Interview mit Bürgermeisterin Sonja Schemmann und Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink
Vieles wird online erledigt

Nordwalde -

„Bislang war es nicht nötig, ein Ordnungsgeld zu verhängen“, sagt Bürgermeisterin Sonja Schemmann im Interview mit den WN. Zusammen mit Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink spricht Schemann unter anderem über die derzeitige Arbeit der Gemeindeverwaltung.

Donnerstag, 23.04.2020, 18:07 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 14:34 Uhr
Interview unter freiem Himmel: Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink und Sonja Schemmann sprachen über Konferenzen über „Zoom“, geschlossene Hotels und Restaurants und über die Disziplin der Nordwalder in Sachen Versammlungsverbot.
Interview unter freiem Himmel: Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink und Sonja Schemmann sprachen über Konferenzen über „Zoom“, geschlossene Hotels und Restaurants und über die Disziplin der Nordwalder in Sachen Versammlungsverbot.

Die Geschäfte in Nordwalde dürfen wieder öffnen, in der Gemeindeverwaltung wird überlegt, wie dort der Publikumsverkehr wieder zugelassen werden kann. Restaurants müssen weiterhin geschlossen bleiben: Über Arbeit in der Verwaltung, der Politik und über die Corona-Lockerungen sprachen Bürgermeisterin Sonja Schemmann und Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink im Interview mit Redaktionsmitglied Vera Szybalski.

 

Die Gemeindeverwaltung ist während der Corona-Krise bis auf Weiteres für Besucher geschlossen. Was können Nordwalder machen, die umgezogen sind und sich ummelden oder dringend einen neuen Personalausweis beantragen müssen?

Dagmar Hilgenbrink: In der Regel telefonieren die Bürger mit uns. Vieles wird auch per E-Mail angefragt oder geschickt. Schriftliche Formulare senden wir zu. Wenn diese unterschrieben werden müssen, kommen die Bürger zur Außentür am Meldeamt. Sie müssen gar nicht durch die Tür in den Warteraum herein. Es bringt sogar jeder seinen eigenen Kugelschreiber mit. Es gibt Menschen, die dringend einen neuen Personalausweis brauchen, zum Beispiel um ihr Auto anzumelden. Was erforderlich ist, machen wir auch. Wir reduzieren das aber auf das absolut Notwendige. Das Gleiche gilt für die Bereiche SGB II und Rente – das wird alles per Post geregelt.

Sonja Schemmann: Auch alle weiteren Anträge, zum Beispiel für Kindergärten werden per Post erledigt.

Hilgenbrink: Man wundert sich, was plötzlich alles online geht.

Schemmann: Es ist schade, dass dadurch momentan der persönliche Kontakt verloren geht. Aber jeder hat Verständnis dafür.

Gibt es Überlegungen, die Gemeindeverwaltung in absehbarer Zeit wieder für den Besucherverkehr zu öffnen? Wie könnte das konkret aussehen?

Schemmann: Ja, Überlegungen dazu gibt es schon. Wir werden die Arbeitsplätze der Kollegen und Kolleginnen, die viel Publikumsverkehr haben, mit Plexiglasscheiben ausstatten. Abstandsregelungen werden durch Markierungen sichtbar gemacht und es sollen nur eine begrenzte Anzahl von Bürger und Bürgerinnen in die Wartezone eintreten. Diese Vorkehrungen haben sich ja bereits in den letzten Wochen in vielen Geschäften bewährt und werden von den Kunden akzeptiert.

Die Verwaltungsmitarbeiter arbeiten im Zwei-Schicht-System: eine Hälfte arbeitet im Homeoffice, die andere an der Bispingallee. Persönliche Konferenzen sind schwierig geworden. Wie lösen Sie das Problem?

Schemmann: Wir haben „Zoom“ (eine Videokonferenz-Plattform, Anm. d. Red.) auf unsere Rechner geladen. Der Verwaltungsvorstand tagt regelmäßig über Zoom als Videokonferenz. Als weitere Plattform nutze ich auch Skype oder auch Telefonkonferenzen. Die Unterzeichnung der Dringlichkeitsentscheidungen von einem Ratsmitglied, haben wir draußen durchgeführt. Vieles ist machbar in der jetzigen Zeit und als vorübergehende Lösung.

