Unwetter
Feuerwehr-Großeinsatz nach Starkregen

Nordwalde -

Das Unwetter am Sonntag hat Nordwalde vergleichsweise hart getroffen. Viele freiwillige Helfer waren bis zum frühen Montagmorgen im Einsatz und verhinderten so Hand in Hand, dass die enormen Wassermengen Schlimmeres anrichten konnten.

Montag, 15.06.2020, 08:13 Uhr aktualisiert: 15.06.2020, 14:06 Uhr
Unwetter: Feuerwehr-Großeinsatz nach Starkregen
Foto: Jens Keblat

Am Anfang schien alles noch einigermaßen entspannt, doch um 19.40 Uhr am Sonntagabend musste die Freiwillige Feuerwehr in Nordwalde dann doch wieder einmal die Reißleine ziehen: „Vollalarm“ infolge des Unwetters. „Die Wassermengen sind unglaublich“, sagten Bürgermeisterin Sonja Schemmann und Feuerwehr-Sprecher Uwe Schmitz , als sie am Sonntagabend in einer beinahe völlig leeren Fahrzeughalle im Feuerwehrgerätehaus standen. Zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt 60 Frauen und Männer der Einsatzabteilung sowie 18 Feuerwehrleute aus Emsdetten, weitere 35 ad-hoc per WhatsApp alarmierte freiwillige Helfer unter anderem vom Bauhof und noch einmal rund 30 Freiwillige unter anderem vom Landwirtschaftlichen Ortsverband (LOV) bereits nach Kräften und teils mit schwerem Gerät im Einsatz, um den aus den Lehren von 2010 eigens für die Gemeinde entwickelten Hochwasser-Notfallplan wie eine Checkliste abzuarbeiten und Schlimmeres zu verhindern.

Die Wassermengen sind unglaublich.

Bürgermeisterin Sonja Schemmann und Feuerwehr-Sprecher Uwe Schmitz

Denn bereits aus dem Hochwasser vor rund zehn Jahren habe die Gemeinde gelernt und feile seitdem mit jedem weiteren größeren Unwetter an einem Notfallordner, der nicht nur der Feuerwehr im Ernstfall die Arbeit erleichtert: „Wir haben Maßnahmen eruiert und aufgeschrieben“, so Schemmann. Ein kurzer Blick in die Mappe verrät, worauf es ankommt, wenn wieder einmal zu viel von oben kommt: „Das fängt an mit Bevölkerung warnen und dann kommt das Aufstellen und Herunterlassen der Platten“, so Schemmann weiter.

Auch am Sonntagabend habe man blitzschnell gehandelt und wieder massive Platten sowohl im Oberlauf eingesetzt, um die Wasserdurchlässe der Fließgewässer zu sperren und auch im Unterlauf, um das Wasser schneller ablaufen zu lassen. Denn mit dem Wasser ist das in Nordwalde so eine Sache: Bei einem Starkregenereignis erreichen binnen kurzer Zeit für die Gemeinde bedrohlich große Wassermengen den Ortskern. Über den Kirchlarbach, den Langemeersbach, den Hellbach und den Höppenbach werden große Wassermengen unter anderem aus Altenberge und Borghorst dann rasch zur Gefahr. Im schlimmsten Fall könnten so gleich mehrere Wohngebiete überschwemmt werden, weiß Schemmann.

Großeinsatz nach starkem Regen

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  • In Nordwalde hat der Starkregen die Feuerwehr auf Trab gehalten.

    Foto: Jens Keblat
  • „Die Wassermengen sind unglaublich“, sagten Bürgermeisterin Sonja Schemmann und Feuerwehr-Sprecher Uwe Schmitz.

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  • Mit massiven F-Schläuchen haben 18 Emsdettener Wehrleute dem Langemeersbach noch am späten Sonntagabend einen Bypass verpasst und eine zweiadrige jeweils einen Kilometer lange Leitung entlang der L559 und L592 zum Brüggemannsbach gelegt.

