Lazarus Abu dulai Sheini macht ein Praktikum in Nordwalde
Gelebte Hilfe zur Selbsthilfe

Nordwalde -

Seit anderthalb Wochen ist Lazarus Abu dulai Sheini in Nordwalde - und begeistert: „Es ist großartig.“ Der 30-jährige Ghanaer betreibt ein kleines Elektrogeschäft in Damongo. Das ist zur Zeit aber geschlossen. Denn Sheini bleibt drei Monate lang in Nordwalde, um ein Praktikum zu absolvieren.

Donnerstag, 04.07.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 17:25 Uhr
In Damongo haben sich Lazarus Abu dulai Sheini und Annegret Schulte-Sutrum kennengelernt, in Nordwalde haben sie sich wiedergetroffen. Denn der 30-jährige Elektriker macht ein dreimonatiges Praktikum bei GSS Elektro Schulte-Sutrum.
In Damongo haben sich Lazarus Abu dulai Sheini und Annegret Schulte-Sutrum kennengelernt, in Nordwalde haben sie sich wiedergetroffen. Denn der 30-jährige Elektriker macht ein dreimonatiges Praktikum bei GSS Elektro Schulte-Sutrum. Foto: Vera Szybalski

Das Haus der Familie Schulte-Sutrum gleicht momentan einer WG. Denn Annegret und Gustav Schulte-Sutrum teilen ihr Zuhause momentan mit zwei Gästen: Jean-Luc aus Ruanda und Lazarus aus Ghana. Jean-Luc ist ein Freund von Schulte-Sutrums Tochter Ruth und macht hier einen Deutschkurs. Lazarus Abu dulai Sheini kommt aus Damongo und ist erst seit anderthalb Wochen in Nordwalde. „Das ist sehr entspannend“, sagt Annegret Schulte-Sutrum über die Wohngemeinschaft. „Wir haben Spaß daran.“

Der 30-jährige Elektriker Sheini macht drei Monate lang ein Praktikum bei GSS Elektro Schulte-Sutrum. Zwischendurch hat er die Möglichkeit, in einem Radio- und Fernsehgeschäft mitzuhelfen und er lernt bei einer Firma in Münster, wie diese Solarleuchten produziert. „Da arbeitet er mit und lernt, wie die Solarleuchten zusammengesetzt werden“, sagt Annegret Schulte-Sutrum. Sie hofft, dass Sheini das erworbene Wissen später nutzen kann, wenn er zurück in Damongo ist. Gelebte Hilfe zur Selbsthilfe.

Während Sheini in Nordwalde ist, bleibt sein Geschäft geschlossen

In der Stadt im Norden Ghanas, mit der Nordwalde über die Kirchengemeinden eine Partnerschaft unterhält, betreibt Sheini ein kleines Elektrogeschäft. „Das ist etwa so groß wie eine Garage, da steht eine Werkbank drin“, sagt Schulte-Sutrum, die bereits fünf Mal nach Ghana gereist ist. „Die Leute bringen ihre Sachen vorbei oder er geht zu ihnen und repariert die Sachen.“ Lazarus Abu dulai Sheini hat drei Mitarbeiter, mehr können in dem kleinen Laden nicht arbeiten. Sein Geschäft würde der Ghanaer gerne vergrößern, auch weil er Interessenten, die mitarbeiten wollen, momentan abweisen muss. In diesem Sommer arbeitet dort keiner. Denn während Sheini in Nordwalde ist, bleibt sein Geschäft geschlossen.

Das ist ein gutes Gefühl, wenn wir die Partner kennen.

Annegret Schulte-Sutrum

Der 30-Jährige kommt ursprünglich aus Gurugu, einer Gemeinde etwas mehr als 100 Kilometer von Damongo entfernt. Im vergangenen Jahr eröffnete er schließlich sein eigenes Geschäft. Dass er ein Praktikum bei GSS Elektro Schulte-Sutrum macht, bot sich an. Sheini fährt im Kundendienst mit und schaut den Monteuren über die Schulter. „Er hat ein gutes Auge und sieht, wo er anpacken kann. Er ist sehr verausschauend“, ist Schulte-Sutrum voll des Lobes: „Lazarus ist ein ruhiger, angenehmer, netter und cleverer Mensch.“

Die erste Reise außerhalb von Ghana

Auch Sheinis Fazit nach einer Woche fällt positiv aus: „Es ist großartig.“ Es ist eine andere Welt, sagt Sheini: „Es gibt ganz viele Unterschiede.“ Angefangen bei der Landschaft, statt trocken und staubig sei alles grün. Die Häuser seien viel stabiler gebaut. Und: „Es ist alles sehr sauber.“ Für den 30-Jährigen ist es die erste Reise außerhalb von Ghana. Das erste Mal saß er in einem Flugzeug.

Die Familie Schulte-Sutrum hat Lazarus Abu dulai Sheini in Ghana kennengelernt. Als erstes traf er Tochter Ruth, die damals für einen Freiwilligendienst ein Jahr lang in dem westafrikanischen Land war. In der Kirche trafen sich die beiden zum ersten Mal. Später lernten auch Annegret und Gu­s­tav Schulte-Sutrum in Damongo Sheini kennen.

Partnerschaft, wie sie sein sollte

Im Februar vergangenen Jahres tauchte dann erstmals die Idee auf, ihn für ein Praktikum nach Deutschland einzuladen. Damit haben der Freundeskreis Ghana und die Familie Schulte-Sutrum bereits gute Erfahrungen gemacht. Im Herbst 2017 absolvierte Joana Ewuntomah Wuriya ein dreimonatiges Praktikum an der Wichernschule. Die junge Lehrerin wohnte damals ebenfalls bei Schulte-Sutrums.

Für Annegret Schulte-Sutrum ist das die gelebte Partnerschaft, wie sie sein sollte: „Die Jugendlichen von uns gehen nach Ghana, von dort kommen sie zu uns.“ Sie hofft, dass sich Sheini in Damongo weiter in der Partnerschaft engagiert. Nachdem die Nordwalder einen Zahnarztstuhl nach Ghana geschickt hatten, half Sheini bereits, ihn im Krankenhaus aufzubauen. „Das ist ein gutes Gefühl, wenn wir die Partner kennen“, sagt Schulte-Sutrum. Bis zum 20. September bleibt Lazarus Abu dulai Sheini in Nordwalde. Zeit genug also, um noch ganz viel Wissen aufzusaugen, dass er später nutzen kann. Schulte-Sutrum: „Wir hoffen, dass er einen guten Start in seine Selbstständigkeit hat.“

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