„Buch und mehr“ liefert auf Bestellung aus
„Es läuft besser als gedacht“

Nordwalde/Saerbeck -

Corona setzt dem Buchhandel zu. Aber in Saerbeck läuft das Geschäft hinter verschlossenen Türen weiter. Besser als gedacht.

Mittwoch, 08.04.2020, 08:06 Uhr
Esther Niehaus macht gerade aus der Krise das Beste: Sie nimmt auch in ihrem Buchladen in Nordwalde Bestellungen am Telefon an.
Esther Niehaus macht gerade aus der Krise das Beste: Sie nimmt auch in ihrem Buchladen in Nordwalde Bestellungen am Telefon an. Foto: Marion Fenner/privat

„Sehr, sehr gut.“ Esther Niehaus ist Buchhändlerin und eigentlich hätte sie in diesen Corona-Zeiten nichts zu lachen. Die Ladengeschäfte der Grevener Familie in Saerbeck und Nordwalde mussten schließen. „Buch und mehr“ – damit hätte vorerst auch Schluss sein können.

Doch tatsächlich läuft es hinter der geschlossenen Tür weiter. „Das Telefon klingelt ständig“, sagt die Buchhändlerin, „die Kunden rufen an und haben sehr spezielle Vorstellungen.“ Der Umsatz erreiche fast ein Viertel des gewohnten Verkaufs. „Wir sind selbst erstaunt“, sagt Niehaus, „wie viele Bestellungen reinkommen.“

Die Buchhändler-Familie feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen in Nordwalde, auch in Saerbeck ist man seit vielen Jahren im Geschäft. Das Buchgeschäft, schrieb eine treue Kundin an die Redaktion, müsse unbedingt erhalten werden. Für einen Ort wie Saerbeck sei es sehr wichtig.

Tatsächlich ähnelt die Marktstraße derzeit einer Geisterstadt. Neben „Buch und mehr“ hat der Friseur geschlossen, gegenüber der Grieche, die Eisdiele ist zu und das Bekleidungsgeschäft bietet im Schaufenster auf Anruf „Einzelberatungen“ an.

Im Buchladen Niehaus können die Aufgaben nicht aufgeschoben werden, die eigentlich – jahreszeitlich bedingt – anstehen. „Wir müssen den Schülern helfen, dass sie an ihre Lektüren kommen“, sagt Esther Niehaus.

Vormittags ist sie zwei Stunden im Laden, um Rechnungen zu schreiben. Dann klingelt das Telefon: „Die Leute wissen schon, wann wir da sind.“ Bestellt werden kann telefonisch oder im Online-Shop, hinter dem der Großhändler des Buchladens steht.

Es werden nicht nur Bücher, sondern auch der normale Schulbedarf ausgeliefert, den das Geschäft im Angebot hat.

In diesen Corona-Zeiten ist der lokale Handel immer noch schneller als der Internet-Laden.

Der Großhändler sei momentan stark gefordert, erklärt Esther Niehaus, da könne es schon mal eine Woche dauern, bis Bestellungen tatsächlich ausgeliefert werden. Schneller geht es, wenn man im Geschäft bestellt. Bis zum nächsten Tag sind die Bücher dann in Saerbeck.

„Zwei Mitarbeiter bringen die Bestellungen dann raus“, sagt Niehaus. Sie stellen die Bücher vor die Tür, klingeln, warten eine Weile und wenn sie sicher sind, dass jemand zu Hause ist, geht es weiter.

Die Rechnungen liegen dabei und können überwiesen werden.

Die Saerbecker finden den Service offenbar gut. „Wir werden sehr gelobt von unseren Kunden“, sagt die Buchhändlerin., immer noch vom eigenen Erfolg überrascht.

„Bücher rausbringen, das stand bei uns nie auf der Liste“, gibt sie zu. Und das, obwohl der große Erfolg von Online-Riesen wie Amazon ja genau dieses Bequemlichkeitsargument für sich spielen lassen: Lieferung bis vor die Haustür.

Wenn also Corona etwas gebracht hat, dann ist es auch die künftige Erweiterung des Service-Angebotes. „Jetzt haben wir schon im Hinterkopf, den Leuten Bücher zu bringen, die selbst nicht in den Laden kommen können“, sagt Esther Niehaus.

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