Ergreifendes Konzert von „Polyharmonique“ in der Pfarrkirche
Nahrung für die strapazierte Seele

Nordwalde -

Das Vokalensemble „Polyharmonique“ sang am Donnerstagabend in der in der St.-Dionysius-Pfarrkirche aus Werken von Heinrich Schütz, Tobias Michael, Andreas Hammerschmidt und Johann Sebastian Bach. Alles vokale Kostbarkeiten mitteldeutscher Vokalmusik des 17. Jahrhunderts.

Freitag, 30.10.2020, 16:23 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 13:59 Uhr
Vokalmusik von Komponisten aus dem 16. und 17. Jahrhundert sang das Ensemble „Polyharmonique“ – coronakonform – im hinteren Teil des Chors der St. Dionysius-Pfarrkirche. So hatten die Sängerinnen und Sänger einen sehr großen Abstand zum Publikum.
Vokalmusik von Komponisten aus dem 16. und 17. Jahrhundert sang das Ensemble „Polyharmonique“ – coronakonform – im hinteren Teil des Chors der St. Dionysius-Pfarrkirche. So hatten die Sängerinnen und Sänger einen sehr großen Abstand zum Publikum. Foto: Matthias Lehmkuhl

Normalerweise gehören Metropolen wie Basel, Hamburg oder das heimatliche Berlin zu den bevorzugten Auftrittsorten des professionellen Vokalensembles „Polyharmonique“. Doch Nordwalde scheint dem internationalen Kollektiv von Gesangssolisten ans Herz gewachsen zu sein. Bereits zum vierten Mal sang sich Polyharmonique in die Herzen des Publikums.

Wie gut es den corona-konform platzierten Zuhörern am Donnerstagabend in der St.-Dionysius-Pfarrkirche gefallen hatte, davon zeugten am Ende die stehenden Ovationen. Die bewegten die zwei Sängerinnen und vier Sänger mit ihrer musikalischen Begleitung noch zu einer Zugabe.

Wer sich im Vorfeld über die Besetzung informiert hatte, dem fiel auf, dass eine angekündigte Sopranistin fehlte. „Leider ist Magdalene Harer plötzlich unpässlich geworden. Umso mehr freut es uns, dass Hannah Morrison kurzfristig einspringen konnte“, klärte Alexander Schneider das Publikum über die Veränderung auf. Bemerkenswert und erstaunlich, wie schnell sich die schottisch-isländische und in Holland aufgewachsene Sopranistin in das Ensemble integrierte.

An diesem Abend konzentrierte sich das Ensemble auf die geistliche Chormusik von Heinrich Schütz (1585 bis 1672), die 29 Sätze (von SWV 369 bis SWV 397) für fünf bis sieben Stimmen enthält. Schütz gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks. Zunächst gab Polyharmonique „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“, „Ich bin ein reicher Weinstock“ und „O lieber Herre Gott“ zum Besten. Anschließend gehörten „Ach Herr wie sind meiner Feinde viel“, „Ich lieg und schlafe“, „Ist nicht Ephraim meiner teurer Sohn“, und „Ach wie gar nichts sind alle Menschen“ vom lutherischen- deutschen Komponisten Andreas Hammerschmidt (1611 bis 1675) zum Repertoire. Die Melodieführung seiner Kompositionen gilt allgemein als eingängig.

Auch Tobias Michael (1592 bis 1657), deutscher Komponist und Thomaskantor, wurde vom Vokalensemble mit vier Werken gewürdigt. Sein Stil entspricht der damals in Deutschland weit verbreiteten Venezianischen Schule. Durch die Musik des Sachsen lernten sich Nordwaldes Kirchenmusiker Thorsten Schlepphorst und das Berliner Ensemble kennen und schätzen. Nach Tobias Michael war wieder Chormusik von Hermann Schütz an der Reihe.

Zum Schluss war Johann Sebastian Bachs Chorgesang „Jesu meine Freude“ der Höhepunkt das Abends. Musikalisch im Ton einer Trauermusik gehalten, vermittelt der Text die Abkehr von den weltlichen Dingen und die Hinwendung zum Geist Jesu, der über alle Traurigkeit triumphiert.

Alle Akteure des Ensembles Polyharmonique bewiesen eindrucksvoll, dass sie die Fähigkeit besitzen, individuelle Stile und mehrstimmiges Singen miteinander in Einklang zu bringen. Als bejubelte Zugabe gab es „Selig sind die Toten“ von Heinrich Schütz.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7656022?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F181%2F
Nachrichten-Ticker