Passagiere sollen nach Deutschland geflogen werden
Sieben Corona-Fälle an Bord der MS Artania

Nordwalde -

Eigentlich wollte Ludwig Reichert eine Kreuzfahrt durch die Südsee machen. Doch weil viele Länder ihre Häfen geschlossen haben und die geplante Traumreise ausfiel, wollte der Nordwalder stattdessen in knapp 30 Tagen von Sydney nach Bremerhaven fahren. Doch auch dazu kommt es nicht, denn an Bord der MS Artania wurde das Coronavirus nachgewiesen.

Donnerstag, 26.03.2020, 18:08 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 17:17 Uhr
Obwohl an Bord der MS Artania das Coronavirus nachgewiesen wurde, versucht Ludwig Reichert, die Situation positiv zu sehen. Bei einem kurzen Ausflug an die frische Luft hat er ein Foto vom Sonnenuntergang vor Australien gemacht. Die meiste Zeit verbringt der Nordwalder aktuell aber in seiner Kabine.
Obwohl an Bord der MS Artania das Coronavirus nachgewiesen wurde, versucht Ludwig Reichert, die Situation positiv zu sehen. Bei einem kurzen Ausflug an die frische Luft hat er ein Foto vom Sonnenuntergang vor Australien gemacht. Die meiste Zeit verbringt der Nordwalder aktuell aber in seiner Kabine.

Beim ersten Telefonat war Ludwig Reichert am anderen Ende der Welt noch frohen Mutes. Beim zweiten Telefonat zwei Tage später sieht die Lage anders aus, auch wenn Reichert positiv bleiben will: An Bord der MS Artania, wo der Nordwalder sich momentan befindet, haben die australischen Gesundheitsbehörden sieben Corona-Fälle bestätigt. Fünf Gäste und zwei Crewmitglieder hätten sich mit Covid-19 angesteckt, meldet der Reiseveranstalter Phoenix Reisen auf seiner Homepage. Allen an Bord gehe es gut. Keine der infizierten Personen befinde sich in einem gesundheitlich kritischen Zustand.

Eigentlich wollte Ludwig Reichert mit der Artania in knapp 30 Tagen von Sydney nach Bremerhaven fahren, nachdem seine geplante Kreuzfahrt durch die Südsee wegen der Corona-Krise ausgefallen war. Doch am Mittwochabend erhielt er gemeinsam mit den anderen rund 800 Passagieren dann die Nachricht von den bestätigten Coronavirus-Infizierten. „Wir sind alle auf die Kabinen geschickt worden“, erzählt Reichert am Telefon. „Alle sind in Quarantäne. Essen und Wasser bekommen wir vor die Tür gestellt.“

Die Passagiere sollen nach Deutschland geflogen werden

Die Artania war in Sydney zu ihrer Reise gestartet. Weil zahlreiche Länder wegen der Corona-Pandemie ihre Häfen geschlossen hatten, wurde die Kreuzfahrt durch den Südpazifik bis Lima abgesagt. 199 Gäste waren daraufhin nach Hause geflogen, 832 fuhren mit der Artania weiter. Das Schiff liegt auf Reede vor dem australischen Fremantle in der Nähe von Perth. Dort sollte die Artania eigentlich Sprit bunkern für die wochenlange Fahrt nach Bremerhaven. Die Passagiere durften nicht an Land gehen.

Ludwig Reichert vor ein paar Tagen an Bord der MS Artania.

Ludwig Reichert vor ein paar Tagen an Bord der MS Artania. Foto: privat

Phoenix Reisen will nun alle Gäste an Land und dann weiter nach Hause bringen, schreibt der Bonner Reiseveranstalter auf seiner Homepage. Die Gäste sollten mit eigens gecharterten Flugzeugen voraussichtlich am Samstag oder Sonntag aus Australien ausgeflogen werden. Das hätten die australische Regierung und die Deutsche Botschaft in Australien gemeinsam entschieden. Die Passagiere sollen vom Schiff direkt in Busse steigen und von dort direkt ins Flugzeug, erzählt Reichert. Jeder Gast dürfe nur ein Gepäckstück mitnehmen, die restlichen würden nachgebracht. Reichert hofft, den ersten Flug in Richtung Heimat zu erwischen.

Passagiere sollen engen Kontakt vermeiden

Der Nordwalder gehört aus gesundheitlichen Gründen zur Corona-Risikogruppe und will sich deshalb schnellstmöglich in die häusliche Quarantäne begeben: „Das ist sicherer.“ Noch ist er aber an Bord der Artania. Zu bestimmten Uhrzeiten dürfen die Gäste einzelner Etagen ihre Kabinen verlassen, um am oberen Deck an die frische Luft zu gehen, erzählt Reichert. Engen Kontakt zu anderen sollen die Passagiere aber vermeiden. Zwei Meter Abstand halten und sorgfältig die Hände waschen, sind die Devise.

Mit anderen Gästen spricht Reichert deshalb über das Telefon. So hat er auch eine gebürtige Nordwalderin kennengelernt, die ebenfalls auf dem Schiff ist. „Ich versuche schon das positiv zu sehen“, sagt Reichert über die Situation. „Das ist bloß ein bisschen langweilig auf dem Zimmer.“

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