familie, einen Beruf und zusätzlich noch einen kleinen Hof, warum jetzt noch das Ehrenamt?

Panhoff: Weil wir nur eine Natur haben, die wir schützen müssen. Dazu gibt es keine Alternative. Ich bin als Kind im ländlichen Raum bei Werne aufgewachsen. Meine Spielplätze waren der Wald, Wiesen und die Lippeauen. In meiner Schule habe ich damals das das erste Feuchtbiotop angelegt – das gibt es heute noch. Aber es gab auch ein Schlüsselerlebnis, bei dem mir bewusst geworden ist, dass jeder selbst etwas tun muss. Als 14-Jährige habe ich meinen Vater zu einer ,Eierfarm‘ begleitet. Ich durfte in den Stall schauen. Unter einer Farm hatte ich mir etwas Idyllisches vorgestellt, aber keine federlosen in Käfige eingesperrten Tiere mit gestutzten Schnäbeln. Ich war entsetzt und mir war klar, dass es so nicht weitergehen darf und habe nicht nur meinen Eltern damals viele Fragen gestellt.

Sie müssen aber auch die Verbraucher überzeugen, das es Tier- und Naturschutz nicht zum Nulltarif gibt.

Panhoff: Deshalb müssen wir auch jungen Menschen vermitteln, wie wichtig Naturschutz ist. Das ist auch ein Bereich, den ich weiter vorantreiben will. In Sachen Zusammenarbeit mit dem Nabu gibt es auch in Nordwalde noch Lücken, die ich gerne schließen möchte.

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