Durch Zufall konnte Sohn Schlimmeres verhindern
Betrüger wollten 20 000 Euro

Greven / Altenberge / Nordwalde -

Immer wieder versuchen Betrüger, mit dem sogenannten Enkeltrick an Geld zu kommen. In Altenberge, Nordwalde und Greven scheiterten sie damit.

Sonntag, 18.10.2020, 16:25 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 15:56 Uhr
Tatort Telefon: Immer wieder fallen vor allem Senioren auf Anrufer herein, die einen solchen psychologischen Druck erzeugen, dass ihre Urteilskraft ins Wanken gerä
Tatort Telefon: Immer wieder fallen vor allem Senioren auf Anrufer herein, die einen solchen psychologischen Druck erzeugen, dass ihre Urteilskraft ins Wanken gerä Foto: dpa

Kevin meldete sich am Telefon. Damit begann am vergangenen Donnerstag eine Betrugsgeschichte, die schlimm hätte enden können, wenn nicht unangemeldet ein Sohn der beiden Reckenfelder Senioren eingegriffen hätte.

Denn sie waren drauf und dran, einen Betrüger um 20 000 Euro reicher zu machen.

Täuschend echt

Die Reckenfelder, er 87 Jahre alt, sie 85, erhielten am Donnerstagnachmittag einen Anruf. Die alte Masche: Ein „Enkel“ namens Kevin meldete sich, der dringend Geld bräuchte. Bei der Polizei gaben die Senioren später an, er hätte „täuschend echt geklungen“. Und: Tatsächlich haben sie einen Enkel, der Kevin heißt.

Der Anrufer trug den Senioren auf, mit dem Taxi zur Sparkasse zu fahren, um dort 20 000 Euro von ihrem Konto abzuholen. Irritiert und besorgt folgten die Reckenfelder der Anweisung, fuhren zur Bank und hoben das Geld ab. Dann nahmen sie erneut das Taxi und ließen sich wieder nach Hause fahren.

Durch einen Zufall wartete dort allerdings einer ihrer Söhne auf seine Eltern. Ein kleiner Besuch am Nachmittag, eine Überraschung. Der Sohn war allerdings sehr überrascht über den vermeintlichen Anruf, telefonierte selbst mit den Enkel und erfuhr, dass der mit all dem nichts zu tun hatte.

„Unglaublich“, empört sich ein naher Verwandter der Senioren, der selber schon längst pensioniert ist: „Da müssen doch die anderen Mitmenschen gewarnt werden.“

Polizei

Warnen könne man gar nicht genug, bestätigt ihn da ein Sprecher der Polizei. Fast täglich haben die Beamten mit Telefonbetrügern zu tun. Am Donnerstagnachmittag, – etwa zur gleichen Zeit wie in Reckenfeld – riefen Unbekannte einen 80-Jährigen in Nordwalde und eine 69-Jährige Frau in Altenberge an. Beide reagierten schnell, legten auf und alarmierten die Polizei. „Vermutlich ist die Dunkelziffer sehr hoch“, sagt eine Polizeisprecherin.

Haustürgeschäfte

Es sei sehr unwahrscheinlich, dass der Anrufer selber zum Abholen des Geldes gekommen wäre, ist sich die Polizei sicher: „Vermutlich hätte er ein Taxi geschickt.“

Der Enkeltrick ist seit langem gängig.

Neuerdings geben sich Anrufer auch als Polizeibeamte aus, die Wertgegenstände abgreifen wollen. Immer werde ein Ausnahmezustand projiziert, weiß die Polizei. Alte Menschen, die verwirrt sind, mitunter auch obrigkeitsgläubig, durchschauen den Betrug nicht und händigen Geld oder Schmuck aus.

Auch Haustürgeschäfte sind nicht selten, in denen wandernde Händler scheinbar günstige Gegenstände an Mann und Frau bringen wollen. „Zum Beispiel eine echte Lederjacke für nur 50 Euro“, sagt ein Polizeisprecher. Nachher war es ein besserer Putzlappen.

Rechtlich handelt es sich bei diesen Maschen um Betrug. „Man erzeugt einen Irrtum“, so ein Polizeisprecher, „dann findet eine Vermögensübergabe statt.“

Wenn Täter erwischt werden, drohen ihnen sehr hohe Freiheitsstrafen bis zu acht Jahren. So wurde vor geraumer Zeit eine Betrügerbande in Rheine Hops genommen.

Das Pech: Häufig können sie nicht eingebuchtet werden. Anrufer agieren oft von ausländischen Callcentern aus, die Banden arbeiten arbeitsteilig.

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