Telefonisch abklären, ob ein Besuch notwendig ist
Vorab bei den Arztpraxen anmelden

Nordwalde -

Die Arztpraxen in Nordwalde bleiben regulär geöffnet, die Türen sind seit Donnerstag jedoch zunächst geschlossen. Denn die Allgemeinmediziner arbeiten nach dem sogenannten Vorab-Anmeldungs-Prinzip.

Donnerstag, 19.03.2020, 19:29 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 17:14 Uhr
Ein Zettel an der Tür dieser Arztpraxis weist die Patienten daraufhin, dass die Tür erst nach dem Klingen geöffnet wird. Die Nordwalder Ärzte setzen auf das Vorab-Anmeldungs-Prinzip.
Ein Zettel an der Tür dieser Arztpraxis weist die Patienten daraufhin, dass die Tür erst nach dem Klingen geöffnet wird. Die Nordwalder Ärzte setzen auf das Vorab-Anmeldungs-Prinzip.

Die Nordwalder Hausarztpraxen reagieren auf die Corona-Krise und arbeiten seit Donnerstag mit dem sogenannten Vorab-Anmeldungs-Prinzip. Die Arztpraxen bleiben regulär geöffnet, die Türen sind jedoch zunächst verschlossen. Wer sich krank fühlt, soll sich bei seinem Arzt telefonisch melden. Dann kann abgeklärt werden, ob der Patient zur Untersuchung in die Praxis kommen muss oder ob er am Telefon vom Arzt beraten werden kann. Damit soll verhindert werden, dass infektiöse Patienten unangemeldet in die Praxen kommen und das Personal oder andere Patienten anstecken.

Alle Allgemeinmediziner in Nordwalde arbeiten nach dem Prinzip. „Wir haben uns mit den Kollegen zusammengesetzt und überlegt, wie wir eine gemeinsame Lösung finden können. Die Patienten müssen sich orientieren können“, sagt Daniel Gerdemann , der mit Dr. Kristina Leicht eine Praxis in Nordwalde betreibt.

Wenn die Ärzte Patienten am Telefon zu einem Besuch in der Praxis raten, soll der Kontakt zu anderen Patienten möglichst unterbunden werden. „Im Moment klappt es bei uns, dass keine zwei Patienten in einem Raum sind“, sagt Gerdemann. „Jeder, der behandelt werden soll, kommt sofort in den Behandlungsraum.“ In allen Arztpraxen gilt: Es soll keinen Kontakt von Menschen mit Atemwegsinfektionen und chronisch erkrankten Personen geben.

Corona-Test nur mit Überweisung

Wer ein Rezept benötigt, kann dies in allen Nordwalder Arztpraxen per E-Mail oder Fax bestellen. Damit sollen die Telefonleitungen entlastet werden. In der Praxis von Daniel Gerdemann und Dr. Kristina Leicht können die Rezepte durch ein Fenster den Patienten überreicht werden. Dann müssen diese nicht zwingend die Praxis betreten. Bei Menschen mit Atemwegsinfektionen und Corona-Verdacht können die Ärzte zudem telefonisch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

Nordwalder, bei denen der Verdacht einer Coronainfektion besteht, sollen gar nicht in die Praxen kommen. Nach einer Rücksprache am Telefon können die Ärzte eine Überweisung ausstellen. Die Patienten können dann beispielsweise am Container am UKM Marienhospital in Borghorst einen Corona-Test machen lassen. Ein Abstrich wird aber nur bei Menschen gemacht, die eine Überweisung vom Hausarzt oder dem Gesundheitsamt haben. „Niemand kann da einfach selber hinfahren“, sagt Gerdemann. Ohne Überweisung wird kein Test gemacht.

Es ist toll, wie gut der Zusammenhalt im Ort ist.

Daniel Gerdemann

Zu den begründeten Corona-Verdachtsfällen zählen nur Menschen, die Symptome und Kontakt zu einem Erkrankten hatten oder Symptome und sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Daniel Gerdemann rät davon ab, sich nur auf Symptome zu beziehen und daraus per Selbstdiagnose eine Krankheit abzuleiten. Viele Symptome können auf verschiedene Atemwegsinfektionen hindeuten. Die meisten Fälle, bei denen Menschen mit dem Coronavirus infiziert und die ihm bekannt seien, seien junge Leute mit milden, aber sehr unterschiedlichen Symptomen gewesen.

Grund zur Panik besteht aus Sicht der Nordwalder Ärzte nicht. Sie fühlen sich auf die aktuelle Situation gut vorbereitet. Dass sie mit dem Vorab-Anmeldungs-Prinzip arbeiten, hat vor allem zwei Gründe: Es sollen zum einen Risikogruppen, wie ältere und chronisch kranke Menschen, geschützt werden. Zum anderen soll durch das Prinzip verhindert werden, dass Praxen schließen müssen.

Zahnärzte helfen Allgemeinmedizinern

Auf die Ärzte kommt aktuell viel Arbeit zu. Besonders am Montag habe er viel zu tun gehabt, berichtet Daniel Gerdemann, auch viel Organisatorisches. Es wurden zum Beispiel alle Termine für regelmäßige Kontrollen abgesagt. „Die Menschen sind aber sehr vernünftig und verständnisvoll“, hat Gerdemann festgestellt. Was ihn freut: „Es ist toll, wie gut der Zusammenhalt im Ort ist.“ Das gelte für die Allgemeinmediziner genauso wie für Zahnärzte, Pflegeeinrichtungen und Apotheken. Das zeigt sich beim Mundschutz, bei dem die Vorräte fast aufgebraucht waren und neue schwer zu bekommen sind. „Da haben wir tolle Hilfe von den Zahnärzten im Ort erhalten“, sagt Gerdemann. Die stellten Mundschutz aus ihrem Vorrat den Allgemeinmedizinern zur Verfügung.

Nordwalder Arztpraxen

 

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