Ludger Lohmann spielt nach der Corona-Pause wieder in der St.-Dionysius-Kirche
Als wäre er nie weg gewesen

Nordwalde -

Die Corona-Pandemie hat für eine Situation gesorgt, die Ludger Lohmann seit 50 Jahren nicht mehr kannte: eine Zeit ohne Konzerte. Der Organist ist regelmäßig in Nordwalde zu Gast. Sein letzter Auftritt vor der Corona-Pause war in der St.-Dionysius-Kirche. Am 6. September kehrt er zurück.

Mittwoch, 02.09.2020, 12:42 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 12:50 Uhr
Kein Unbekannter in Nordwalder: Organist Ludger Lohmann kehrt am kommenden Sonntag (6. September) nach Nordwalde zurück. Es war zuletzt Anfang Januar vor der coronabedingten Zwangspause in der St.-Dionysius-Kirche.
Kein Unbekannter in Nordwalder: Organist Ludger Lohmann kehrt am kommenden Sonntag (6. September) nach Nordwalde zurück. Es war zuletzt Anfang Januar vor der coronabedingten Zwangspause in der St.-Dionysius-Kirche. Foto: Rainer Nix

Anfang Januar hatte Organist Ludger Lohmann wieder einmal die Reise nach Nordwalde angetreten, um in der St.-Dionysius-Kirche ein Konzert zu geben. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass es sein letztes Konzert für lange Zeit sein würde. Den Februar hält sich der Hochschulprofessor gerne für das zu Ende gehende Semester an der Musikhochschule Stuttgart frei. Im März griffen dann die weitgehenden Corona-Einschränkungen. Konzerte fanden nicht mehr statt.

„Ich hatte ziemlich genau ein halbes Jahr lang Corona-Pause“, sagt Ludger Lohmann. Eine ungewohnte Situation, die er seit seiner Schulzeit nicht mehr kannte: „Mindestens seit 50 Jahren hatte ich nicht mehr eine so lange Zeit ohne Konzert.“ Die gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Ein halbes Dutzend Konzerte hat Lohmann schon wieder gespielt, nachdem die ersten Corona-Maßnahmen gelockert wurden. Am Sonntag (6. September) kehrt er nach Nordwalde zurück. Um 20 Uhr steht der Bach-Zyklus VIII auf dem Programm.

Umzug sorgt für Ablenkung

Mit der konzertfreien Zeit konnte Lohmann gut umgehen, auch wenn er die Auftritte „schon vermisst“ habe: „Ich hatte seit Anfang Januar sehr viel Arbeit.“ Für Ablenkung sorgte die Vorbereitung seines Umzugs von Stuttgart an den Bodensee. Konzerte in die digitale Welt zu übertragen, wie andere Künstler es gemacht haben, kam für Lohmann nicht infrage: „Mit der Orgel geht das nicht. Die ist dafür akustisch zu komplex.“ Über Alternativen zu den klassischen Auftritten muss sich Lohmann jetzt erst mal keine Gedanken mehr machen.

Trotz der langen Pause, als Ludger Lohmann dann wieder an der Orgel saß, war es, als wäre er nie weg gewesen: „Im Grunde genommen hat sich das sofort wieder normal angefühlt“, sagt Lohmann. „Ich war direkt wieder in der Routine drin.“ Er hat in diesem Jahr schon in Frankreich und Belgien Konzerte gespielt, zuletzt ist er im Merseburger Dom aufgetreten, in dem sich eine bedeutende Orgel befindet: Franz Liszt hat eine seiner berühmtesten Orgelkompositionen für diese Orgel geschrieben. Für Lohmann ist sie eine der bedeutendsten der frühen deutschen Romantik.

Fast ein Heimspiel

Eine besondere Beziehungs hat er aber auch zur Mencke-Bensmann-Orgel in der St.-Dionysius-Kirche. „Mit der Orgel bin ich sehr vertraut und verbunden“, sagt Ludger Lohmann. „Ich bin restlos begeistert von dem Instrument.“ Die Konzerte in Nordwalde sind für Lohmann mittlerweile fast ein Heimspiel.

Das musikalische Großprojekt „Bach 1720“ biete die Chance, Stücke zu spielen, die bei Bach-Konzerten sonst nicht zu hören seien, sagt Lohmann: „Das sind einzelne Nummern, die zu kurz sind, um sie als Konzertnummer zu spielen.“ Auch Stücke aus Bachs Jugendzeit, die sonst vernachlässigt würden, sind zu hören. Wenn man sehe, was Bach schon als 15-Jähriger zu Papier gebracht habe, werde deutlich, was für ein Genie er gewesen sei. Einen Eindruck davon verschaffen, kann man sich am Sonntag.

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