Abschied vom Stammtisch „Et giv enen umsüss“
Die Erinnerungen bleiben

Nordwalde -

Vor circa 70 Jahren gründeten 13 Nordwalder den Stammtisch „Et giv enen umsüss“. Elfriede Diepenbrock erinnert sich an unvergessliche Erlebnisse. Dass keiner der Gründungsmitglieder noch mal die Geschichte des Stammtisches erzählt, hat einen traurigen Grund.

Samstag, 04.04.2020, 11:24 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 15:08 Uhr
Fotos aus vergangenen Jahren und Jahrzehnten sowie alte Zeitungsartikel: Elfriede Diepenbrock hat einige Dokumente als Erinnerung an den Stammtisch „Et giv enen umsüss“ aufbewahrt.
Fotos aus vergangenen Jahren und Jahrzehnten sowie alte Zeitungsartikel: Elfriede Diepenbrock hat einige Dokumente als Erinnerung an den Stammtisch „Et giv enen umsüss“ aufbewahrt. Foto: Vera Szybalski

Das Radrennen rund um Nordwalde in der Silvesternacht, der Auftritt von zwei Stammtisch-Mitgliedern bei einem Rock‘n‘Roll-Tanzwettbewerb in der Schauburg in Münster, die vielen Abende in der Wirtschaft, als erst getrunken und dann viel erzählt wurde – es sind Momente wie diese, an die sich Elfriede Diepenbrock jetzt erinnert. Erlebt hat sie diese Momente ein Stück weit „von außen“, mittendrin waren andere: die Mitglieder des Nordwalder Stammtischs „Et giv enen umsüss“.

„Der ist jetzt circa 70 Jahre alt“, sagt Elfriede Diepenbrock, während sie um den Esstisch herumläuft und in ihren Unterlagen kramt. Dass keiner der 13 Gründungsmitglieder noch mal die Geschichte des Stammtisches erzählt, hat einen Grund, einen traurigen: Mit Georg Schmitz ist vor zweieinhalb Wochen das letzte Mitglied verstorben. Die Erinnerungen an die vielen Erlebnisse des Stammtisches aber bleiben – und sind es wert, erzählt zu werden, findet Elfriede Diepenbrock: „Die haben so viel gemacht. Die haben zusammengehalten wie Pech und Schwefel.“

Sammelleidenschaft kommt ihr zugute

Diepenbrocks Mann Erich gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Als Wirtin im Haus Diepenbrock hat sie viele Treffen der Männer begleitet, die immer für einen Streich zu haben waren. „Je mehr die machten, desto mehr musste ich arbeiten“, erinnert sich Diepenbrock. Der Name „Et giv enen umsüss“ war Programm: „Das bedeutet: ‚Es gibt einen umsonst‘. Wenn die reinkamen, wurde immer geknobelt.“

Geschichten zu erzählen, gibt es viele, sagt Diepenbrock: „Ich kann auf Anhieb aber gar nicht mehr alles wiedergeben.“ Zugute kommt ihr jetzt, dass sie immer sehr viel gesammelt hat, ob Zeitungsausschnitte oder Bilder. Auf dem Esstisch breitet Elfriede Diepenbrock sie aus, die unzähligen Fotos, manche wurden vor Jahrzehnten aufgenommen, andere erst vor wenigen Jahren und die Zeitungsartikel, einer unverkennbar aus dem Jahr 2011, ein weiterer scheint älter zu sein, ist aber undatiert.

Lustige Abende im Haus Diepenbrock

Drei Anekdoten sind Diepenbrock ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Erstens: das Radrennen rund um Nordwalde. Die Polizei habe die Strecke abgesperrt, sagt Diepenbrock: „Das war voll da draußen.“ Allzu viel habe sie von dem Spektakel aber nicht mitbekommen: „Ich war ja arbeiten.“ Zweite Anekdote: der Auftritt von zwei Stammtisch-Mitgliedern in der Schauburg. Einer habe sich als Frau verkleidet, erst nach der Siegerehrung habe er die Perücke abgenommen. Die dritte Anekdote setzt sich aus vielen Momenten zusammen: Es sind die Abende im Haus Diepenbrock. „Das war immer lustig mit denen“, sagt Diepenbrock: „Das war früher schön in der Wirtschaft.“

Die verbliebenen Stammtisch-Mitglieder sind dort noch zusammengekommen, bis die Gaststätte vor fünf Jahren schloss. Wie das ist, sich jetzt an die Momente mit dem Stammtisch zu erinnern? „Herrlich“, sagt Elfriede Diepenbrock. Neben ihr leben noch drei Ehefrauen von Stammtisch-Mitgliedern, die sich heute immer noch mal treffen: „Dann wird immer viel erzählt.“

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