Lehrer-Workshop an der KvG-Gesamtschule
Lesen muss trainiert werden

Nordwalde -

Spätestens seit der jüngsten Pisa-Studie ist klar, dass zahlreiche deutsche Schüler nicht gut lesen können. Wie Schüler Strategien lernen und anwenden können, um Texte zu verstehen, wurde bei einem Lehrer-Workshop an der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule erörtert.

Mittwoch, 15.01.2020, 19:28 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 15:36 Uhr
Im Forum der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule kamen Lehrer der KvG ebenso wie der Grundschulen und benachbarten Realschulen sowie Gymnasien zum Workshop mit Prof. Dr. Marion Bönnighausen von der Uni Münster zusammen.
Im Forum der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule kamen Lehrer der KvG ebenso wie der Grundschulen und benachbarten Realschulen sowie Gymnasien zum Workshop mit Prof. Dr. Marion Bönnighausen von der Uni Münster zusammen. Foto: Sigrid Terstegge

Ein dicker Textklotz erscheint auf der Leinwand. Keine Einteilung in Kapitel, ein Fachtext, wie ihn Deutschlehrer wahrscheinlich kennen könnten. Aufgefordert von Prof. Dr. Marion Bönnighausen von der Universität Münster lesen die Lehrer der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule, von den Grundschulen und den benachbarten Realschulen sowie Gymnasien diesen bleischweren Blocktext.

„Und jetzt fassen Sie mal eben das wichtigste zusammen“, fordert Bönnighausen alle auf. Das geht aber nicht so einfach. Schon sehen die Lehrer den Text noch einmal, bearbeitet mit einem Stift, einzelne Wörter oder Satzteile hervorgehoben, Wörter eingekreist, Notizen dazu am Rand. „So hätten Sie es gemacht, und dann kann man einen Text verstehen und auch zusammenfassen“, sagt Bönnighausen.

Alle Erkenntnisse sind praxiserprobt

Finanziert von den Fördervereinen der Nordwalder Schulen ist Bönnighausen für einen Lehrer-Workshop am Dienstag im Forum der KvG. Das Thema heißt „Maßnahmen zur Förderung des Textverstehens und der Leseflüssigkeit“. Es ist ein Teil der „Leseschule NRW“, mit der Schüler gefördert werden sollen. Schulleiterin Karla Müsch-Nittel begrüßt die Lehrer und freut sich über das große Interesse an der Veranstaltung. „Das Konzept wird auch am Tag der offenen Tür noch einmal in der Bibliothek vorgestellt“, erläuterte sie. Dieser findet am kommenden Samstag (18. Januar) in der Gesamtschule statt.

Seit elf Jahren forscht und arbeitet Bönnighausen mit Hilfe von Studenten bereits zum Thema „Leseschule“. Alle Erkenntnisse sind praxiserprobt in Schulen. Nur mit dem Teil „Lesetraining“, das in „Lesestrategien“ und“ Leseflüssigkeit (fluency)“ unterteilt ist, beschäftigt sich der Workshop. Wie können Schüler Strategien lernen und anwenden, um Texte zu verstehen? Was heißt eigentlich verstehen?, fragt Bönnighausen.

In der Grundschule mit Lesestrategien beginnen

Viele komplizierte Vorgänge laufen ab, wenn ein Text gelesen wird. „Lesestrategien müssen erlernt und automatisiert sein, wenn man ein guter Leser sein will“, betont Bönnighausen. Es müssen Strategien vorhanden sein, sie müssen eingesetzt werden können. Der Leser muss sich hinterfragen können und Vorwissen einsetzen. Er muss erkennen können, wenn er etwas nicht versteht. Und dann entscheiden, ob er etwa einen kleinen Teil vielleicht weglassen kann, weil er nicht wichtig ist, sich eventuell aus dem Zusammenhang erklärt oder später im Lexikon nachgeprüft wird.

„Am besten fängt man mit den Lesestrategien bereits in der Grundschule an, haben wir festgestellt“, schildert Bönnighausen. Und besonders gut konnten sich Schüler diese merken, wenn sie sie alle zusammen im Chor aufsagten. „Hört sich seltsam an, funktionierte aber“, bekräftigte die Professorin. Bei den Übungstexten müsse man speziell auf Binnendifferenzierung achten. „Und ganz wichtig ist immer das Training, die Anwendung und wieder das Training“, unterstreicht Bönnighausen.

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