Mehrfamilienhaus an der Grevener Straße
„Nicht einfach durchwinken“

Nordwalde -

Zu massiv und zu wenig Parkplätze: Die Mitglieder des Planungsausschusses haben den Plänen für ein Mehrfamilienhaus an der Grevener Straße nicht zugestimmt. Sie hätten vier Befreiungen vom Bebauungsplan ihr Einvernehmen erteilen müssen. Das taten sie nicht, stattdessen soll eine vereinfachte Änderung des Bebauungsplans vorgenommen werden.

Donnerstag, 27.06.2019, 15:22 Uhr
An der Grevener Straße, Ecke Greßkamp soll ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen gebaut werden. Bis das Vorhaben realisiert werden kann, wird es aber noch etwas dauern.
An der Grevener Straße, Ecke Greßkamp soll ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen gebaut werden. Bis das Vorhaben realisiert werden kann, wird es aber noch etwas dauern. Foto: Vera Szybalski

Zwei Jahre nach dem Abriss des alten Gebäudes soll an der Grevener Straße 10 ein neues Haus entstehen: ein Mehrfamilienhaus mit neun barrierefreien Wohnungen zwischen 65 und 94 Quadratmeter Fläche. Die Planung stellte Andreas Holtfrerich vom gleichnamigen Architekturbüro aus Steinfurt am Dienstagabend in der Sitzung des Planungs-, Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses vor.

Die Planung ist mit dem alten Bebauungsplan aber in vier Punkten nicht vereinbar: Die Baugrenze wird im Bereich des Sichtdreiecks überschritten. Die Traufhöhe soll 6,50 Meter statt sechs Meter betragen. Die Dachneigung soll bei 38 Grad und nicht bei den vorgeschriebenen 30 Grad liegen. Und das als private Grünfläche festgesetzte Gebiet soll mit Parkplätzen überbaut werden.

Ausschuss votiert für den Antrag der SPD

Deswegen schlug die Verwaltung vor, dass die Gemeinde ihr Einvernehmen zu den Befreiungen und Abweichungen vom Bebauungsplan erteilt. Die Baugenehmigung muss der Kreis Steinfurt erteilen.

Dem Vorschlag der Verwaltung folgten die Ausschussmitglieder nach einer längeren Diskussion aber nicht. Sie votierten einstimmig bei einer Enthaltung für den in der Sitzung eingebrachten Antrag der SPD-Fraktion, eine vereinfachte Änderung des Bebauungsplans vorzunehmen. Vielen Kommunalpolitikern erschien der geplante Bau als zu massiv, die Anzahl der Parkplätze als zu gering.

Nachbarn wenden sich an die Ratsfraktionen

Schon im Vorfeld hatte das geplante Mehrfamilienhaus für Diskussionen gesorgt. Die Anwohner des Grundstücks an der Grevener Straße hatten sich an die Ratsfraktionen gewandt. Mit diesen hatte der Investor Waterkamp Immobilien bislang nicht detaillierter über das geplante Bauvorhaben gesprochen. „Mit den Nachbarn muss man auch nicht mehr reden, wenn der Ausschuss das schon durchgewunken hat“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Ulrich Rhein.

Denn wenn zunächst der Fachausschuss den Befreiungen zugestimmt hätte und der Rat dieser Entscheidung gefolgt wäre, hätte die Gemeinde keinen Einfluss mehr etwa auf die Gebäudehöhe oder die Dachneigung nehmen können. Nach der Erteilung der Baugenehmigung vom Kreis Steinfurt hätte der Investor mit dem Projekt beginnen können.

Kritik an der Größe und den vielen Abweichungen vom Bebauungsplan

Mit dem Kreis Steinfurt hat es bereits eine Abstimmung darüber gegeben, ob die Befreiungen überhaupt möglich sind. Die Behörde signalisierte grünes Licht. Anders als die Mitglieder des Planungsausschusses. Den SPD-Politikern missfielen vor allem die geplante Größe des Gebäudes und die vielen Abweichungen vom Bebauungsplan.

„Das ist ein sehr großes und wuchtiges Objekt“, sagte Hans-Ulrich Rhein. „Das können wir nicht einfach durchwinken.“ Die SPD-Fraktionsmitglieder plädierten deshalb für eine vereinfachte Änderung des Bebauungsplanes. In dem Fall können sich auch die Nachbarn wie alle anderen Bürger bei der Beteiligung der Öffentlichkeit zu dem Vorhaben äußern.

Zu wenig Parkplätze

Die anderen Fraktionen folgten dem SPD-Antrag. „Das ist ein ganz schöner Klotz“, sagte Klaus Grummel (FDP). Er bezweifelte auch, dass genügend Parkplätze geplant sind. Legt man den Maßstab von 1,5 Parkplätzen pro Wohnung zugrunde, den die Gemeinde heute in der Regel nutzt, würden 13 bis 14 Parkplätze benötigt. Eingeplant sind aber nur acht.

Tim Soller (CDU) bemängelte auch die gewählte Darstellungsform der Entwürfe, etwa eine 3D-Grafik, teilweise fehlten Höhenangaben: „Es fehlt die Möglichkeit, gut einschätzen zu können, wie sich das Haus ins Gesamtbild einfügt.“

Im November wieder auf der Tagesordnung?

Das geplante zweigeschossige Mehrfamilienhaus hätte eine Firsthöhe von 10,89 Meter. Andreas Holtfrerich hatte in der Sitzung betont, dass sie sich bei der Planung des Gebäudes an den umliegenden Häusern orientiert hätten. Er wies darauf hin, dass der Bebauungsplan stellenweise überholt sei, etwa was das Sichtdreieck angehe. Bei der Anzahl der Parkplätze orientierten sich die Planer aber an dem alten Bebauungsplan und berechneten nur ein Auto pro Wohnung.

Folgt der Rat dem Votum aus dem Fachausschuss, wird es noch etwas dauern, bis das Bauvorhaben realisiert werden kann. Das Projekt könnte dann in der übernächsten Sitzungsperiode im November wieder auf der Tagesordnung landen.

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