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Die Bilanz am Sonntagabend: „Wir haben das Wasser noch so gerade im Graben oder auf der Straße gehabt, aber es ist noch nicht in die Häuser gelaufen.“ Weniger als zehn Einsätze, bei denen Keller ausgepumpt werden mussten, habe das für die Feuerwehr bedeutet, ergänzt Uwe Schmitz. „Die haben wir abgearbeitet.“

In einem Fall in der Amtmann-Daniel-Straße war der Druck im Schmutzwasserkanal anfangs offenbar derart hoch, dass das Wasser über einen Hausanschluss bis in eine Waschmaschine und eine Toilette gedrückt wurde. Deshalb habe die Gemeinde die Hilfe der Landwirte kurzerhand angenommen, die mit ihren großen Güllefässern Schmutzwasser abgepumpt und zur Kläranlage gefahren hätten. Zeitgleich hätten weitere Bürger am Bauhof spontan geholfen, Sandsäcke zu befüllen, die letztlich vorsichtshalber an der Dömerstiege aufgereiht wurden, um die Häuser zu schützen. Schemmann: „In dem Gebiet Feldbauerschaft, am alten Sportplatz unweit des Real-Marktes, haben wir über 100 Milliliter Niederschlag festgestellt und die müssen ja einmal durchs Dorf.“

Hochleistungspumpe im Einsatz

Um den Wasserablauf nochmals zu verbessern setzte die Feuerwehr deshalb an der Amtmann-Daniel-Straße und der Dömerstiege Pumpen ein, um die Abflussgeschwindigkeit zu erhöhen. Zusätzlich half die Feuerwehr Emsdetten mit einer Hochleistungspumpe aus, die über den Katastrophenschutz des Landes dort stationiert ist: Mit massiven F-Schläuchen haben 18 Emsdettener Wehrleute dem Langemeersbach noch am späten Sonntagabend einen Bypass verpasst und eine zweiadrige jeweils einen Kilometer lange Leitung entlang der L559 und L592 zum Brüggemannsbach gelegt.

Dafür habe man den Abzweig Scheddebrock (L559) komplett gesperrt, so Schmitz weiter. Alleine mit diesem sogenannten Hytrans Fire System, kurz HFS, wurden bis zum Montagmorgen im Schnitt rund 6000 Liter pro Minute in Richtung Emsdetten gepumpt, um Nordwalde zu entlasten.

Feuerwehr-Einsätze im Münsterland

Im Kreis Borken war am Sonntag Südlohn der Einsatzschwerpunkt der Feuerwehr: Kurzzeitige, massive Regenfälle führten dazu, dass die Kanalisation überlastet war. Viele Keller standen danach unter Wasser, sodass innerhalb kurzer Zeit 20 Einsätze bei der Leitstelle registriert wurden. Rund 60 Einsätzkräfte der Feuerwehr waren in Südlohn tätig. Zusätzlich fielen vier wetterbedingte Einsätze im Raum Ahaus an.

Die höchsten Regenmengen registrierte der Deutsche Wetterdienst in Ahaus (Kreis Borken) und Altenberge (Kreis Steinfurt). Von Sonntagmorgen bis Montagmorgen fielen dort jeweils 68 Liter Regen pro Quadratmeter.

In Münster wurde die Feuerwehr am Sonntagabend wegen des Regens zu rund 30 Notfällen vor allem im Osten und Nordosten der Stadt gerufen - meist waren vollgelaufene Keller der Grund. Rund 100 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren waren dabei im Einsatz.

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Hinweis an Hauseigentümer

Damit Unwetter wie dieses künftig noch glimpflicher verlaufen, hoffen Schemmann und Schmitz, dass die Eigentümer tendenziell gefährdeter Häuser ihre Objekte baulich und technisch entsprechend ausstatten und bereits vorhandene Installation regelmäßig warten. Doch wie gut das bereits laufe, könne die Gemeinde kaum feststellen, vielmehr beobachte man das Gegenteil: „Was wir wahrnehmen ist, dass die Bürger vor allem in den Gebieten, die in den vergangenen Jahren immer mal betroffen waren, uns beobachten und schauen, ob das, was wir jetzt an zusätzlichen Maßnahmen treffen, auch alles greift“, so Schemmann abschließend.

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