Interpretation von Mozarts Requiem in St. Dionysius beeindruckte
Opernhaft dramatisch und galant

Nordwalde -

Es war ein musikalisches Highlight, das die Besucher in der St.-Dionysius-Kirche geboten bekamen: Der Chor Venestra musica, mehrere Solisten und Mitglieder des Kourionorchesters Münster führten das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart auf.

Dienstag, 06.10.2020, 09:45 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 10:58 Uhr
Besondere Abstände der Ausführenden untereinander mussten auch bei der Aufführung des Requiems in der St.-Dionysius-Kirche eingehalten werden.
Besondere Abstände der Ausführenden untereinander mussten auch bei der Aufführung des Requiems in der St.-Dionysius-Kirche eingehalten werden. Foto: Rainer Nix

Es waren in zweierlei Hinsicht besondere Aufführungen. Zum einen ist das Requiem d-Moll KV 626 das letzte Werk des Genies Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791). Zum anderen war es am Sonntag und Montag in St. Dionysius ein musikalisches Highlight, das in Corona-Zeiten eine spezielle Umsetzung erforderte. Die Reduzierung auf 200 Plätze pro Konzert erforderte aufgrund des Interesses zwei Termine.

Kirchenmusiker Thorsten Schlepphorst bearbeitete die Orchesterpartitur des als „geheimnisvoll“ überlieferten Werkes. Es ranken sich zahlreiche Mythen darum, die jedoch ins Reich der Fantasie verbannt werden dürfen. Der Auftraggeber war kein Bote aus dem Jenseits, die Theorie des Giftmordes durch den Konkurrenten Antonio Salieri (1750 bis 1825) gilt als widerlegt. Der anonyme Mozart-Kunde war, wie die Forschung heute weiß, Reichsgraf Franz von Walsegg (1763 bis 1827).

Des berühmten Werkes würdig

Die Chor- und Orchesterbesetzung in St. Dionysius waren kleiner, als zu Beginn der Proben Anfang des Jahres geplant, um die Corona-Schutzabstände einzuhalten. Der Renaissancechor Venestra musica aus Nordwalde, die Solisten Katharina Brodesser (Sopran), Alexander Schneider (Alt), Andreas Scholz (Tenor) und Arndt Winkelmann (Bass) überzeugten ebenso wie die Mitglieder des Kourionorchesters Münster.

Interpretation von Mozarts Requiem in St. Dionysius: Die Chormitglieder mussten untereinander Abstand halten.

Interpretation von Mozarts Requiem in St. Dionysius: Die Chormitglieder mussten untereinander Abstand halten. Foto: Rainer Nix

Unter der Leitung von Thorsten Schlepphorst entfalteten sie ein Klangbild, das sich des berühmten Werkes würdig erwies. Bereits zu Beginn beim Introitus „Requiem aeternam“ und dem Kyrie zeigten die Interpreten ihre stimmlichen und instrumentalen Qualitäten. Das setzte sich kontinuierlich bis hin zum Communio „Lux aeterna“ fort.

Respekt gilt den Ausführenden

Es ist großartige Musik, obschon der Komponist sein Werk nicht mehr selbst vollenden konnte. Es stammt aus dem Jahr 1791, Mozart schrieb das Requiem zu etwa zwei Dritteln. Während er das „Lacrymosa“ noch skizzierte, fehlten die Orchesterbegleitung und der Schluss. Die Hauptarbeit der Fertigstellung erledigte maßgeblich Franz Xaver Süßmayr (1766 bis 1803). Grundsätzlich versuchten sich im Laufe der Jahre gleich mehrere Komponisten an der Komplettierung des Werkes.

Mozarts Requiem als charakteristische Totenmesse zum Gedächtnis eines Verstorbenen wird unter anderem beschrieben als Synthese aus Kirchenmusikalischem, opernhaft Dramatischem, barocker Gelehrtheit und galantem Stil. Die düstere Orchesterfarbe ist nachvollziehbar, Mozart wird sich seines eigenen nahen Todes bewusst gewesen sein. Die Aufführung in der St.-Dionysius-Kirche überzeugte auch in reduzierter Besetzung. Der Respekt gilt den Ausführenden, nicht zuletzt Thorsten Schlepphorst, der sich einer Überarbeitung der Partitur einfühlsam annahm.

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