Nordwalder Familie übernimmt Urlauberseelsorge
Kampings machen anders Camping

Nordwalde/Tossens -

Auf dem Campingplatz in Tossens im niedersächsischen Teil des Bistums Münster kümmern sich Mareike und Jan Kamping aus Nordwalde um Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Unterstützung bekommen sie dabei zeitweise von Reinhard Hauke, Weihbischof und Dompropst in Erfurt.

Freitag, 26.07.2019, 15:32 Uhr aktualisiert: 26.07.2019, 16:28 Uhr
Mareike und Jan Kamping und Weihbischof Reinhard Hauke (3.v.l.) basteln im Kirchenzelt auf dem Campingplatz in Tossens mit Kindern.
Mareike und Jan Kamping und Weihbischof Reinhard Hauke (3.v.l.) basteln im Kirchenzelt auf dem Campingplatz in Tossens mit Kindern.

Im Urlaub läuft alles anders. Die Arbeit ist fern, Haus und Garten schreien nicht nach ständiger Aufmerksamkeit. Die Menschen haben plötzlich Zeit für anderes. Für ihre Familie, für Entspannung, für Kultur. Auch für Seelsorge. Immer wieder suchen Menschen im Urlaub Kirchen auf, möchten beten oder sich ungezwungen mit Seelsorgern unterhalten. Die Nordenhamer Pfarrei St. Willehad bietet in der Ferienzeit eine Urlauberseelsorge an.

Im Kirchenzelt auf dem Campingplatz in Tossens im niedersächsischen Teil des Bistums Münster kümmern sich Mareike (36) und Jan (37) Kamping aus Nordwalde um Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Unterstützung bekommen sie dabei zeitweise von Reinhard Hauke (65), Weihbischof und Dompropst in Erfurt. Die Kampings sind zum zweiten Mal hier. Den Kontakt hatte der Nordenhamer Diakon Christoph Richter hergestellt, schreibt das Bistum Münster.

Mit den Kindern, zu denen auch zwei eigene gehören, basteln und malen Kampings viel. Und flechten dabei einen Gottesbezug mit ein. „In dieser Woche geht es vormittags um die Schöpfungsgeschichte“, sagt Jan Kamping, der als Wirtschafts- und Englischlehrer an einem Berufskolleg arbeitet. Seine Frau ist Grundschullehrerin. Jeden Abend um 19 Uhr gibt es im Kirchenzelt eine Gute-Nacht-Geschichte und das Abendlob. Und einmal in der Woche ein Familienangebot. Pro Tag kommen 15 bis 25 Kinder. „Je nach Hochwasserstand“, weiß der Familienvater.

Weihbischof Hauke schaut sich das Treiben mit den Kindern an, setzt sich selbst auch dazu und lässt sich zeigen, was sie gebastelt haben. Er versuche seinen Urlaub immer zu teilen in eine Auslandsreise und eine ihm noch unbekannte Gegend von Deutschland, erzählt er. Hier im Norden kenne er Wilhelmshaven und Bremen. Urlauberseelsorge hat er mal an der Ostsee gemacht. In Nordenham übernimmt er den Gottesdienst am Wochenende in Burhave, einen abendlichen Vortrag in der Oase in Tossens, den nachmittäglichen Klönschnack in der Oase oder Besuche am Campingplatz. Der Aufenthalt sei für ihn eine gute Gelegenheit, Urlauberseelsorge besser kennenzulernen. „Da haben Leute Zeit, die sie sonst nicht immer haben. Da kann man sein Herz ausschütten.“ Urlauberseelsorge gebe es auch in seinem Bistum im Winter im Thüringer Wald für Winterurlauber. Das aber nur im kleinen Stil. Das Ehepaar Kamping bewundert er für ihre Liebe und Engagement. Bei der Arbeit mit Kindern ließe sich ein Gottesbezug jedoch leichter herstellen als bei Erwachsenen. Bei seinen Gesprächen erlebt er auch kritische Nachfragen.

Es sind nicht nur Kirchenmitglieder, die kommen. „Aber auch wenn es keine Mitglieder sind, so haben sie dennoch ein Interesse an der Kirche“, meint Hauke. Und er betont: „Die Menschen sind mir wertvoll, auch wenn sie keineKirchenmitglieder sind.“ Als Erfurter Dompfarrer und Weihbischof hat er viele pastorale Projekte entwickelt, die auch Nichtchristen die Berührung mit dem Evangelium ermöglichen sollen. Ob er Inspirationen für seine Arbeit zu Hause mitnehmen kann? „Eigentlich immer“, lacht Hauke. Bei Urlauberseelsorge käme in Bistumsverwaltungen immer wieder die Frage auf: lohnt sich das? „Aber wir müssen es einfach machen“, findet er. „Letztendlich entscheiden die Menschen, ob sie das Angebot wahrnehmen. Wenn etwas nicht funktioniert, kann man es wieder sein lassen. Aber wir sollten es mindestens zwei oder drei Mal probiert haben.“

„Urlauberseelsorge ist eine Mischung aus Erholung und pastoraler Arbeit“, findet der Weihbischof. Er war auch schon im Wasser. „Das habe ich auch weiterhin vor.“ Außerdem habe er eine Wattwanderung mitgemacht und endlich mal Wattwürmer kennengelernt. „War sehr interessant“.

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