Pfarrer Blaise Emebo bleibt ein Jahr lang
Von Nigeria nach Nordwalde

Nordwalde -

Vor 25 Jahren kam Pfarrer Blaise Emebo erstmals nach Deutschland. Er blieb für neun Jahre, promovierte an der Uni Bonn und ging dann wieder zurück nach Nigeria. Im Priesterseminar in Enugu bildet er den Nachwuchs aus. Alle sieben Jahre kann Emebo ein Sabbatjahr einlegen. Von 2011 bis 2012 war er in einer Kirchengemeinde in Ahlen, seit Oktober ist er in St. Dionysius.

Dienstag, 26.11.2019, 19:00 Uhr

Die Sache mit den Mangos verwunderte Dr. Blaise Emebo , als er das erste Mal nach Deutschland kam. In Nigeria hatte er immer mal wieder etwas von Deutschland gehört, von den Autos, von den Ärzten, von den Philosophen und eben von den „german mangos“, den deutschen Mangos. „Als wir in Deutschland ankamen, gab es aber keine Mangos“, sagt Emebo und lächelt. Woher der Ausspruch „german mangos“ kommt, weiß er bis heute nicht. Es ist 25 Jahre her, dass Emebo erstmals in der Bundesrepublik landete. Seit Oktober ist er wieder da, als Pfarrer bleibt er für ein Jahr in der Kirchengemeinde St. Dionysius.

Emebo ist bereits vollständig in das Gemeindeleben eingebunden. „Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden“, sagt der 59-Jährige. „Fast wie jemand, der immer da war. Ich fühle mich sehr wohl.“ Anders als bei seiner ersten Ankunft in München im Jahr 1994 ist ihm Deutschland heute vertraut. Auf einen zweimonatigen Deutsch-Sprachkurs in München folgte damals ein sechsmonatiger in Bonn.

Igbo ist schwieriger zu lernen als Deutsch

Neun Jahre lang blieb Emebo in Bonn, promovierte an der dortigen Universität und arbeitete in einer Gemeinde in Tannenbusch. Danach ging er zurück nach Nigeria. „Das war ursprünglich Missionsarbeit“, sagt Emebo über den Grund für seinen ersten Aufenthalt in Deutschland. Er sei gefragt worden, ob er sich das vorstellen könne. „Wenn man als Priester geweiht wurde, ist man bereit, überall zu arbeiten“, sagt Emebo.

Deutsch zu lernen war nicht einfach, aber: „Meine Muttersprache Igbo ist schwieriger zu lernen.“ Denn dabei komme es entscheidend auf die Betonung der Wörter an. Wird „Eze“ „falsch“ betont, sage man schnell „Zähne“ statt „König“. Nicht nur die Sprache unterscheidet die Arbeit als Priester in Nigeria und in Deutschland.

Der Glaube ist in der Familie verankert

„In Nigeria habe ich meinen Ortspfarrer mal gefragt, wie viel Prozent der Katholiken in die Kirche kommen“, erzählt Emebo. „Der hat das gar nicht verstanden. Da kommt jeder.“ Für die Unterschiede zum Verhalten der Gläubigen hat Emebo eine Erklärung gefunden: „Ich sehe es so: Wenn es den Menschen gut geht, denken sie weniger an Gott. Jemand, der in Not geraten ist, der denkt viel mehr an Gott.“ Er verdeutlicht das an einem Beispiel: „Wenn Menschen in Nigeria krank werden, beten sie zu Gott. In Deutschland gehen sie zum Arzt.“

In seiner Familie spielte der Glauben schon früh eine Rolle. Dass Blaise Emebo einmal Pfarrer werden würde, scheint deshalb nicht überraschend. Seine Mutter war für den jungen Emebo eine wichtige Bezugsperson: „Sie war fromm und wollte eigentlich selbst Ordensfrau werden. Sie hat mit uns über den Glauben gesprochen. Der war sehr verankert in unserer Familie.“ Emebo ist Pfarrer geworden. Eine Schwester von ihm sei heute Ordensschwester.

Selbstständige Entscheidung, Priester zu werden

Dieser Weg sei ihm aber nicht aufgedrängt worden, sagt Emebo: „Das war eine selbstständige Entscheidung.“ Als er 17 oder 18 gewesen sei, habe ihm sein Vater angeboten, in die USA zu gehen. Emebo wollte aber Pfarrer werden. Er studierte Philosophie, dann Theologie in Nigeria. 1988 wurde er zum Priester geweiht. 2003 kehrte er aus Deutschland zurück nach Nigeria und bildet dort heute im Priesterseminar in Enugu den Nachwuchs aus.

Alle sieben Jahre kann er ein Sabbatjahr einlegen. Von 2011 bis 2012 war Emebo in einer Gemeinde in Ahlen. Jetzt eben in Nordwalde. Ende September 2020 wird er nach Nigeria zurückkehren. Bis dahin aber will sich Blaise Emebo im Gemeindeleben von St. Dionysius weiter einbringen.

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