Frust im St.-Augustinus-Altenzentrum
Die Impfung ist abgesagt

Nordwalde -

Erst wütete das Coronavirus im St.-Augustinus-Altenzentrum, jetzt wurde bereits zum zweiten Mal die Impfung verschoben. Der Impfstoff ist nicht geliefert worden. Die Verantwortlichen sind frustriert. Der Kreis Steinfurt verspricht: „Die Einrichtung wird Anfang Februar als Erstes bedacht.“

Donnerstag, 21.01.2021, 21:52 Uhr
Am Donnerstagnachmittag und Freitag sollten endlich die ersten Corona-Schutzimpfungen im St.-Augustinus-Altenzentrum durchgeführt werden. Doch die Einrichtung hat keinen Impfstoff geliefert bekommen
Am Donnerstagnachmittag und Freitag sollten endlich die ersten Corona-Schutzimpfungen im St.-Augustinus-Altenzentrum durchgeführt werden. Doch die Einrichtung hat keinen Impfstoff geliefert bekommen Foto: Vera Szybalski

Alles war vorbereitet, am Donnerstagnachmittag sollte es endlich so weit sein: Im St.-Augustinus-Altenzentrum sollten gestern und heute 260 Personen die erste Corona-Schutzimpfung erhalten. Sollten, werden sie aber nicht. Denn es ist kein Impfstoff vorhanden. „Wir haben nichts verkehrt gemacht und alles gegeben“, sagte Geschäftsführerin Dr. Susanne Sünderkamp . An Bestätigungsmails in den vergangenen Tagen sei abzulesen gewesen, dass alles seinen Gang gehe.

Am Mittwoch gab es dann aber eine erste Vorwarnung vom Impfzentrum, am Donnerstag folgte die Bestätigung vom Kreis Steinfurt: Es kann nicht geimpft werden, der Impfstoff ist nicht geliefert worden. „Ich kann gar nicht richtig in Worte fassen, wie frustrierend das ist“, sagte Sünderkamp. „Sie müssten mal die langen Gesichter hier sehen.“ Es sei „eine irre Belastung für alle“.

Bei der Übermittlung der Bestellung geht was schief

Das Altenzentrum sollte am Donnerstag die Lieferung erhalten. „Es ist eine Mischung aus Impfstoffengpass, Logistikproblem und vielleicht auch ein Kommunikationsproblem im ganzen Bestellverfahren“, sagte Sünderkamp über die Gründe für die ausbleibende Lieferung. Das Bestellverfahren laufe so ab: Das Altenzentrum meldet die Bestellung an die Kassenärztliche Vereinigung, die wiederum leitet das an das Impfzentrum weiter, welches das Logistikunternehmen informiert. „Es gab offenbar eine Störung bei der Übermittlung der Bestellung“, erklärte Kirsten Weßling, Pressesprecherin des Kreises Steinfurt. „Der Logistiker hat deshalb keinen Impfstoff geliefert.“

Das ist ein herber Rückschlag für das Altenzentrum, für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso wie die Bewohnerinnen und Bewohner und deren Angehörige, die Hoffnung in die Impfung setzen. „Wir sehen darin den einzigen Ausweg, uns vor schwerwiegenden Folgen der Infektion zu schützen“, sagte Susanne Sünderkamp. Damit hat die Einrichtung bereits Erfahrung machen müssen: „Wir haben hier viele Schicksale erlebt.“ Das Altenzentrum ist von Corona hart getroffen worden. Erst wütete das Virus gnadenlos in der Einrichtung, dann wurde die erste geplante Impfung Anfang Januar abgesagt, jetzt ist auch der zweite Termin geplatzt.

Ich finde das schon sehr schlimm für das Haus.