Wie häufig kommt der Krisenstab der Gemeinde aktuell noch zusammen?

Hilgenbrink: Jetzt nicht mehr ganz so häufig wie zu Beginn der Krise, immer wenn Bedarf da ist. Manchmal ist das täglich der Fall, manchmal zweimal pro Woche. Vieles lässt sich auch telefonisch zwischendurch klären.

Schemmann: Zum Beispiel am Wochenende, wenn es Dinge gibt, die nicht alle betreffen, bieten sich Telefonate an.

Hilgenbrink: Ich glaube, das wäre auch zu viel auf einmal.

Die politische Arbeit ruht während der Krise nicht. Wie halten Sie den Kontakt zu den Fraktionen?

Schemmann: Mindestens einmal in der Woche informiere ich die Fraktionsvorsitzenden ausführlich per E-Mail. Hinzu kommen Telefonate und am Donnerstag habe ich noch eine Telefonkonferenz mit den Fraktionsvorsitzenden abgehalten.

In der kommenden Woche soll wieder ein Ausschuss stattfinden. Steht schon fest, wie das konkret aussehen wird – welcher Ausschuss wird das sein, ist dieser öffentlich und muss eine Ratssitzung folgen?

Schemmann: Am Dienstag wird eine Haupt- und Finanzausschusssitzung stattfinden. Die Ratsmitglieder haben nach einem schriftlichen Beschluss alle Ratsentscheidungen auf den Hauptausschuss delegiert. Das heißt, es entfallen auch Vorberatungen in den Fachausschüssen, zum Beispiel dem Planungs-, Bau-, Verkehr- und Umweltausschuss. In der Telefonkonferenz mit den Fraktionsvorsitzenden möchte ich über das weitere Vorgehen zur Erstellung der Leistungsbeschreibung und dem dazu notwendigen Beschluss sprechen. Es ist für den Erhalt der Fördermittel sehr wichtig, mit dem Verfahren weiterzukommen.

Geschäfte, deren Verkaufsfläche 800 Quadratmeter nicht überschreitet, dürfen wieder öffnen. Damit können Einzelhändler, wie der Buchladen, Mode- oder Dekogeschäfte in Nordwalde wieder öffnen. Ist der Schritt richtig?

Schemmann: Ja, der Schritt ist richtig und wirtschaftlich für die einzelnen Geschäfte sehr wichtig. Mit den Abstandsregeln und der begrenzten Anzahl an Kunden ist das bereits erprobt und es funktioniert. In Nordwalde stellen wir fest, dass die Kunden sehr verantwortungsvoll mit den Bedingungen umgehen und auf sich und andere gut aufpassen.

Hotels und Gaststätten müssen noch geschlossen bleiben. Haben Sie Verständnis für diese Entscheidung?

Schemmann: Die Situation ist außergewöhnlich und es ist sehr schwierig, immer Beschlüsse zu treffen, die allen und allem gerecht werden. Ich finde, die Bundes- und Landesregierung gehen sehr behutsam und verantwortungsvoll mit den Lockerungen vor. Mit den Beschränkungen, die es für andere Geschäfte – auch bald Friseure – gibt, sollte es auch möglich sein, die Hotels und Gaststätten wieder zu öffnen.

Halten sich die Nordwalder bislang an das Versammlungsverbot?

Schemmann: Ja, grundsätzlich halten sich die Nordwalder daran. Es gibt auch Bürger die schauen, wie andere damit umgehen. Diese melden sich dann bei uns. Bislang war es nicht nötig, ein Ordnungsgeld zu verhängen.

Hochzeiten dürfen in kleinem Rahmen stattfinden. Haben während der Corona-Krise noch Trauungen stattgefunden oder haben die meisten Brautpaare abgesagt?

Hilgenbrink: Zwei Hochzeiten haben stattgefunden, aber die meisten haben von sich aus abgesagt. Einige, die im Mai heiraten wollen, warten noch, weil sie hoffen, dass sie sich die Situation bis dahin entspannt. Zurzeit können bei einer Trauung nur die Eheleute mit der Standesbeamtin oder dem Standesbeamten anwesend sein. Wir sind auch abhängig davon, wie groß der Raum ist. In einem kleinen Raum können wir keine Trauung mit zehn Personen durchführen.

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