Abi-Schüler der KvG-Gesamtschule leben im Ungewissen
Die Unsicherheit ist groß

Nordwalde -

Kein Tag X, vielleicht kein Abiball, Prüfungen voraussichtlich ab dem 12. Mai – auch bei den angehenden Abiturienten der KvG-Gesamtschule in Nordwalde ist die Unsicherheit in Bezug auf ihren Abschluss groß.

Donnerstag, 09.04.2020, 15:16 Uhr aktualisiert: 13.04.2020, 18:08 Uhr
Laetitia Bleul (Bild unten, v.l.), Nadine Grabbe und Konrad Kathmann vor der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule fiebern gemeinsam mit dem Abi-Jahrgang 2020 (Bild oben) um ihre Vorbereitung.
Laetitia Bleul (Bild unten, v.l.), Nadine Grabbe und Konrad Kathmann vor der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule fiebern gemeinsam mit dem Abi-Jahrgang 2020 (Bild oben) um ihre Vorbereitung. Foto: privat

So hatten sie sich ihren Abschied von der Schule nicht vorgestellt. Die Mottowoche mitsamt Tag X ausgefallen, die Abi-Prüfungen verschoben, die Abschlussfeier auf der Kippe. Auch für den Abschlussjahrgang 2020 der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule ist es momentan eine Zeit der Ungewissheiten. Grundsätzlich kann sie damit umgehen, sagt Stufensprecherin Nadine Grabbe : „Das Einzige, was mich verrückt macht, ist das Hin und Her.“

Ist die Benotung für das Schuljahr schon abgeschlossen, oder können die Schüler die drei Wochen Unterricht, die ausgefallen sind, nachholen und ihre Note verbessern? Werden die Abiturprüfungen verschoben, finden sie wie geplant oder doch gar nicht statt? Viele offene Fragen, mit denen die angehenden Abiturienten in den vergangenen Tagen und Wochen konfrontiert waren und sind. Denn noch sind viele Fragen nicht beantwortet.

Nach derzeitiger Planung des nordrhein-westfälischen Schulministeriums starten die bereits einmal verschobenen schriftlichen Abiturprüfungen am 12. Mai. Sollte der Schulbetrieb nach den Osterferien allerdings nicht aufgenommen werden, hat das Ministerium Notfall-Pläne in der Schublade. Darüber ist bislang aber noch nichts bekannt. Am kommenden Mittwoch will Schulministerin Yvonne Gebauer die Öffentlichkeit informieren, ob und wie der Schulbetrieb nach den Ferien wieder aufgenommen wird.

Konrad Kathmann ist davon überzeugt, dass die Abi-Prüfungen geschrieben werden: „Und wenn man das Gebäude nur für die Klausuren aufmacht.“ Nicht nur für die Schüler, auch für die Lehrer um Q2-Beratungslehrer Kathmann ist es eine ungewohnte Situation. Er ist häufig mit Schulleiterin Karla Müsch-Nittel und Silke Scheerer, der Abteilungsleiterin für die gymnasiale Oberstufe, in Kontakt. Die Lehrer halten aber auch den Kontakt zu den Abschlussschülern. Kathmann hat den Schülern aus dem Mathe-Leistungskurs Links für Erklär-Videos zugeschickt ebenso wie alte Abiturprüfungen. Im Deutsch-Leistungskurs hat es eine Telefonkonferenz gegeben, im Biologie-Grundkurs eine Videokonferenz. „Das war richtig cool“, sagt Schülerin Laetitia Bleul . „Wir werden auf jeden Fall nicht alleine gelassen.“

33 Schüler wollen in diesem Jahr ihr Abitur an der KvG-Gesamtschule machen. Mit den Folgen der Corona-Krise gehen alle unterschiedlich um, erzählen Nadine Grabbe und Laetitia Bleul. Beim Lernen findet jeder seine eigene Strategie. „Ich habe die Ferien vorgezogen und erst mal nichts getan“, erzählt Bleul. Bei der Frage, ob die Abi-Prüfungen stattfinden sollen, gebe es Pro- und Contra-Fraktionen. „Manche sagen, wir werden gar nicht für voll genommen ohne“, sagt Bleul. „Ich finde auch, die Prüfungen gehören zum Schulabschluss dazu. Darauf haben wir uns jetzt ja auch drei Jahre lang vorbereitet.“

An ihrem bis dato letzten Schultag haben sich einige Abschlussschüler noch schnell für ein Foto in den Abi-Pullis – das Motto ist „ Abi leave I can fly“ - zusammengefunden. Dass die Mottowoche und der Tag X ausgefallen sind, damit haben sich die meisten Schüler abgefunden. Ärgerlich sei es natürlich trotzdem gewesen, sagt Bleul: „Wir hatten alles geplant. Einige hatten sogar schon Kostüme.“

Auch das Abiball-Kleid oder der Anzug dürften bei manchen schon im Schrank hängen. Für die Abi-Feier am 20. Juni ist alles vorbereitet, die Location reserviert, das Essen bestellt. „Das macht uns ein bisschen bange, ob die Abi-Feier stattfinden kann“, sagt Grabbe. „Aber das muss man abwarten.“ Wie so vieles momentan.

Denn die Corona-Krise beeinflusst nicht nur den Schulabschluss der Abiturienten, sondern hat Auswirkungen darüber hinaus. Laetitia Bleul wollte im Sommer eine Ausbildung zur Zahntechnikerin in Berlin beginnen: „Ich habe letztens mit meinem hoffentlich künftigen Ausbilder telefoniert. Er hat gesagt, er weiß gar nicht, ob es seinen Betrieb dann noch gibt, wenn ich anfangen würde. Das macht schon ein mulmiges Gefühl.“ Nadine Grabbe will studieren, doch auch dabei gibt es noch offene Fragen, was die Einschreibung oder den Semesterstart angeht. Eine Mitschülerin habe nach dem Abi nach Neuseeland reisen wollen, erzählt Bleul: „Die weiß jetzt gar nicht, ob sie planen soll.“

Sollte die Schule am 20. April wieder beginnen, will sich Kathmann im Unterricht nicht nur auf das Fachliche stürzen: „Ich werde die Schüler auch auf die Prüfungen vorbereiten.“ Das könnten einige ziemlich gut alleine, andere bräuchten vielleicht etwas Unterstützung. Alles, was in der unterrichtsfreien Zeit passiert sei, dürfe nicht benotet werden: „In den drei Wochen, die nachgeholt werden, wird aber benotet.“ Das ist aktuell der Plan. Gewissheit, wie das Abitur ablaufen wird, sollen die Schüler in der kommenden Woche erhalten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7363933?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F181%2F
Nachrichten-Ticker