Bürgermeisterin Sonja Schemmann

„Das ist wirklich sehr bedauerlich“, sagte Sünderkamp. „Da steckt ja auch enorm viel Arbeit hinter.“ Für alle Personen, die geimpft werden sollen, muss der genaue Zeitpunkt abgesprochen werden. Mitarbeiter müssen ebenso Bescheid bekommen wie beispielsweise Gäste aus der Tagespflege. Angehörige müssen informiert werden. Die Impfärzte müssen ihre Praxen darauf einstellen, dass sie an anderer Stelle gebraucht werden. Jetzt muss allen abgesagt werden. Und das alles nun zum zweiten Mal.

„Was das für einen Aufwand bedeutet“, fühlte Bürgermeisterin Sonja Schemmann mit den Verantwortlichen im Altenzentrum mit. „Das ist ja kein kleines Haus.“ Die Gemeinde stehe im engen Austausch mit der Einrichtung. „Es ist mehr als bedauerlich, dass sie nicht impfen können.“ Trotz der Berichte über Lieferengpässe von Biontech sei sie davon ausgegangen, „dass für die Altenheime Impfdosen zurückgehalten werden“, sagte Schemmann. Schließlich laufe die Planung für die Impfungen dort bereits seit Dezember. Dass der Termin morgen geplatzt ist, dazu sagte Schemmann: „Ich finde das schon sehr schlimm für das Haus.“

Auf der Liste ganz oben

Zu dem Impf-Dilemma kommt, dass das Altenzentrum weiter die Ausbreitung des Coronavirus in der Einrichtung bekämpft. Zehn Personen sind an oder mit Corona verstorben. Derzeit beruhigt sich das Infektionsgeschehen. Es sind noch vier Mitarbeiter und sechs Bewohner infiziert.

„Der einzige Hoffnungsschimmer“ sei es, sagte Susanne Sünderkamp, dass das Altenzentrum sofort vom Kreis informiert würde, wenn wieder Impfstoff verfügbar ist. „Der Kreis hat uns auf der Liste ganz oben“, sagte Sünderkamp. Das bestätigte Kirsten Weßling: „Die Einrichtung wird Anfang Februar als Erstes bedacht.“

Das Altenzentrum wird dann wieder auf die Personen zukommen, die geimpft werden können. Weitere Informationen zur Impfung kann die Einrichtung derzeit nicht geben. „Sobald wir grünes Licht haben, wollen wir wieder Vollgas geben“, kündigte Susanne Sünderkamp an.

Kommentar

Es sind ganz, ganz bittere Wochen für das St.-Augustinus-Altenzentrum. Viele Mitarbeiter und Bewohner infizierten sich mit Corona, zehn Menschen starben. Hoffnung machte die Aussicht auf die Impfung – ausgerechnet die musste jetzt schon zum zweiten Mal verschoben werden. Es geht in diesem Fall nicht um eine stockende Lieferung des Corona-Impfstoffs von Biontech. Offensichtlich ist ein Fehler passiert. Wo genau es gehakt hat, wie die Störung bei der Übermittlung der Bestellung zustande kam, teilt der Kreis Steinfurt nicht mit. Wer verantwortlich ist, ist nicht geklärt. Nur eines lässt sich wohl klar sagen: Das Altenzentrum ist es nicht, ist nun aber der Leidtragende. Fehler passieren, das macht die Sache aber nicht weniger ärgerlich. Bei vielen Mitarbeitern dürfte die Belastungsgrenze längst überschritten sein. Nicht nur in physischer Hinsicht, besonders auch in psychischer. Welche mentale Belastung es sein muss, mitzuerleben, wie sich Kollegen, die eigenen Familienmitglieder und Bewohner anstecken, kann man sich nur ausmalen. Für die Bewohner selbst ist die Situation nicht weniger leicht. Auch viele Angehörige werden Sorgen quälen. Für sie alle ist das eine einzige Katastrophe. Bleibt nur zu hoffen, dass bald geimpft werden kann und bis dahin keine weiteren Infektionen hinzukommen.

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