„Legale“ Wand für Graffiti?
Eine „Hall of Fame“ für alle

Nordwalde -

Eine „legale“ Wand, an der jeder seine (Graffiti-)Kunst verwirklichen kann. Das ist der Wunsch von Dorian Henrichmann. Im Schulausschuss stellte er seine Ideen für eine solche „Hall of Fame“ vor. Er präsentierte verschiedene Standorte und benannte Vor- und Nachteile. Sein Fazit: „Eine ‚Hall of Fame‘ würde nicht nur den Ort schöner, sondern auch attraktiver machen.“

Samstag, 30.11.2019, 12:00 Uhr
Den „Nordwalde“-Schriftzug an zwei gegenüberliegenden Brückenpfeilern der Altenberger Straße hat das Jugendparlament gestaltet. Initiiert hatte das Projekt Dorian Henrichmann. Jetzt schlägt der 24-Jährige vor, dass in der Gemeinde eine „legale“ Wand errichtet wird, an der jeder seine Kunst verwirklichen kann.
Dorian Henrichmann könnte sich an diesem Ballfangzaun eine Holzwand als „Hall of Fame“ vorstellen. Foto: Vera Szybalski

Viele verbinden mit einer „Hall of Fame“ eine Ruhmeshalle für Sportler, Musiker oder Schauspieler. Dorian Henrichmann stellte jetzt seine Ideen für eine „Hall of Fame“ in Nordwalde vor, die nichts mit den genannten zu tun hat. Der 24-Jährige hat eine „Hall of Fame“ für (Graffiti-)Künstler im Kopf. Im Schul-, Sozial-, Kultur- und Sportausschuss am Donnerstagabend präsentierte er verschiedene Standorte, wo eine solche „legale“ Wand, an der jeder seine Kunst verwirklichen kann, entstehen könnte, welche Vorteile und welche Probleme sich bieten.

„Eine ‚Hall of Fame‘ würde nicht nur den Ort schöner, sondern auch attraktiver machen“, sagte Henrichmann. In seiner Zeit als Mitglied des Jugendparlaments hat der Mediengestalter bereits Graffiti-Projekte im Ort initiiert und mit den anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen umgesetzt.

Eine Wand, an der alle ihre Kunst ausleben

Eine „Hall of Fame“ beschreibe im Graffiti-Jargon ursprünglich eine Wand, an der sich die besten und talentiertesten Künstler verewigen, erklärte Henrichmann den Ausschuss-Mitgliedern. Mittlerweile stehe der Begriff umgangssprachlich aber für eine Wand, an der alle ihre Kunst ausleben können: „Diese Flächen sind wirklich für jedermann.“ Das sei auch nicht auf Graffiti beschränkt.

Zu den Vorteilen einer „legalen“ Wand zählte Henrichmann, dass illegalem Graffiti vorgebeugt, (junge) Künstler und das Gemeindebild gestärkt würde. Außerdem könnten aufwendige und farbenfrohe Produktionen entstehen, und es böten sich Möglichkeiten für Workshops oder Schulklassen. Dass die Umgebung nicht vor Farbe geschützt sei, Anwohner keine solche Wand in der Nahe haben wollen und die hohe Müllproduktion durch leere Dosen nannte Henrichmann als Nachteile.

Henrichmann favorisiert Bolzplatz als Standort

Seiner Meinung nach überwiegen aber die Vorteile. Sein Fazit: „Eine Wand wäre super. Wichtig ist natürlich, dass es Regeln gibt.“ Regeln, wie diese: Müll entsorgen, Farben nur auf der vorgesehenen Fläche, Sprühen nur bei Tageslicht, Mühe geben und eventuell die Erlaubnis der Gemeinde. Letzteres sah Henrichmann zwiespältig. Klar wäre aber: Wenn die Regeln nicht beachtet würden, wird die Wand entfernt.

Als möglichen Standort für eine „Hall of Fame“ favorisiert Henrichmann den Bolzplatz an der Altenberger Straße. Der Ballfangzaun in Richtung des Gewerbegebiets und Regenrückhaltebeckens würde sich eignen, meint der 24-Jährige. Denn dort stünden keine Bänke oder Tischtennisplatten, die ungewollt Opfer von Farbe werden könnten. Außerdem sei die Seite des Bolzplatzes gut erreichbar, auch wenn man mit dem Auto mitsamt Farbe und Leiter käme. „Man könnte dort Holzwände aufstellen, die man auch wieder abnehmen könnte, wenn es nicht funktionier“, schlug Henrichmann vor.

Gute Erfahrungen in anderen Kommunen

Als alternative Standorte hatte er die Schulhöfe der drei Grundschulen und den neuen Sportplatz ins Spiel gebracht. Die böten aber Nachteile, beispielsweise, dass die umliegenden Wände der Schulen oder des an die KvG-Gesamtschule angrenzenden St.-Augustinus-Altenzentrums nicht geschützt seien.

Dass das Konzept einer „Hall of Fame“ für Künstler funktionieren kann, machte Henrichmann an einigen Beispielen deutlich. In Ostbevern etwa würden drei Wände aus Fertigbetonteilen auf einem Schulhof stehen. In St. Arnold sei eine Wand an der Skateranlage aufgestellt worden. In Rheine steht Künstlern ein Brückenpfeiler zur Verfügung und in Telgte sind Holzwände dafür angeschafft worden.

Der Vortrag von Henrichmann wurde im Ausschuss wohlwollend aufgenommen. Bürgermeisterin Sonja Schemmann schlug vor, dass sich das Jugendparlament mit dem Thema beschäftigt. Jupa-Vertreterin Johanna Elshoff kündigte an, das Gremium werde sich damit befassen.

Kommentar

Man muss nicht persönlich ein Freund von Graffiti sein, um eine „Hall of Fame“ gut zu finden. Mit wenig Geld kann so ein niederschwelliges Angebot für Jugendliche geschaffen werden, die sich künstlerisch ausleben oder einfach mal das Sprayen ausprobieren wollen.
Im besten Fall verhindert die „legale“ Wand für Graffiti, dass Jugendliche illegal Häuserwände mit Farbe versehen. Selbst wenn das Projekt kein Erfolg wird, Jugendliche die Grenzen überschreiten, alles vermüllen und Gebäude in der Umgebung in Mitleidenschaft ziehen, sind der Gemeinde nicht die Hände gebunden. Wenn sie Spielregeln für die „Hall of Fame“ aufstellt, kann sie bei Missbrauch sofort reagieren und die Fläche entfernen.
Mit zu viel Schwarzmalerei sollte man das Projekt aber gar nicht angehen, sondern mit einfachen Mitteln die Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche verbessern.

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