Thomas Middelhoff bekennt sich schuldig
„Ein in jeder Hinsicht maßloser Mensch“

Nordwalde -

Wer ist dafür verantwortlich, dass der einstige Top-Manager Thomas Middelhoff im Gefängnis landete? Middelhoff selbst hat darauf mittlerweile nur noch eine Antwort: Er selbst.

Dienstag, 01.10.2019, 19:00 Uhr
Bei den Biografietagen im vergangenen Jahr war Thomas Middelhoff bereits Gast. Diesmal präsentierte er sein zweites Buch.
Bei den Biografietagen im vergangenen Jahr war Thomas Middelhoff bereits Gast. Diesmal präsentierte er sein zweites Buch. Foto: Szybalski

Ein immer größeres Auto, ein immer größeres Haus, das größte Hotelzimmer: Thomas Middelhoff war ein Mensch, dessen Anspruch immer größer geworden ist. Arrogant, narzisstisch, maßlos, all diese Attribute schreibt Middelhoff seinem früheren Ich zu: „Stolz und Hochmut? Da haben Sie ein Paradeexemplar in mir“, sagt der einstige Top-Manager am Sonntagabend auf dem Bispinghof. „Ich glaube, dass ich ein in jeder Hinsicht maßloser Mensch geworden bin.“

Im vergangenen Jahr hatte Middelhoff bei den Biografietagen sein erstes Buch „A115 – Der Sturz: Die Autobiografie von Thomas Middelhoff“ vorgestellt. „Dieses Buch war eine Traumabewältigung“, sagt Middelhoff heute. Er schrieb es noch im Gefängnis, wo der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann und Arcandor wegen Untreue und Steuerhinterziehung einsaß.

Keine andere Person schuld als er selbst

Am Sonntag hatte Middelhoff sein neues Buch „Schuldig. Vom Scheitern und Wiederaufstehen“ mitgebracht: „Dieses Buch befasst sich mit den Ursachen meines Scheiterns und kommt zu dem Ergebnis, dass keine andere Person als ich schuld bin, in so eine dramatische Lage geraten zu sein.“

Der 66-Jährige hat sich seine Biografie genauer angeschaut, um sich der Frage zu widmen: „Wie konnte mein Leben so komplett aus der Spur geraten?“ Er kommt zu dem Ergebnis, dass aus dem Studenten, der ein „Ich bin ich“-Prinzip verfolgte, ein Manager geworden sei, der nach einem „Ich bin wichtig“- und „Darauf habe ich Anspruch“-Prinzip handelte.

Zurück zum „Ich bin ich“

Er habe sehr unbewusst gelebt und viele Jahre verschenkt, sagt Middelhoff: „Es gibt die Tugend der Mäßigung. Die hätte mir ziemlich gut getan.“ Der gläubige Katholik will nun wieder zu seinem früheren „Ich bin ich“-Lebensprinzip zurückfinden und nach dem christlichen Wertekanon leben. Er ist überzeugt: „Hätte ich mit einem solchen Wertekanon als Navigationsgerät gelebt, wäre mein Leben nicht vor die Wand gelaufen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6972563?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F181%2F
Kampf gegen Plastikfolie und Einwegbecher
Einwegverpackungen sollen reduziert werden.
Nachrichten-Ticker