Anlage muss nach 25 Jahren abgebaut werden
Abschied von der „Windmarie“

Nordwalde -

Eine der ersten Windkraftanlagen aus Nordwalde musste jetzt abgebaut werden – weil ihr Strom nicht mehr für einen garantierten Preis abgenommen wird. Eine ärgerliche Entscheidung nicht nur für den Besitzer, auch die Nachbarschaft trauert ...

Freitag, 24.04.2020, 18:29 Uhr aktualisiert: 26.04.2020, 12:54 Uhr
Eines der ersten Windräder aus Nordwalde in Suttorf ist jetzt abgebaut worden.
Eines der ersten Windräder aus Nordwalde in Suttorf ist jetzt abgebaut worden. Foto: Marion Fenner

Die „Wind­marie“ in der Bauerschaft Suttorf hat nicht nur 25 Jahre Strom aus Wind geliefert, sie hat auch die Nachbarschaft enger zusammen rücken lassen. Doch nun ist das Aus für die „Windmarie“ gekommen. In dieser Woche ist eines der ältesten Windräder aus Nordwalde abgebaut worden.

80-Kw-Anlage

Am 20. Dezember 1995 wurde das Windrad in Betrieb genommen. „Mein Vater und ich hatten bereits 1993 mit den Plänen für ein Windrad begonnen“, berichtet Alfons Feldmann junior. Zuerst hätten sie eine Baugenehmigung für eine 80-Kw-Anlage erhalten. Doch als die Firma Enercon auch leistungsstärkere Anlagen anbot, beantragten sie damals kurzfristig eine neue Genehmigung für den Bau einer 200 Kw-Anlage. Und so kam die „Windmarie“, die Vater und Sohn gemeinsam als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt haben.

Ersatzteillager

„Der Name war eine Idee der Nachbarn“, berichtet Feldmann. Die wollten den Bau des ersten Windrades in ihrer unmittelbaren Umgebung natürlich feiern. Am Vormittag des Heiligen Abend seien alle zusammengekommen, erinnert sich Feldmann. Weil das Fest so gut gewesen sei, hätten sie damals beschlossen, jährlich den Geburtstag des Windrades zu feiern. Zunächst habe das Treffen am Silvestermorgen stattgefunden, später dann im Januar. „Das war immer eine tolle Veranstaltung, zu der in jedem Jahr mehr Personen gekommen sind und jeder etwas mitgebracht hat“, schwelgt Feldmann in Erinnerungen.

Entscheidung der Politik

Aus heutiger Sicht gehört das Windrad mit einer Nabenhöhe von 50 Metern zu den eher kleineren Exemplaren. Es hat Strom produziert, mit dem jährlich rund 60 Vier-Personen-Haushalte hätten auskommen können, erzählt Feldmann.

Einen Teil des Stroms hat Feldmann auf dem eigenen Hof verbraucht, den Rest ins Netz eingespeist. Als das Erneuerbare Energiegesetz (EEG) kam, wurde Feldmann ein Abnahmepreis für seinen Strom für 20 Jahre garantiert. Diese Frist ist jetzt abgelaufen, deshalb muss das Windrad abgebaut werden. „Eigentlich ist das Gerät noch top in Ordnung“, bedauert Feldmann diese Entscheidung. Doch den produzierten Strom müsste er jetzt regulär über die Strombörse verkaufen und bekäme dort deutlich weniger Geld. „Das lohnt sich für uns nicht mehr.“ Das sei eine Entscheidung der Politik, die dafür sorge, dass voll funktionsfähige Windräder nicht mehr weiterarbeiten. „Mich ärgert das“, betont Feldmann. „Und meinen verstorbenen Vater würde es das Herz brechen, wenn er den Tag des Abbaus miterlebt hätte“, ist er überzeugt

Das Windrad, das 2016 von der Firma Enercon noch einmal komplett überholt wurde, wird nicht verschrottet. Es wird in Einzelteilen abgebaut und dient als Ersatzteillager für andere Windräder.

Feldmann gehört zu den Pionieren der Windenergie in der Region. „Hätten wir damals nicht die kleineren Anlagen etabliert, würden heute auch größere Anlagen deutlich weniger Akzeptanz erfahren“, ist sich Feldmann sicher. Auf seinen Hof setzt der Maschinenbauingenieur nun künftig nicht mehr auf Windenergie, hält aber an regenerativen Energien fest. „Wir haben mittlerweile eine Photovoltaik-Anlage gebaut, über die unser Betrieb versorgt wird.“

Photovoltaik-Anlage

Gerne hätte Familie Feldmann die Nachbarn noch zu einer Abschiedsparty für die „Windmarie“ eingeladen. Die aber fällt dem Coronavirus zum Opfer. Das Fest werde nachgeholt, verspricht Feldmann. Die Bank neben dem Windrad, an der sich immer alle getroffen haben, bleibt stehen und dient als Treffpunkt für die Erinnerung an viele schöne windige Zeiten.

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